Filmland Hessen 1 / 2010

01.05.2010

Feierliche Welturaufführung in Berlin und Frankfurt

Mit dem restaurierten Stummfilmklassiker "Metropolis" hat die Murnau-Stiftung einen Schatz gehoben

Von Daniel Guthert

Ein Abend von filmhistorischer Strahlkraft. Kaum glanzvoller hätte Berlinale-Chef Dieter Kosslick die 60. Berliner Filmfestspiele eröffnen können als mit diesem Solitär der Filmgeschichte, der restaurierten Fassung des Stummfilmklassikers „Metropolis" von Fritz Lang (DE 1927/2010 in der restaurierten Fassung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung), nunmehr in der fast authentischen Länge von zweieinhalb Stunden. Mehr als 80 Jahre nach seiner Uraufführung war 2008 in Buenos Aires, im dortigen Filmmuseum, völlig unverhofft eine ramponierte 16mm-Negativkopie aufgetaucht, um eine halbe Stunde länger als alle bisher bekannten Fassungen. Eine filmhistorische Sensation, hatte man doch die Originalversion längst als verschollen angesehen. So wurde die Welturaufführung, die zeitgleich in Berlin und Frankfurt statt fand, zu einer spektakulären Entdeckungsreise in die Filmhistorie. Diese Einzigartigkeit hob auch Staatsminister Bernd Neumann (CDU) in seiner Begrüßungsansprache in Berlin hervor, während Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in seiner Rede in Frankfurt der Murnau-Stiftung für die geleistete Pionierarbeit dankte und deren Bedeutung für die Bewahrung des kulturellen Erbes unterstrich. Als Rechtsnachfolgerin verwaltet die Murnau-Stiftung, die 1969 gegründet wurde und in Wiesbaden ansässig ist, vor allem den Filmstock ehemals großer Filmkonzerne wie der Ufa-Filmkunst, der Bavaria, der Tobis oder der terra-film, aber auch andere Werke filmkulturellen Rangs. Satzungsgemäße Bestimmung der Stiftung ist es, dieses Erbe zu erhalten, zu pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So ist es den Mitarbeitern der Murnau-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek und den Spezialisten von Omnimago gelungen, in monatelanger Sisyphusarbeit die Fundstücke, die in katastrophalem Zustand waren, Bild für Bild zu reinigen und zu rekonstruieren. Ein Aufwand, dessen Kosten sich schließlich auf 500.000 Euro beliefen, die gemeinsam vom Bund mit 200.000 Euro, vom Land Hessen aus dem Kulturfonds Rhein-Main (180.000 Euro) und der Murnau-Stiftung (120.000 Euro) getragen wurden, um diesen Klassiker, der als einziger Film im Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen ist, der Nachwelt nun fast wieder in der Originalversion von 1927 bewahren zu können. 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Spielfilm, Filmkultur, Filmtheorie/Filmwissenschaft, Filmtechnik, Institution

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