Filmland Hessen 1 / 2010

01.05.2010

Die Kamera als Augenzeuge

Jost Vacano - Preisträger des diesjährigen Marburger Kamerapreises

Von Alexander Scherer

Zum zehnten Mal wurde im März der mit 5.000 Euro dotierte Marburger Kamerapreis verliehen. Preisträger dieses Jahr war der Kameramann Jost Vacano, der spätestens seit Wolfgang Petersens „Das Boot" jedem Cineasten ein Begriff sein dürfte. Doch die Jubiläumsausgabe des Marburger Kamerapreises würdigte nicht nur einen herausragenden Kameramann, sondern ehrte auch den Initiator der Marburger Kameragespräche, den scheidenden Professor für Medienwissenschaften der Philipps- Universität Marburg, Karl Prümm. Im Rahmen eines Festaktes erhielt Prümm für sein Engagement um den Film das Historische Stadtsiegel, von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) überreicht. 

Zudem wurde Prümm mit dem Ehrenpreis des Bundesverbands Kamera (bvk) bedacht, der ihm für seine besonderen Verdienste um die Darstellung des Kameraberufes in der Öffentlichkeit verliehen wurde. Denn die Marburger Kameragespräche, die den Rahmen für die Verleihung des Kamerapreises bieten, heben die Arbeit hinter der Kamera als eigenständige, kreative Leistung hervor. 

Mit Jost Vacano wurde diesmal ein ganz besonderer Künstler ausgezeichnet: Er gehört zu den wenigen deutschen Kameramännern, die sich auch international behaupten konnten und zu einer festen Größe selbst in Hollywood geworden sind. Es ist vor allem der präzise Umgang mit der Handkamera, der seine Arbeiten schon seit seiner Frühzeit im Fernsehspiel der 1960er Jahre prägte. Lange vor der Dogma-Bewegung setzte Vacano, der sich selbst gern als Autodidakt bezeichnet, die Kamera als dynamisches Auge des Zuschauers ein und ließ sie im Raum förmlich „tanzen". Das brachte das bis dato langatmige, literarische Fernsehspiel förmlich aus dem Gleichgewicht und modernisierte es zugleich. 

Vacanos berühmteste Arbeit aber ist nach wie vor Wolfgang Petersens Kriegsdrama „Das Boot". Wenn die Kamera durch den Bauch des U-Bootes jagt, während es auf Tauchstation geht oder von Wasserbomben durchgeschüttelt wird, dann übertragen sich Hektik, Angst und Panik der Besatzung eindrucksvoll auf den Zuschauer. Dank eines eigens entwickelten Kamerasystems gelingt Vacano die richtige Mischung aus Ruhe und Unruhe, so dass man das unterschwellige Gefühl hat, man bewege sich mit der Kamera mit. So ist es sicherlich nicht vermessen, zu behaupten, dass Vacano mit seiner Bildsprache ein Platz in der Geschichte der Filmkunst sicher sein wird. 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Auszeichnung, Institution, Filmtechnik

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