Filmland Hessen 1 / 2010

01.05.2010

Der Hafen für den europäischen Film

Der Frankfurter Filmproduzent Daniel Zuta mit holländischem Partner

Von Bernd Jetschin

„Plastic Planet", Werner Bootes Dokumentarfilm über den allgegenwärtigen Kunststoff, der alle Bereiche unseres Alltags durchdringt und gefährliche Spuren in der Umwelt hinterlässt, läuft seit Februar in den Kinos. Der Frankfurter Produzent Daniel Zuta hat dafür mit dem Wiener Werbefilmproduzenten Thomas Bogner kooperiert, um den Film des österreichischen Filmregisseurs zu produzieren, der in seinem aufrüttelnden provozierenden Stil an die Filme des US-Regisseurs Michael Moore erinnert. „Jährlich werden 250 Millionen Tonnen Plastik hergestellt", beschreibt Zuta, „wovon nicht mal ein Prozent recycelt wird. Das meiste Plastik besitzt eine Halbwertszeit von 500 Jahren." Ein brisantes Kapitel, das Boote in seiner globalen Dimension aufzeigt. 

Und brisant verspricht auch das nächste Dokumentarfilmprojekt „Bulp Ficition" zu werden, das sich der europäischen Glühbirnen- Verordnung widmen wird. Autor und Regisseur Christoph Meyer hat nicht nur über ein Milliardengeschäft von Philipps und Osram recherchiert, sondern zeigt auch, welche Risiken sich mit dem Leuchtstofflicht ergeben, das zwar weniger Strom verbraucht, aber wegen seines Quecksilbergehaltes auf der Sondermull-Deponie entsorgt werden muss. Auch dieses Projekt wird Zuta wieder mit dem österreichischen Partner herstellen. 

Mehr Schlagkraft durch Hessenlnvest 

Seit mehr als 20 Jahren produziert der Frankfurter Produzent internationale Spielfilme und TV-Produktionen. Seitdem es in Hessen das wirtschaftliche Filmfördermodell Hessenlnvest gibt, ist es leichter, sich aus der Region heraus an internationalen Stoffen zu beteiligen und Teile der Produktion nach Rhein- Main zu holen. HessenlnvestFilm hat „Plastic Planet" mit 180.000 Euro mitfinanziert. Unterstutzt hat HessenlnvestFilm auch die internationalen Spielfilme „Überleben mit Wolfen" (2007) der französischen Regisseurin Vera Beimont, „Mathilde" (2006) sowie „Never Enough" (2003) von Bogdan Dreyer mit Rutger Hauer. Der Debutfilm „Mathilde" von Nina Mimica, der vor dem Hintergrund des jugoslawischen Bürgerkriegs spielt, war mit internationalen Topstars wie Jeremy Irons und Stephane Audran besetzt. Die 330.000 Euro, die von Hessenlnvest in das Projekt flossen, wurden unter anderem für die Postproduktion in Hessen ausgegeben. 

Ein weiteres Zuta-Projekt, die Crossover-Komödie „Johnny Bollywood", mit britischer, indischer und deutscher Beteiligung, ist dagegen ins Stocken geraten. Das Kapitel ruht derzeit. Zwischenzeitlich hat sich Zuta mit einem starken holländischen Vertriebshaus, der CAF-Holding, zusammengetan, die sehr erfolgreich in den Benelux-Markten aufgestellt ist. Gemeinsam wurde nun die Harbour Entertainment in Frankfurt gegründet. Als Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer kurbelt Daniel Zuta auch schon die ersten Unternehmungen an, wobei seine eigene Firma, die Zuta-Film, bestehen bleiben wird - „schuldenfrei", wie er betont. Der Produzent hat erkannt, dass man heute im europäischen Verbund produzieren und Allianzen schmieden muss. 

Gerard Depardieu in der Tragikomödie „Ipu" 

Eines der anstehenden Vorhaben heißt „Ipu", eine rumänisch-französisch-deutsche Koproduktion, deren Drehbeginn unter der Regie von Bogdan Dreyer im September in Rumänien vorgesehen ist. Eine Tragikomödie, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in einem von deutschen Truppen besetzten Dorf in Rumänien spielt und in deren Mittelpunkt der verlachte, tölpelhafte Ipu steht. Eine rührende Gestalt, für deren Darstellung kein Geringerer als Gerard Depardieu gewonnen werden konnte. Des weiteren wird sich Harbour Entertainment als ausführender Produzent an einem internationalen Spielfilm über den Fotografen Robert Capa beteiligen und die Gesellschaftssatire „German Wedding" produzieren, die in das Grenzgebiet deutsch-holländischer Vorurteile Ende der 50er Jahre fuhrt. Als Regisseur vorgesehen ist Anno Saul. 

Der Frankfurter Solitär unter den Produzenten sieht sich mit einem starkem Partner an der Seite jetzt „in ruhigerem Fahrwasser als bisher, quasi wie in einem Hafen, von dem aus man ganz gezielt die verschiedenen Boote in die Welt schicken kann". 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Filmproduktion, Dokumentarfilm, Filmemacher*in, Filmförderung, Spielfilm

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