Filmland Hessen 1 / 2010
01.05.2010
Bad Schwalbach wird zur Filmkulisse
Ein idealer Standort für die italienisch-deutsche Koproduktion „Ein ruhiges Leben"
Von Kathrin Ahrens
Nach über 30 Drehtagen in Hessen fiel an einem Samstag im November 2009 die letzte Klappe zu dem Kinofilm „Una vita tranquilla" („Ein ruhiges Leben"). Eine deutsch-italienische Koproduktion (Regie Claudio Cupellini), die sich für die Filmaufnahmen das kleine Rheingaustädtchen Bad Schwalbach wählte und dort für mehr als zweieinhalb Monate ihre Zelte aufschlug.
Dass es zu dieser internationalen Expedition ins hintere Rheingau kam, ist zum einen auf das Drehbuch zurückzuführen, zum anderen aber auch auf produktionstechnische Faktoren, mussten doch binnen kürzester Zeit geeignete Motive gefunden werden. Das Buch handelt von dem Italiener Rosario Russo (Toni Servillo), der vor vielen Jahren sein Heimatland verlassen hat und inzwischen mit seiner Frau Renate (Juliane Köhler) und dem gemeinsamen Sohn Mathias in Deutschland ein friedliches Leben führt. In seiner früheren Heimat war er als Auftragskiller der Mafia bekannt. Nachdem er in Ungnade gefallen war, blieb ihm keine andere Wahl, als seine Identität aufzugeben und seine italienische Frau und den Sohn Diego zu verlassen. Er taucht schließlich in Deutschland unter. Doch eines Tages holt ihn die Vergangenheit in Gestalt seines Sohnes Diego wieder ein.
Mit Filmstar Toni Servillo aus Italien
ln den Hauptrollen Toni Servillo („Gomorrha", „II Divo") als Rosario Russo und Juliane Köhler („Nirgendwo in Afrika") als dessen Frau Renate. Durch enge Terminvorgaben des extrem gefragten italienischen Hauptdarstellers Toni Servillo, der kurzfristig für die Besetzung des Ex-Mafiosi zur Verfügung stand, war es nötig, eine 'adhoc'-Produktionsvorbereitung innerhalb weniger Wochen auf die Beine zu stellen. Dazu wurde Produktions- Supervisor Udo Happel von der Serviceproduktion Hofmann und Voges beauftragt. Im Handumdrehen rekrutierte er diverse hessische Crewmitglieder, und heuerte für Positionen, für die das nicht gelang, Filmschaffende aus Berlin an. Der zweite wesentliche Faktor aber war das Hauptmotiv: Der Gasthof Kammerburg im Wispertal, zwischen Lorch und Bad Schwalbach, auf das die Location Scouts Yvonne Wassong und Stefan Weiler bei ihrer Motivrecherche gestoßen waren. Im Nu war Szenenbildner Erwin W. Prib („Der Vorleser", „Ein russischer Sommer", Bundesfilmpreis 2008 für „Absurdistan") von der Kulisse begeistert. Das Ausflugsrestaurant wurde für 18 Tage komplett angemietet und das Produktionsbüro daraufhin nach Bad Schwalbach gelegt, wo die Crew im größten Kurhotel vor Ort einquartiert werden konnte.
Weitere Motive fanden sich schließlich im Kreis Bergstraße. Beispielsweise war der Busbahnhof von Bensheim Mittelpunkt mehrerer zentraler Szenen; auch das vorbildliche Tierheim in Heppenheim, das Schwimmbad in Langen oder das Kreiskrankenhaus Bergstraße waren Schauplätze für die Dreharbeiten dieser von Acaba Produzioni und der Münchner EOS-Entertainment hergestellten Leinwandgeschichte.
„Playoff" auch in Hessen drehen
Bei dem sehr entspannten und gut funktionierenden Dreh in Hessen, der etwa 1 Million Euro Budget hatte, lobte Produktions- Supervisor Udo Happel die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort. Für eine aufwendige Fahrt auf der Hauptstraße von Bad Schwalbach hätte er, wenn es überhaupt genehmigt worden wäre, in größeren Städten erheblich kompliziertere Genehmigungsverfahren absolvieren müssen. Der Dreh in Bad Schwalbach fand dann direkt auf dem Rathausplatz mit großer Treppe statt; die Hauptstraße wurde einfach zeitweilig gesperrt.
Am Set wurde neben Deutsch und Italienisch offiziell Englisch gesprochen, auch mit Gergely Poharnok, einem renommierten Kameramann aus Ungarn. Die hessischen Crewmitglieder, die bei dem Projekt dabei waren, konnten durch die an internationalen Produktionsabläufen orientierte Organisation viele neue Erfahrungen sammeln. Und genau deshalb sind solche Produktionen eine wichtige und willkommene Herausforderung für den Filmstandort. Für den neuen Kinofilm von Egoli Tossell „Playoff" wird Udo Happel wieder nach Hessen kommen. Diesmal mit mehr hessischen Crewmitgliedern und mehr Vorbereitungszeit.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Dreharbeiten, Filmproduktion, Spielfilm, Schauspiel
