Wir helfen Ihnen Ihre Visionen zu verwirklichen!

Noch stehen Webserien ganz am Anfang

Noch stehen Webserien ganz am Anfang
Eine Gießener Produktionsfirma zeichnet sich als Schrittmacher im neuen Trend aus - die Dobago-Filmproduktion
Von Alex Scherer

Noch gibt es das Fernsehen nach klassischem Muster - aber längst steht dank Internet eine neue Generation in den Startlöchern. Neue Online-Plattformen etablieren sich und damit auch neue Erzählformen. Seit ein paar Jahren ziehen nun Webserien unabhängige Filmemacher an und entwickeln sich zu einem eigenständigen Markt.

Ganz vorne dabei mischt die Gießener Produktionsfirma Dobago-Film mit. Mit „Number of Silence“, einer Mystery-Thriller-Serie, ist sie in dem neuen Medium durchgestartet. 2013 gingen die Dreharbeiten los, inzwischen sind 6 Folgen der ersten Staffel entstanden, die international für Furore gesorgt hat und mit zahlreichen Preisen gekrönt wurde.

Und um für das neue Format auch die Plattform und die nötige Aufmerksamkeit zu sichern, hat das Dobago-Team 2015 gemeinsam mit dem Filmemacher Dennis Albrecht gleich auch das erste Festival für Web- und Digitalserien aus der Taufe gehoben, die "Seriale" in Gießen, die im Juni nun in seine dritte Ausgabe gehen wird. 42 Serien aus 15 Nationen sind für den diesjährigen Offiziellen Wettbewerb nominiert (9. bis 11. Juni).

Gegründet wurde das Unternehmen 2011 von den drei Partnern Csongor Dobrotka (Regie, Produktion), Jens Bambauer (Kameramann) und Beate Bambauer (Cutterin, Autorin), die sich innerhalb kürzester Zeit als Anbieter von Image- und Industriefilmen in Gießen einen Namen machen konnten.

Ungeachtet dessen aber suchten die Firmengründer nach einem Ansatz, auch eigene Stoffe zu realisieren. "Die entscheidende Idee war im Grunde ein Format zu kreieren, das uns gefällt – wir wollten Genre machen; einen Thriller mit Elementen von Mystery und Science-Fiction zum Beispiel“, so Dobrotka.

So fiel 2013 die erste Klappe zu „Number of Silence“, einem Mystery-Krimi, der zunächst auf ein lokales Publikum zugeschnitten ist und Wetzlar und Gießen zu einer mittelhessischen Großstadt verwebt. „Wenn man plötzlich Hochhäuser oder einen Großflughafen in der Serie sieht, erzeugt das Irritation", so Dobrotka. Alternative Realität – eines der wesentlichen Elemente, die die Spannung der Serie ausmachen. Zudem orientiert man sich an einer hitchcockhaften Formensprache.

Die spannungsgeladene Geschichte soll über drei Staffeln erzählt werden, jeweils aus der Perspektive eines der Hauptcharaktere. Sechs Episoden der ersten Staffel sind bislang abgedreht, mit einer Lauflänge von durchschnittlich 14 Minuten pro Folge. Über 60 Personen haben an der Serie vor und hinter der Kamera mitgewirkt.

Entstanden ist das Projekt ohne Filmfördermittel. Allerdings gibt es Unterstützung durch den Kulturfonds Gießen-Wetzlar sowie durch die Kulturämter beider Städte. Dass die Serie so großes internationales Interesse finden würde, damit hatte niemand gerechnet. Während in Deutschland "Number of Silence" leer ausging, konnte man auf internationalen Festivals über 19 Awards und 70 Nominierungen einheimsen. Für die 2. Staffel hat man bereits Hollywood-Schauspieler kostenfrei verpflichtet und sogar einen Co-Produzenten aus den USA gefunden.

Von diesem Erfolg konnten weitere hessische Webserien profitieren: So gewann bei der Seriale 2015 der Kasseler Hochschulstudent Stefan Vogt den ersten Preis in der Kategorie "beste Serie'' für seine Arbeit "Warum". Und auch der postapokalyptische Western „M.E.M.“ von Thomas Meudt, Christian Stadach und Stephan Zimmermann (Hochschule Darmstadt) stieß bei der Seriale 2015 auf internationales Interesse.

Das Webserien absolut im Trend liegen, zeigt auch der Umgang der Filmförderungen mit dem Thema: Seit 2015 fördert unter anderem das Medienboard Berlin Brandenburg serielle Formate, was auch Webserien miteinschließt. Der Filmfernsehfond Bayern legt seit diesem Jahr erstmals eine eigenständige Förderung für Webserien und Virtual-Reality Formate auf. Und in Hessen hat die hessische Filmförderung die Förderung „innovativer Formate“ in der neu aufgelegten Talentpaketförderung gleich mit verankert. Bis in Hessen Webserien regelmäßig im großen Stil produziert und gefördert werden, dürfte es also – so ist zu hoffen – nicht mehr lange dauern.

Kein Cover vorhanden