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Neue Förderrichtlinien und mehr Geld

Neue Förderrichtlinien und mehr Geld
Kulturminister Boris Rhein (CDU) stellt Zahlen und Ziele der Hessischen Filmförderung vor
Von Daniel Güthert

Die hessische Filmförderung nimmt zusehends Gestalt an. Ein Jahr nach Gründung der neuen Hessen Film und Medien GmbH sind nun auch die endgültigen Förderrichtlinien verabschiedet und ab sofort online abrufbar. So die zentrale Botschaft von Hessens Kulturminister Boris Rhein (CDU) auf der inzwischen Traditon gewordenen Pressekonferenz kurz vor dem Berlinale-Start, die der Minister auch für einen Rückblick auf die Erfolge des Vorjahres nutzte.

Dazu rechnete Rhein zum einen die große Zahl geförderter Projekte und zum anderen die lang ersehnte Aufnahme Hessens in Focus Germany, den Dachverband der deutschen Länderförderer. Insgesamt 67 Anträge hat die Film GmbH im ersten Jahr ihres Bestehens abgewickelt, darunter auch 11 Kino- und TV-Projekte, die im Wege der wirtschaftlich ausgerichteten Darlehensförderung Zusagen von 3,8 Millionen Euro erhalten haben (unter anderem die kassenträchtigen Sequels zu "Ostwind", "Kleiner Rabe Socke" und Til Schweigers "Conni & Co").

Im Zentrum des Pressegesprächs standen jedoch die überarbeiteten und nunmehr verbindlichen Bestimmungen der hessischen Filmförderung, die das Ergebnis der letztjährigen sehr intensiven Beratungen mit der heimischen Filmbranche seien, so der Minister. So sind im wesentlichen zwei Elemente der hessischen Förderpolitik nachjustiert worden und zwar erstens die deutliche Stärkung des Nachwuchssektors und zweitens die verbesserte Unterstützung mittlerer Projekte mit einem Produktionsbudget bis 1,5 Millionen Euro, wodurch es jetzt gelungen sei, wie Rhein sagte, "einen lang gehegten Wunsch der hessischen Filmwirtschaft umzusetzen."

Namentlich diese beiden Bereiche werden es sein, die demzufolge von der Erhöhung der Fördermittel profitieren, die das Land für 2017 bewilligt hat. Um zwei Millionen Euro ist der Förderetat der Film und Medien GmbH, der für zinslose Zuschüsse zur Verfügung steht, aufgestockt worden - auf aktuell 4,2 Millionen Euro. Wobei eine Million davon durch die Umschichtung aus dem 5-Millionen-Topf der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WiBank) abgezweigt worden ist. Aber wie auch immer: der finanzielle Spielraum der GmbH, zinsfreie Darlehen für weniger kommerziell definierte Vorhaben zu vergeben, ist darob erkennbar angewachsen

Das soll den mittelteuren Kino- und Fernsehstoffen mit einem Produktionsvolumen bis 1,5 Millionen Euro zufließen – Programme aus dem Arthouse-Bereich oder hochwertige Dokumentarfilme. Diese Kategorie war in der bisherigen Konstruktion zu kurz gekommen. Künftig können diese Filme bis zu 500.000 Euro an Produktionshilfe erwarten.

Und damit ist auch die bislang praktizierte Zweiteilung in eine kulturelle und eine wirtschaftliche Ausrichtung passé. Die Einordnung orientiert sich nunmehr trennscharf am Budget der eingereichten Vorhaben. Hier die kleineren, dort die größeren, kommerziell geprägten Projekte, für die weiterhin der auf vier Millionen Euro gestutzte Filmfinanzierungsfonds (WiBank) reserviert ist. In diesen Fällen sind Förderzusagen bis zu einer Million Euro erlaubt.

Vor allem aber soll der Ausbau der Nachwuchsarbeit forciert werden, indem künftig nicht nur Hochschulabschlussfilme, sondern auch Debüt- und Zweitfilme Anspruch auf Fördermittel geltend machen können. Und erstmals wird in einer Länderförderung, so der Minister, das Modell eines Slate-Funding fest verankert. Über drei Jahre kann fortan jungen Produktionsfirmen mit Sitz in Hessen ein Förderpaket von 150 000 Euro (Höchstbetrag) für die Entwicklung neuer Film- und Fernsehprojekte gewährt werden. "Wir wollen den jungen Talenten, die an unseren Hochschulen ausgebildet werden, Perspektiven bieten, damit sie in Hessen bleiben und nicht abwandern", wie Rhein und auch Gmbh-Geschäftsführer Hans-Joachim Mendig bekräftigten.

Unter dem Strich verwaltet die GmbH damit einen Kapitalstock von 8,2 Millionen Euro (4,2 Millionen Landeshaushaltsmittel, 4,0 Millionen WiBank) plus den 750.000 Euro, die der Hessische Rundfunk als Mitgesellschafter der GmbH beisteuert. Und das Land selbst wendet abermals rund 800.000 Euro an institutioneller Beihilfe auf, unter anderem für Einrichtungen wie das Film und Kinobüro, das Deutsche Filminstitut (DIF) oder die Filmbewertungsstelle (FBW).

Ziel soll es sein, in Hessen nicht nur Filmschaffende und Dienstleister durch die beschäftigungswirksamen Impulse nachhaltig zu unterstützen. Vielmehr solle mittelfristig auch die Produktionswirtschaft wieder stärker an den Standort gebunden werden. Auf Nachfrage musste Rhein eingestehen, dass 10 der 11 Kinoprojekte, die 2016 Zuwendungen aus dem Filmfinanzierungsfonds bekommen haben, von auswärtigen Firmen aus Köln, München, Hamburg oder Berlin eingebracht worden sind.

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