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Mittendrin und außen vor

Mittendrin und außen vor
Die Berlinale ist weit mehr als das Schaulaufen der etablierten Filmbranche – ein Erfahrungsbericht
Von Brenda Lien*

Mein Katzen-Bodyhorrorfilm „Call of Cuteness” wurde erst relativ spät, Anfang Januar, von der Berlinale Shorts Kuratorin Maike Mia Höhne in den Kurzfilmwettbewerb aufgenommen. „Reframing the Image“ war das diesjährige Motto und ich denke, da passte der 4-minütige Animationsfilm in seiner Skurillität gut rein; er ging somit ins Rennen um den goldenen Bären.

Innerhalb des etwas knappen Zeitplans erstellte ich schnell das DCP, druckte Flyer und Poster, um schließlich nach Berlin zu fahren. Mein Plan war es, die vollen zehn Tage dabei zu sein, also Eröffnungs-Gala, so viel Programm wie möglich mitnehmen und schließlich noch die Preisverleihung.

Das Konzept von „Call of Cuteness“ war es, das Leid der Welt – schlechte Arbeitsbedingungen, umweltschädliche Produktion, sonstige Missstände, die in andere Länder ausgelagert und für uns unsichtbar sind – am glorifizierten Körper der Katze auszutragen. Mir war klar, dass der Film polarisieren würde, daher hatte ich viel Respekt vor dem Screening bei einem so großen Festival.

Der Film wurde vier Mal im Programmblock „Utopia Unplugged“ vorgeführt; meist im CinemaxX und einmal im wunderschönen Colosseum. Nach jedem Screening gab es ein kurzes Filmgespräch und bei der letzten Vorstellung kamen alle Teilnehmer_innen aus meinem Programmblock zusammen auf die Bühne, um sich den Fragen des Publikums zu stellen. Ich hatte die Möglichkeit ausführlicher über die Animationstechnik, meine Gedanken zum Film und das Komponieren der Filmmusik zu sprechen. Das war schön, denn bei einem solch großen Festival entsteht ansonsten nicht so viel Kontakt zum Publikum.

Die meiste Zeit verbrachte ich nicht etwa in Kinosälen, sondern im Gespräch mit Filmemachern_innen, Festivalkuratoren_innen und anderen Menschen aus der Filmindustrie. Besonders anregend war es, die Regietalente der Berlinale Shorts kennenzulernen. Denn das Programm bestand wider meine Erwartungen nicht aus massentauglichen „Calling Card“ Kurzfilmen - im Gegenteil. Die Filme waren experimentell, forschend und nutzten das Format des Kurzfilms wirklich als eigene Kunstform aus. Was ich dort sah, überraschte mich jedes Mal und war sehr inspirierend. Dieses Programm hat mir mit am besten gefallen.

Auch im Langfilmprogramm fand ich es toll nicht nur die üblichen Hollywood Regisseure (sic) und Starletts zu sehen. Und grade weil ich auf der diesjährigen Berlinale so außergewöhnliche Filme kennenlernte, war es für mich unverständlich, dass das Feuilleton sie als „langweilig“ bezeichnete.

Der Hauptwettbewerb ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Die Berlinale ist eigentlich ein Sammelbecken mehrerer Filmfestivals, die gleichzeitig am selben Ort stattfinden. Da gibt es unter anderem noch die „Perspektive Deutsches Kino“, das „Forum“ und „Forum Expanded“, das „Native“ und „Generationen“ Programm. Die ganze Bandbreite von Kommerziell bis hin zur wildesten Videoinstallation ist dort vertreten. Außerdem macht einen wichtigen Teil auch der European Film Market (EFM) im Martin-Gropius-Bau aus. Dort kommt die ganze Filmwelt zusammen und bewirbt ihre Filme oder ihr Land als möglichen Drehort.

Da ich dieses Jahr wieder Teil des „Hessen Talents“ Programms war, welches von der hessischen Film- und Medienakademie veranstaltet wurde, lief mein vorheriger Film „Call of Beauty“ als Messescreening im EFM. Als Hessen Talents durften wir außerdem zum Empfang, bei dem sich alle Filmhochschulen vorstellen und Studierende die Möglichkeit haben, ihre Projekte zu pitchen.

Als Fazit zur Berlinale kann ich sagen, dass mir das Programm sehr gut gefallen hat (auch wenn es eine Illusion ist, in zehn Tagen alles gucken zu können), und dieser Eindruck vom Festival hat sich meiner Meinung nach auch in der Wahl der Siegerfilme niedergeschlagen.

Katzen sind Clickbait. Ich habe mal gelesen, dass im Internet Videos mit Katzen doppelt so oft angeklickt werden, wie Videos ohne Katzen. Und seit der Berlinale Pressemitteilung und seitdem das Berlinale Logo in meinem Sichtungslink vorkommt, ist mir aufgefallen, dass ich viel mehr Festivalanfragen bekomme. Das Berlinale Logo scheint also auch eine anziehende Wirkung zu haben… oder sind es die Katzen?

* Die Autorin ist Studentin an der HfG Offenbach und war Teilnehmerin der Hessen Talents 2017

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