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Im Netz ist man sein eigener Herr

Im Netz ist man sein eigener Herr
Das Frankfurter Animationsstudio Scopas Medien ist mit neuen Formaten und der Zweitverwertung von Serien auf YouTube aktiv.
Von Brendan Berk

Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger steht in der in der Umkleidekabine vor dem Spiegel, drückt sich Pickel aus, und sinniert darüber, wie er Stürmer Lukas Podolski den Rang ablaufen könnte. Podolski hört heimlich vom Klo aus zu, während ihm gerade das Toilettenpapier ausgeht: Die mit Stop-Motion-Figuren gedrehte satirische Fußball-Comedy „Deutsche 11 Backstage“ war die erste, eigens für das Internet entwickelte Serie von Scopas Medien. Das in Frankfurt und Berlin ansässige Animationsstudio produziert seit rund zwanzig Jahren vor allem Kindertrickfilme für Fernsehen und Kino. Mit „Deutsche 11 Backstage“ wagte sich das Unternehmen 2005 erstmals auf das Terrain der Netz-Filme. „Wir wollten als Produzenten mit einem selbst entwickelten Stoff neue Märkte erschließen“, erläutert Scopas-Mitgründer Thomas Schneider-Trumpp.

„Deutsche 11 Backstage“ wurde zum Erfolg. "Insbesondere als die Bildzeitung damals die Serie auf ihrer Homepage abspielte, sind die Klickzahlen rasant angestiegen", berichtet Schneider-Trumpp. Es folgten Aufträge unter anderem von RTL, ARD und Comedy-Central für weitere Sport- und Politiksatiren nach dem gleichen Muster. TV Sender auf die eigenen Produkte aufmerksam zu machen sei jedoch nur ein positiver Nebeneffekt. Bei der Vermarktung von Filmen im Internet, so der Firmenchef, gehe es vielmehr darum, sich von Auftraggebern unabhängig zu machen: „Dort haben wir die Möglichkeit, eigene Marken zu entwickeln, und die gesamte Wertschöpfungskette in der Hand zu behalten.“

Neben der Produktion von sogenanntem „Original Content“ beschäftigt sich Scopas Medien auch mit der Zweitauswertung hauseigener TV-Produktionen wie „Benedikt, der Teddybär“ oder „Kleiner blauer Drache“. Diese Serien erhielten 2014 ihre jeweils eigenen Kanäle auf YouTube und führen seither dort ein neues Leben. Hinzu kommen Serien wie „Peter Pan“, „Das Dschungelbuch“ oder „Wendy“, für die Scopas Medien entsprechende Lizenzen erworben hat. Insgesamt etwa 600 Folgen von Kinderserien, die ohne YouTube im Archiv verstauben würden, brächten nun mit jedem Klick zusätzliches Geld, so Schneider-Trupp: „Wer als Filmemacher darüber nachdenkt, auf YouTube aktiv zu werden, sollte als erstes schauen, was er schon in seinem Fundus hat.“

Einfach Filme auf YouTube hochzuladen und darauf zu warten, dass sie aufgerufen werden, sei jedoch der falsche Weg, warnt Schneider-Trumpp: „Wir haben uns zunächst fundamental in das Thema Social-Media eingearbeitet.“ Wer auf YouTube erfolgreich sein wolle, müsse sich auch über andere Plattformen wie etwa Facebook eine Fangemeinde aufbauen. Die Fans wiederum erwarten, dass regelmäßig neue Inhalte bereitgestellt werden und die Macher quasi rund um die Uhr mit ihnen kommunizieren. „Wir haben viel experimentiert und uns zum Teil selbst vor die Kamera gestellt“.

Im vergangenen Jahr ist Scopas Medien gleich mit zwei neuen YouTube-Formaten herausgekommen. Auf dem „Kinderlieder-Kanal“ erwarten die Zuschauer zu jedem Song liebevoll gezeichnete Figuren und Texteinblendungen zum Mitsingen. Und bei den „Nielsons“ gibt es jede Woche ein neues Abenteuer mit animierten Playmobilfiguren. Scopas Medien ist damit dem Kinderprogramm treu geblieben. „Das Ganze hat nur Zweck, wenn du etwas machst, das dich selber interessiert, weil du es leben musst“, erklärt Schneider-Trumpp.

Zur Zeit ist YouTube für Scopas Medien nur ein Zusatzgeschäft. Das Unternehmen ist jedoch davon überzeugt, dass das goldene Zeitalter dort gerade erst anbricht. Es sei bereits abzusehen, sagt Schneider-Trumpp, dass Textinhalte nach und nach von bewegten Bildern, sprich von Filmen verdrängt würden: „Die Zukunft des Internets ist Video.“

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