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Große Filme aus der kleinen Metropole

Große Filme aus der kleinen Metropole
Daniel Zuta - ein internationaler Filmproduzent aus Frankfurt
Von Claudia Prinz

„Der nächste Film ist immer mein liebster!“ antwortet Daniel Zuta auf die Frage nach dem Lieblingsfilm unter seinen eigenen Produktionen. Das könnte auch als Motto für seine Firma, die Daniel Zuta-Filmproduktion stehen, mit der er in mehr als 30 Jahren fast 50 Filme realisiert hat, Spielfilme und Dokumentarfilme, die meisten als internationale Koproduktionen.

Alles begann in Wiesbaden. Nach dem Abitur wollte er Geld für eine Weltreise verdienen und fand zufällig einen Job als Runner bei der Neuen Filmproduktion. Nach vier Wochen hatte er eine Festanstellung und blieb zwei Jahre, zuerst als Produktions- und Aufnahmeleiter, dann als Regieassistent. Damit war die Weltreise gestrichen; er hatte sich für eine Karriere als Regisseur entschieden, die er dann auch auf eine solide Grundlage stellen wollte. In Köln studierte Daniel Zuta Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, außerdem Kunstgeschichte und Philosophie.

Darauf folgten zehn praktische Jahre, in denen er unter anderen bei Bernd Eichinger und Klaus Keil assistierte und alle Filme von Alexander Kluge betreute, bevor dieser auf digitale Medien umstieg. Nebenbei drehte er einen eigenen Kurzfilm, für den er den Bundesfilmpreis erhielt.

Seit Anfang der 1980er Jahre übernahm Zuta Produktionen für Pandora, die Frankfurter- und die Westallgäuer Filmproduktion. Beim Kleinen Fernsehspiel des ZDF wusste man, dass er mit Geld umgehen konnte, und schätzte die gute Zusammenarbeit mit ihm, gerade auch im Low Budget-Bereich. Das führte 1984 zur Gründung seiner eigenen Produktionsfirma.

1986 dann sein erster großer Spielfilm, bei dem er nicht für die Produktion, sondern zudem für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete „Der Fall Boran“ war zwar mit Renée Soutendijk und Jean- Pierre Léaud ein hochkarätig besetzter Kriminalfilm, aber die anspruchsvolle Geschichte war kommerziell nicht erfolgreich genug. „Das war der Auslöser dafür, dass ich mir gesagt habe, Regie ist nicht ganz mein Ding, Produktion ist sehr viel spannender“, erinnert sich Zuta.

Bis Ende der 1990er Jahre folgte eine Produktion nach der anderen, darunter viele Fernsehproduktionen. Ein Strukturwandel innerhalb der Fernsehbranche führte dazu, dass immer mehr fernsehabhängige Produktionsfirmen gegründet und die Konkurrenz bei der Projektentwicklung damit immer größer wurde.

Um mehr Unabhängigkeit zu erlangen, verlegte Zuta sich vermehrt auf internationale Koproduktionen. Dafür hatte er sich lange vorbereitet, ist zu den großen Festivals gereist, zu allen Koproduktionsmärkten und vielen Koproduktionsveranstaltungen und ist dem European Producers Club beigetreten. Verbindungen wurden geknüpft, es entstanden Freundschaften, die ihm auch beruflich nützten. Inzwischen bekommt er zwischen 60 und 100 Drehbücher im Jahr zugeschickt und kann sich aussuchen, welche er für geeignet hält.

Für Zuta besteht die Tätigkeit eines Produzenten unter anderem darin, außergewöhnliche Stoffe zu finden und diese Stoffe so weiter zu entwickeln, dass sie ein gutes Drehbuch ergeben, was sehr viel Arbeit bedeutet: „Du fängst mit einem Projekt an und denkst: am Ende soll es auf die Leinwand kommen. Weiß ich heute, ob das Publikum in zwei, drei Jahren auf diesen Stoff so reagieren wird wie ich und meine Freunde heute? Ich lese nicht nur die Drehbücher, ich stoße auch auf Bücher und Zeitungsmeldungen oder auf Ideen von Freunden. Aus all dem wähle ich maximal ein oder zwei Themen aus und wenn daraus ein Film im Jahr wird, kann ich zufrieden sein“.

Wie erfolgreich ein Vorhaben schließlich aber wird, kann niemand voraussagen. Große internationale Aufmerksamkeit errang er zum Beispiel 1997 mit „Die Atempause“, eine italienisch-französisch-schweizerisch-deutschen Koproduktion nach einer autobiographischen Romanvorlage von Primo Levi; Regie führte Francesco Rosi, die Hauptrolle spielte John Turturro. Der Film lief im Wettbewerb von Cannes, Francesco Rosi erhielt 15 Minuten Standing Ovations. Durch zahlreiche Auslandsverkäufe amortisierte sich das Budget auch, der Zuspruch an den deutschen Kinokassen blieb indessen aus.

Anders als mit Dokumentarfilm „Plastic Planet“ (2009), der allein im deutschsprachigen Raum 200.000 Zuschauer hatte und nicht nur zum Kassenerfolg wurde, sondern auch eine Bewusstseinsveränderung in der Öffentlichkeit herbeiführte. Darauf ist Zuta besonders stolz.

Manchmal spielen aber auch Glück oder Pech eine Rolle. Wie 2007 bei der Holocaust-Geschichte „Überleben mit Wölfen“, ein mit Hessischen Fördermittel bezuschußtes 7-Millionen Euro Projekt. Vera Belmont produzierte und führte Regie. Grundlage war ein Buch, das in den USA und Kanada eine Millionenauflage erzielt hatte. Die Autorin Misha Defonseca erzählt darin ihre autobiographischen Erlebnisse, wonach sie den Holocaust überlebte, weil sie als achtjähriges, jüdisches Mädchen von einem Rudel Wölfe aufgenommen worden ist.

Nachdem der Film in Belgien und Frankreich herausgekommen war und in der ersten Woche jeweils über 300.000 Zuschauer begeistern konnte, regten sich Stimmen in der Brüsseler jüdischen Gemeinde, die Erlebnisse seien frei erfunden und könnten so auf keinen Fall stimmen. Misha Defonseca war in der Defensive, schließlich räumte sie den Betrug ein. Für den Film war es der Todesstoß, in Deutschland wurde er gar nicht erst gezeigt.

Auch wenn zig Produzenten aus Hessen weggegangen sind, ist Daniel Zuta der Mainmetropole treu geblieben. Von hier sind seine Filme entstanden in ganz Europa, viele davon in Osteuropa – in Ungarn, in Litauen, in Polen, in Rumänien, wo er sehr früh seine ersten Erfahrungen gemacht hat. Bereits 1990 betreute er für Pandora Film eine Produktion in Bulgarien, wo man mit einem Drittel des hiesigen Budgets produzieren konnte.

Hat man je einen Filmproduzenten gesehen, der in Rente ging? Nach bald 50 Jahren in der Filmbranche verspürt Zuta noch keinerlei Ermüdungserscheinungen. Er ist voller Energie und Pläne: „Ich habe vier Filme, die ich vorbereite. Drei Drehbücher sind bereits fertig, an einem muss ich noch ein bisschen feilen. Das größte Projekt ist das mit Sherry Horman - “Tap Dancing in a Drowning Pool” -. Ein tolles Drehbuch, aber eine Geschichte, die man nicht leicht pitchen kann. Wir besetzen gerade die Hauptrollen hochkarätig international, bevor wir finanzieren. Das wird alles noch ein bisschen dauern. Dann gibt es ein wunderbares Kinderfilmprojekt, eine Kombination von Realfilm und Animation und einen Film, der komplett in Brasilien hergestellt wird, mit einem sehr interessanten holländischen Regisseur. Der vierte Film ist eine deutsch-schwedisch-spanische Koproduktion nach einem berühmten Roman; aber der hat noch Zeit.“

In den letzten acht Jahren hat sich Daniel Zuta sehr intensiv und maßgeblich für die Umgestaltung der hessischen Filmförderungen eingesetzt und ist mit dem Ergebnis nicht unzufrieden. Jetzt müsse nur noch der Geist, der in den Ideen liege, fruchten, so sein Resümee.

DANIEL ZUTA – PRODUZENT (Eine Auswahl):
2014 "EPIC" - Spielfilm, Regie: Ben Hopkins
2012 "A Farewell to Fools" - Spielfilm, Regie: Bogdan Dreyer
2011 "Bulb Fiction" - Kino Dokumentarfilm, Regie: Christoph Mayr
2009 "Plastic Planet" - Kino- Dokumentarfilm, Regie: Werner Boote
2007 "Survivre avec les Loup" - Spielfilm, Buch + Regie: Véra Belmont
2005 "Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern" - Spielfilm, Buch + Regie: Dagmar Knöpfel
2003 "Mathilde" - Spielfilm, Buch, Regie: Nina Mimica
2002 "Chacho Rom" - Spielfilm, Regie: Ildiko Szabo
'2001 "Gebürtig" - Spielfilm, Buch + Regie: L.Stepanik, R. Schindel
1998 "Le Bal Masqué" - Spielfilm, Regie: Julien Vrebos
1996 "Die Atempause" - Spielfilm, Regie: Francesco Rosi, (Offizieller Wettbewerb Cannes 1997)
1995 "Die Kaukasische Nacht" - Spielfilm, Buch + Regie: Gordian Maugg
1995 "Life is a Bluff" - Spielfilm, Buch + Regie: Peter Zingler
1994 "Hasenjagd" - Spielfilm, Buch und Regie: Andreas Gruber
1994 "Thalassa,Thalassa" - Spielfilm, Buch und Regie: Bogdan Dreyer
1993 "Leni" - Spielfilm, Buch + Regie: Leo Hiemer.
1992 "Barmherzige Schwestern" - Spielfilm, Buch und Regie: Annelie Runge
1988 "Überall ist es besser, wo wir nicht sind" - ZDF "Kleines Fernsehspiel", Regie: Michael Klier
1987 "Der Fall Boran" - Spielfilm, Buch + Regie: Daniel Zuta

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