Wir helfen Ihnen Ihre Visionen zu verwirklichen!

Die Phänomänologie des kreativen Geistes

Die Phänomänologie des kreativen Geistes
In "Why are we creative?" sucht Filmemacher Hermann Vaske endgültig den Stein der Weisen
Von Daniel Güthert

Seine Produktionsfirma "Emotional Network" ist in Frankfurt ansässig, auf dem Gelände der Kommunikationsfabrik an der Schmidtstraße. Doch für seine Drehs tourt Hermann Vaske rund um den Globus; die internationale Kunst- und Kulturszene ist sein Dreh- und Angelpunkt. London, Paris, Amsterdam, Berlin und vor allem die USA. Hier trifft er Künstler, Musiker, Schauspieler, Autoren Maler, aber auch Wissenschaftler, Unternehmer, Politiker. Immer auf der Suche nach dem, was die Akteure eint, wie uns Vaske suggeriert: Erfindungsgabe, Schöpferkraft, Phantasie, Genialität – kurzum: Kreativität.

Das ist Vaskes wiederkehrendes Thema, dem er sich seit fast 20 Jahren als Filmemacher widmet, seitdem er sich als Kreativdirektor von der Hamburger FCB und später der Londoner Agentur Saatchi & Saatchi versbschiedet hat und in Frankfurt ankam. "Die 10 Grundsätze der Kreativität" hieß das Dokudrama, das er 2000 mit Dennis Hopper und Peter Ustinov realisierte. "Why are you creative?" war die Frage, die Vaske für eine Filmreihe im Auftrag von Arte (2002/03) an Dutzende von Persönlichkeiten richtete, an die Performanceaktivistin Marina Abramović, an Jeff Koons, Bono oder David Bowie, an den Starphotographen Helmut Newton ebenso wie an die Architekten Frank Gehry und Oscar Niemeyer.

Eine Abfolge von Interviews zum Phänomen des Ideenreichtums verdichtete Vaske 2006 dann zu dem abendfüllenden Dokumentar¬film "Invasion der Ideen", in dem nicht allein Kunstschaffende wie Peter Gabriel, Steven Soderbergh oder Björk zu Wort kommen, sondern auch herausragende Wissenschaftsforscher, darunter nicht zuletzt der Frankfurter Neurologe Wolf Singer.

Und auch in seinem aktuellen Projekt, für das er seit Monaten recherchiert und Filmaufnahmen macht, läßt ihn das weite, unerschöpfliche Feld des Kreativen nicht los. Noch steht die Dramaturgie dieser narrativ angelegten Spurensuche nicht bis ins letzte Detail fest, aber soviel sei verraten: Rund 30 Porträts will er verknüpfen zu seiner Kinodokumentation, um dem Rätsel "Why are we creative?" näher zu kommen. Es ist, wie Vaske sagt, etwas von der Suche nach dem Stein der Weisen. Der Blick hinter die Fassade, auf der Suche nach den Inspirationsquellen derer, die "unsere Geschichte, unsere Kultur in den zurückliegenden dreißig, vierzig Jahren maßgeblich bestimmt haben und noch bestimmen".

Und eine Quintessenz der Erkenntnis wird dabei sein, daß Genialität, daß die Entfaltungskraft der Phantasie allein nicht ausreicht, sondern es nicht minder auf den Realisierungswillen ankommt. "Verdammt entscheidend ist die Umsetzung, die Couragiertheit, den 'petit bourgois' in uns zu überwinden und etwas zu wagen," betont der Frankfurter Filmemacher. Der Film soll somit auch ein Plädoyer werden für das Egalitätsprinzip der Kreativität. Denn Kreativität sei nicht das Privileg einzelner, sondern stecke in uns allen, wie Vaske das Phänomen versteht und im Filmtitel herausstreicht.

Die Produktionsarbeiten laufen seit 2016 in Etappen. Vaske reist viel herum, begleitet seine Gesprächspartner, führt Interviews. In den USA kam er mit Hollywood-Ikonen wie Willem Dafoe, Angelina Jolie, Sean Penn zusammen. Er traf Ai Weiwei und Marina Abramovic, beiden große Namen der zeitgenösssichen Kunstszene; er traf die russische Punkrockband Pussy Riot und machte Inteviews mit Stars wie Damien Hirst oder Michel Houellebecq. Auch Wim Wenders und Adolf Dresen holte er vor die Kamera, und in Frankfurt besuchte er Tobias Rehberger, den früheren Städelschüler und vielfach mit Preisen geehrten Bildhauer, in dessen Atelier

Bis Ende des Jahres soll der philosophische Zirkelschlag, an dem für die Postproduktion die hiesigen Firmen Acht Frankfurt (Bild) und Art Studios (Sound) beteiligt sind, abgeschlossen sein. Mit 100.000 Euro hat die Hessische Filmförderung das Vorhaben bezuschußt, weitere Mittel sind vom DFFF-Fonds zugesagt. Und als Senderbeteiligung ist das ZDF im Gespräch.

Kein Cover vorhanden