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Der Kampf der stärksten Inhalte

Der Kampf der stärksten Inhalte
Der Hessische Rundfunk (hr) macht schon lange Web-TV
Von Andrea Wenzek

Natürlich mischt auch der Hessische Rundfunk bei dem neuen Content-Netzwerk FUNK mit, das seit 1. Oktober 2016 gemeinsam von ARD und ZDF angeboten wird. Auf den ersten Blick sieht man jedoch nichts davon, denn auf dem Screen der Webvideos befindet sich kein Logo. Marketingexperten würden sagen: Warum versteckt sich der hr? „Der Absender wird derzeit bewusst erst ganz am Ende der Videos deutlich gemacht“, sagt Stefan Leidner, zusammen mit Janina Strothmann leitender hr-Redakteur für FUNK. „Unseren Usern ist es egal, aus welchem Haus die Webvideos kommen, sie wollen ein Gesicht sehen.“ Die Zielgruppe der 14 bis 29jährigen schaut in der Tat wenig Fernsehen und erst recht nicht senderorientiert; die Generation Snapchat sieht ihre Web-Stars auf Facebook, Youtube & Co. Deshalb ist den Machern von FUNK wichtig, die Nutzer ihrer Formate über diese Drittanbieter als Abonnenten zu gewinnen.

Ein Jahr vor dem Start der Content-Plattform hatten die öffentlich-rechtlichen Sender unter dem Arbeitstitel „Junges Angebot von ARD und ZDF“ den Auftritt von FUNK konzipiert. Der hr war der Idee bereits zuvorgekommen, denn mit dem „Labor Bewegtbild“ hatte das Haus seit 2013 redaktionsübergreifend Youtube-Nutzer erreicht. Das satirische Sportformat „Hennis Eintracht EKG“ und „Eltern fragen, Teenies sagen“ fanden zahlreiche Abonnenten. Wohl auch deshalb wurde Philipp Schild, damals Leiter des hr-Labors, von der ARD 2016 zum „Head of Content“ für FUNK berufen.

Frühzeitig hatte der hr mit der Gründung von YOU FM junge Hörer im Visier und holte ab 2010 mit dem Webstar Kathrin Fricke alias „Coldmirror“ Youtube-Nutzer mit ins Boot. In ihren Videos testet Fricke zum Beispiel Computerspiele und synchronisiert Politikerstimmen mit eigenen bissigen Texten. Für Fricke war es eine bewusste Entscheidung, mit einem öffentlich-rechtlichen Sender zusammenzugehen, denn sie wollte nie Einnahmen über Werbung generieren. Heute produziert die 32jährige im Auftrag von Stefan Leidners Redaktion mit „StarStarSpace“ eines der bekanntesten FUNK-Formate. In den Trickfilmen parodiert sie Standards aus diversen Science-Fiction-Werken – dem beliebtesten Unterhaltungsgenre für Geeks und Nerds.

Der ARD-Tatort ist am Sonntagabend eine Art Familientreffen, wo sich Mediennutzergruppen altersübergreifend vor dem Fernseher zusammenfinden. Das Labor Bewegtbild entwickelte dazu „Tatort - Die Show“. FUNK ließ das Test-Format bis Mitte März 2017 direkt nach dem Krimi als Livestream über Facebook laufen. Die durchaus gewollt-chaotische Show richtete sich an junge Leute. Nur warum hat FUNK den Stream plötzlich eingestellt? "Eine Live-Show mit Gästen ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Die Reichweite bei der angepeilten Zielgruppe blieb hinter den Erwartungen zurück. Lediglich die Ausstrahlung auf dem linearen ARD-Digitalsender ONE hatte eine starke Reichweite“ sagt Christian Bender von der Pressestelle des hr. „Auf dem Web-TV-Markt zählt der Kampf der stärksten Inhalte. Und bei unterhaltsamen Formaten zeigt sich nach einem Vierteljahr schon recht deutlich, ob sie von den Usern angenommen werden oder nicht", wie Leidner hinzufügt.

Welches Format wird „Tatort - Die Show“ nun ersetzen? „Das wird sich bald zeigen. Wir arbeiten mit jungen, kreativen Köpfen bei FUNK und aus verschiedenen hr-Redaktionen zusammen. Im Haus herrscht eine richtige Aufbruchsstimmung, auch bei den alten Hasen“. so Leidner. Und auch hier gilt, die Konkurrenz belebt das Geschäft: „FUNK hat den Vorteil, dass alle von ARD und ZDF zuliefern müssen, keiner werkelt in seinem Sender allein vor sich hin.“ Gerade entwickelt Leidners Redaktion zusammen mit einer jungen Autorin eine Eigenproduktion mit dem Arbeitstitel „Country Girls“. In der fiktionalen Web-Serie mit zehn Folgen à 10 Minuten geht es um typische Probleme dreier Mädchen vom Lande. Leidners Ansatz: „Nur mit Authentizität erreichen wir die jungen weiblichen Nutzer. Ihnen soll aus dem Herzen gesprochen werden.“

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