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Wie der Undergroundfilm nach Frankfurt kam

Wie der Undergroundfilm nach Frankfurt kam

Die neue Kinoinitiative "Filmkollektiv Frankfurt" zeigt zum Auftakt Arbeiten von Wilhelm Hein

Von Felix Fischl*

Mitte des Jahres gegründet, will das "Filmkollektiv Frankfurt" künftig mindestens einmal im Monat ausgefallene Filmprojekte auf der Leinwand präsentieren. Filme, die selbst in ambitionierten Programmkinos keinen Platz finden, sollen hier vorgestellt und diskutiert werden. Noch verfügt das "Filmkollektiv" über keine angestammten Spielstätte, sondern wird fallweise auf unterschiedliche Standorte ausweichen.

Den Anfang machte im September die Uraufführung von Wilhelm Heins "You killed the Ungerdround Film" im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim. Eine wirklich einmalige Veranstaltung: Eine Vorführung dieses Mammutwerks gibt es nur in Begleitung des bedeutenden Experimental- und Undergroundfilmers, der sowohl die 16mm-Projektoren bedient als auch live den separaten Soundtrack steuert. In dieser performativen Form wie auch im visuell-motivischen Gehalt steht der 12-stündige Film, dessen Produktion Hein 1989 begann und erst drei Wochen vor der Premiere beendete, in einer Reihe mit dem Werk seiner legendären Zeitgenossen Jack Smith, Ken Jacobs oder Andy Warhol.

Die auf zwei Tage aufgeteilte Vorführung gipfelte im zweistündigen Finale in einer 16mm-Dreifachprojektion. Indem Hein die gesamte Breite des Festsaals nutzte, erhielten die dokumentarischen, pornographischen und gefundenen Bilder etwas Monumentales, Freskenartiges. Gerade in dieser kondensierten Form wurde deutlich, in welchem Maße "You killed the Underground Film" neben einem „Tagebuchfilm“ auch ein Kompendium des politischen und kulturgeschichtlichen Deutschland des 20. Jahrhunderts ist.

Im Oktober war das Filmkollektiv dann im Rockmarket an der Mainzer Landstraße zu Gast mit einem einem Doppelprogramm, wobei das Besondere die atmosphärische Verbindung von Film und Musik war. Mit 16-mm-Schwarz-weiß-Bildern wurde der Club vorübergehend in ein analoges Lichtspieltheater verwandelt. Als Hauptfilm lief der Klassiker des Horrorgenres "White Zombie" (1932) von Victor Halperin, mit Bela Lugosi in der Hauptrolle. Dieses Vorläuferwerk gilt als erstes der Filmgeschichte, in dem Zombies als lebende Untote Bestandteil der Handlung sind. Und als Vorprogramm wurde der Kurzfilm "Now!" (1965) des kubanischen Filmemachers und Dokumentaristen Santiago Álvarez gezeigt. "Now!", der seine Struktur dem gleichnamigen Musikstück der US-Sängerin Lena Horne verdankt, kombiniert den treibenden Rhythmus mit dokumentarischen Bildern, die die Rassenproblematik in den USA bebildern und unverhohlen anprangern.

Für November ist dann eine Retrospektive zum slowenischen Regisseur Karpo Ačimović Godina geplant, die wieder im Studierendenhaus Bockenheim stattfinden wird. Weitere Informationen unter www.filmkollektiv-frankfurt.de

* Felix Fischl ist neben Louise Burkart und Gary Vanisian Begründer des "Filmkollektivs Frankfurt"

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