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Streit in der Werbebranche

Streit in der Werbebranche

Nach 12 Jahren wechselt der Werbefilmpreis von Frankfurt nach Berlin / Frankfurt kontert mit dem Reklamefilmpreis

Von Traugott Maria Basedong

Die Meldung im renommierten Branchenblatt der deutschen Werbewirtschaft, W&V, vom Mai sprach Bände: Der Deutsche Werbefilmpreis wird 2013 erstmals in Berlin überreicht und nicht mehr in Frankfurt am Main. Seit 2001 gibt es diesen Preis und seither ist diese Auszeichnung, die bis 2010 noch unter dem Namen des Verbandes deutscher Werbefilmproduzenten (VDW) als VDW-Award geführt worden war, stets in Frankfurt - als einem führenden Zentrum der deutschen Werbebranche - verliehen worden. Allerdings waren schon länger Signale des Umbruchs spürbar; 2012 ist die Veranstaltung sogar ganz gestrichen worden.

Ein Vertreter der Sektion Werbefilm der Deutschen Produzentenallianz wurde zitiert, dass man mit der Entscheidung, nach Berlin umzuziehen, sehr zufrieden sei und sich vorstellen könne, dort in Zukunft auch zu bleiben. Über den Reklamefilmpreis, der 2012 von den „Altinitiatoren“ - quasi als Ersatzveranstaltung für den abgesagten Webefilmpreis - erstmals in Frankfurt abgehalten wurde und auch in diesem Jahr wieder für Ende November, und somit zeitgleich zur Preisverleihung in Berlin, angekündigt ist, verlor der Branchensprecher jedoch kein Wort in seiner Stellungnahme.

Dies wirft ein grelles Licht auf einen Krieg um die Vorherrschaft zwischen den Veranstaltern des Reklamefilmpreises, der GroupIE (Mark Gläser), die ihr Gegenmodell mit Unterstützung der Stadt Frankfurt umgesetzt hat, auf der einen Seite und der Produzentenallianz auf der anderen, deren Ausscheren im Übrigen auch von etlichen Frankfurter Mitgliedsunternehmen mitgetragen wird. Aus dieser Konstellation ergibt sich eine explosive Gemengelage, deren Ausgang bei weitem nicht so klar ist, wie es momentan den Anschein haben mag.

Zum einen agierte die Frankfurter Gruppierung bislang recht geschickt. Dass es zu Umbrüchen kommen würde, zeichnete sich schon 2011 ab, als der Verband Deutscher Werbefilmer in der Produzentenallianz aufging. Zwar ist der Preis in dem Jahr noch einmal in der alten Form, wenn auch unter dem neuen Namen Deutscher Werbefilmpreis, in der Mainmetroploe vergeben worden, allerdings vernahm man genug kritische Stimmen, die wiederholt das Konzept als überarbeitungswürdig bezeichneten, aber vor allem einen Wechsel nach Berlin - als dem vermeintlich repräsentativeren Rahmen - reklamierten.

Die Offensive kam also mit Ansage und Frankfurt reagierte vorbildlich, nicht zuletzt wohl auch, um nicht nach dem ADC-Award, der nach Hamburg abwanderte, im gleichen Jahr noch ein weiteres Aushängeschild zu verlieren.

Den Reklamefilmpreis daraufhin aus der Taufe zu heben, war, strategisch gesehen, sicher eine gute Entscheidung, konnte der Veranstalter, die Frankfurter GroupIE, damit die Sponsoren und Unterstützer weiter an sich binden, was auch für dieses Jahr, trotz der Doppelung mit Berlin, wieder ganz gut gelungen scheint. Zudem hat der Reklamefilmpreis einen deutlich besseren Vorlauf als die Berliner Konkurrenz. Dort erscheint letzten Endes, alles mit recht heißer Nadel genäht worden zu sein.

Die Frist für Einreichungen zum Reklamefilmpreis war bereits gestartet, als die Produzentenallianz erst die Gründung der Akademie bekanntgab, die dann die Ausschreibung machte und die Preisträger kürte. Insgesamt wirkte der gesamte Zeitplan eher gehetzt. Auch was die weitere Festlegung auf Berlin betrifft. Da sprach die Webseite der Allianz parallel zu dem W&V-Bericht in einer anderen Tonalität: Für dieses Mal sei man mit Berlin sehr zufrieden. Das solle aber nicht heißen, dass man im Anschluss nicht offen wäre, wieder mit neuen potentiellen Partnern zu verhandeln – auch über einen anderen Standort!

Das kann man durchaus als Gesprächsangebot in Richtung Frankfurt verstehen. Ob es tatsächlich dazu kommt, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie die direkte Konfrontation in diesem November ausgeht. Strebt die Werbebranche deutschlandweit nach Berlin, während Frankfurt nur mit der lokalen Klientel Provinzpunkte sammeln kann, dann sähe es schlecht aus für Frankfurt. Im anderen Fall wäre alles offen. Soviel erscheint die Analyse allerdings zu ergeben: Einfach ist anders – aber das kennt man ja in der Mainmetropole.

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