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Privat-Vorstellung

Privat-Vorstellung

Die Kinothek Asta Nielsen e.V. und ihr Amateurfilm-Projekt

Von Karola Gramann*

Die Kinothek Asta Nielsen hat seit 3 Jahren eigene Räume an der Stiftstraße, in zentraler Lage Frankfurts. Dort befinden sich nicht nur die Büros, die Sammlung und die Sichtungsgeräte; dort finden überdies Veranstaltungen mit Schmalfilm und einem begrenzten Publikum statt. Die räumliche Intimität kommt dem Konzept der Reihe "Geschichte und Geschichten. Amateurfilm im Gespräch" entgegen.

Die Reihe steht im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Amateurfilmarchivs. Filmarbeit von Frauen, die Geschichte des Privaten und der Geschlechterverhältnisse, insbesondere im Familienfilm, bilden den speziellen Fokus unserer Arbeit. Das Vorhaben ist hinsichtlich der Filme – wie für diesen Zweig der Filmwissenschaft üblich – regional, das heißt auf die Rhein-Main-Region bezugen.

In den letzten beiden Jahren haben wir den Internationalen Home Movie Day in Frankfurt am Main ausgerichtet und auf diese Weise den Grundstock für eine Filmsammlung gelegt. Die Kinothek sammelte von Anfang an Filme, Fotos, graue Literatur. Im Mittelpunkt jedoch steht das Filmprogramm und seine Aufführungen vor Publikum - im Vertrauen darauf, dass sich die Betrachter die Filme auf je eigene Weise aneignen.

Der Vater mit der Super 8-Kamera, die Familienfilmabende im umgestalteten Wohnzimmer-Heimkino und vieles mehr. Der Amateurfilm schien eine männliche Domäne zu sein. Zu entdecken sind hier jedoch auch die Frauen mit der (Schmalfilm-)Kamera und ihre vielfältigen Ausdrucksformen.

Für Ende 2014 ist schließlich ein Festival des Amateurfilms geplant - die "Privat-Vorstellung". Der Blick soll dabei den Amateurinnen gelten und der Geschichte des Privaten, der Frauen und der Geschlechterverhältnisse. Gefragt werden soll auch nach der Rolle der Kamera und des "Mannes mit der Kamera" in diesen Lebensverhältnissen.

Der Amateurfilm ist seit einigen Jahren Gegenstand von wissenschaftlichen Tagungen. Die Kinothek beabsichtigt, in Frankfurt eine die akademischen Grenzen überschreitende Veranstaltung auszurichten. Ein wichtiger Faktor wird sein, dass Filmprogramme in Originalformaten – 8mm, Super 8, 16mm und 9.5 mm – präsentiert werden, mit vielen Kuratorinnen, Archivarinnen, Filmmacherinnen, Historikerinnen und Filmwissenschaftlerinnen als Gästen. Außer den inhaltlichen, den ästhetischen und sozialen Aspekten sollen im Zentrum von Filmprogramm, Vorträgen und Diskussionen kuratorische Fragen der Präsentation, Archivierung und Digitalisierung stehen. Wie und in welcher Absicht können private Filmaufnahmen heute öffentlich gezeigt werden? Thema werden unter anderem die nicht für das Fernsehen gebräuchliche Kompilation und die Musikbegleitung sein. Ausserdem sollen Filme, die mit Amateurfilmmaterialien arbeiten, unter dem Aspekt des kuratorischen Umgangs mit privaten Filmen diskutiert werden.

Aus den verschiedensten Sammlungen und Archiven, mit denen die Kinothek Asta Nielsen vernetzt ist, werden Filmprogramme präsentiert, Vorträge zu Geschichte, Ästhetik und sozialer Bedeutung des Amateurfilms im Kontext von Frauen und Geschlechtergeschichte sind geplant, so wie Werkstattgespräche und Installationen von und mit Künstlerinnen, die ihre Arbeiten im Schmalfilmbereich und mit Amateurfilmmaterial zeigen. Geplant ist die Rekonstruktion eines Heimkinoabends – mit einem typischen Programm, aus selbstgedrehten und gekauften Schmalfilmkopien von Kinofilmen gemischt war – und eine Ausstellung, die den Paratexten des Amateurfilms, den Dosen, Schachteln und ihren Beschriftungen gewidmet ist.

Der Amateurfilm ist für die filmkuratorische Arbeit noch Neuland. Es zu betreten bedeutet, nicht nur das Spektrum der im öffentlichen Raum sichtbaren Filme zu erweitern, sondern auch den Blick auf das, was Kino ist, war oder sein kann.

Der Home Movie Day 2013 findet am 9. November 2013 im Weltkulturen Museum statt in Zusammenarbeit mit Gunter Deller, dem Kino Mal Seh'n, Fritz Mettal Film- und Tontechnik und mit Weltkulturen Museum.

* Karola Gramann ist Leiterin der Kinothek Asta Nielsen

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