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Neustrukturierung der Filmförderung in Hessen

Neustrukturierung der Filmförderung in Hessen

Ein von Politik und Branche verabschiedetes Eckpunktepapier nennt die wesentlichen Ziele

Von Hannes Karnick*

Nach etlichen Verhandlungsrunden, in denen die Initiative Hessen Film - ein Zusammenschluß von AG DOK, Filmhaus Frankfurt, des Hessischen Film- und Kinobüros sowie der Vereinigung des Hessischen Filmwirtschaft - immer wieder auf Strukturdefizite in der Förderarchitektur des Landes aufmerksam gemacht hat, ist jetzt zumindest ein erster Teilerfolg erzielt.

In der Beratungsrunde auf Einladung der Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), ist am 6. August von der Landesregierung zusammen mit den Hessischen Filmförderungen, dem Hessischen Rundfunk (hr), der Hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) sowie der Initiative Hessen Film ein Eckpunktepapier zur „Neustrukturierung der Filmförderung in Hessen“ verabschiedet worden, worin es heißt, dass die Branchenvertreter an der Neuordnung beteiligt werden sollen. Wie und in welchem Maße, das wird auch von der Stärke des Engagements der Kolleginnen und Kollegen für eine lebendige und kreative Filmlandschaft in Hessen abhängen.

Das Papier sieht die Zusammenlegung der bisher getrennten drei Förderungen in einer GmbH vor. Von der neuen Institution sollen die Aufgaben sowohl der wirtschaftlichen als auch der kulturellen Filmförderung sowie anderer Einrichtungen wie Location Hessen, der Festival- und Kinoförderung und anderes wahrgenommen werden. Da das Land nicht alleiniger Gesellschafter sein will, ist angedacht, den hr als weiteren Gesellschafter zu beteiligen. Eine Anhebung seiner finanziellen Beteiligung über die 750.000 Euro hinaus, die der hr bislang aus den Überschussmitteln der Landesmedienanstalt LPR bereit stellt, hat der Sender allerdings vorerst nicht in Aussicht gestellt.

Insgesamt, so heißt es, werden vom Land gegenwärtig circa 10 Millionen Euro pro Jahr für Filmförderung (inklusive Filmpreis und Berlinale Empfang) ausgegeben. Dieser Betrag soll auch in die neue Struktur fließen. Eine genauere Aufstellung, die neben direkten Förderausgaben auch die administrativen Kosten enthält, wurde bisher nicht offen gelegt.

Doch so erfreulich es ist, dass sich nach langen Zeit endlich etwas bewegt, soviel gibt es noch zu tun. Für die Neuordnung ist gerade mal ein Jahr Zeit. Denn das bürgschaftsfinanzierte Programm Hessen Invest, dessen dritte Tranche in diesem Jahr zu Ende geht, ist nicht auf weitere vier, sondern lediglich um 1 Jahr bis Ende 2014 verlängert worden.

Es gilt, die Ausarbeitung der Struktur nicht der Ministerialbürokratie zu überlassen - bekanntlich steckt der Teufel im Detail -, sondern im Einvernehmen mit der Filmszene zu entwickeln. Orientierung im Bereich von Low- und Medium Budget Produktionen kann dabei die Organisation der Produktionsförderung 2 in NRW sein, die zusammen mit dem Filmbüro erfolgt.

Von der AG DOK war vorgeschlagen worden, den Passus aufzunehmen, daß "unter Mitwirkung der Branche die Entwicklungslinien des Standortes in einer Film- und Medienkonzeption beschrieben werden“. Diese Formulierung, der die Anwesenden einvernehmlich zugestimmt hatten, ist bei der Schlussredaktion der Absichtserklärung allerdings unter den Tisch gefallen. Dabei ist die Forderung nach konzeptionellen Überlegungen jedoch keineswegs erledigt, sondern dringender denn je.

Ein Schlüssel zu einer eigenständigen Entwicklung der hessischen Filmlandschaft, wenn sie mehr sein will eine als pittoreske Kulisse oder die verlängerte Produktionswerkbank Berliner, Kölner oder Münchener Produzenten, ist die Unterstützung einer innovativen Stoff- und Drehbuchentwicklung und die gezielte Förderung dynamischer (Nachwuchs-)Persönlichkeiten aus dem kreativen wie aus dem Produktionsbereich.

In diesem Zusammenhang könnte und müsste der bisher nach außen abgeschotteten Landesrundfunkanstalt hr eine Katalysatorenrolle bei der Entwicklung und Produktion ambitionierter Stoffe zukommen. Impulse aus dem öffentlich-rechtlichen Bereich wären ein Akzent für den Produktionsstandort Hessen und für Produktionen in Hessen. Das wäre doch mal ein Sprungbrett, das die gebührenzahlende Öffentlichkeit überraschen würde: vom Hessischen Traktorensender zum führenden öffentlich-rechtlichen Auftraggeber und Co-Produzenten für dokumentarische und fiktionale Programme.

Auf dem Weg zur Umsetzung – bisher ist es ja alles nur eine Absichtserklärung – und bei der Erarbeitung einer Filmkonzeption ist die Mitwirkung von film- und medienpolitisch interessierten Kolleginnen und Kollegen gefragt. Die Dokumentarfilmer sollten allerdings vor allem durch interessante und relevante Produktionen auf sich aufmerksam machen.

Dem Vernehmen nach lagen in den beiden ersten Sitzungen des Jahres der Vergabekommission von Hessen Invest Film keine Projekte von Hessischen Produzenten vor. Hier sollte mehr geschehen, vor allem aus dem Dokumentarfilmbereich. Trotz des Aufwandes sollte dieses Feld nicht den Berlinern oder Münchenern überlassen werden.

* Hannes Karnick ist Sprecher der AG DOK Hessen

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