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Kino als öffentliche Aufgabe

Kino als öffentliche Aufgabe

Kommunale Kinos in Hessen mit langer Tradition

Von Erwin Heberling*

Wenn man von Kommunalen Kinos spricht, sind Lichtspielhäuser gemeint, die in Struktur und Ausstattung sehr differieren können, aber nicht in ihrem hohen Anspruch. Kommunale Kinos, zumeist in Trägerschaft der öffentlichen Hand oder eines Vereins geführt, sind geprägt durch ein an den öffentlichen Kulturauftrag appellierendes Verständnis, den Film in seiner ganzen Vielfalt, frei von kommerziellen Zwängen, zu präsentieren. Das gilt, um zwei Musterbeispiele zu nennen, für das Kino im Deutsche Filmmuseum in Frankfurt nicht weniger als für das „Nostalgie-Kino“ im nordhessischen Bad Wildungen.

In Hessen blicken die Kommunalen Kinos - kurz Kokis - auf eine lange Tradition und gehören mehrheitlich zu einer in den 70erJahren aufblühenden Bewegung, die in Frankfurt ihren Anfang nahm und gerade im Rhein-Main-Gebiet viele Nachahmer fand. Allein in dieser Zeit fiel der Startschuss für sechs kommunal betriebene Häuser in den Städten Frankfurt, Dietzenbach, Ginsheim-Gustavsburg, Weiterstadt und Wiesbaden.

Wiesbaden ist heute sogar mit zwei Kokis gesegnet. Neben der prachtvollen, dem Kulturamt der Stadt unterstellten Caligari Film-Bühne, die sich in einem aus den 1920er Jahren stammenden ehemaligen UFA-Filmpalast befindet, gibt es noch das 2009 eröffnete Filmtheater der Murnau-Stiftung, das im Sinne des Stiftungszwecks aber vorrangig der Filmgeschichte gewidmet ist.

Gleiches gilt auch für Frankfurt. Auch hier stehen zwei Kokis. Aus einem anderen, eher bildungspolitischen Umfeld ist das 1975 gegründete und zwei Jahre später in die lokale Volkshochschule integrierte Filmforum Höchst entstanden. Zusammen mit VHS-Kinos in Städten wie Duisburg oder Oberhausen gehört es zu einer Bewegung, die sich damals für die Gründung kommunaler Kinos als „Orte für Volksbildung“ stark machte.

In diesen Kontext passt auch das vor mehr als 40 Jahren als Teil des dortigen Volksbildungswerks gegründete Kino „Eschborn K“. Das Eschborn K ist das Muster für eine von einem Verein geleitete Einrichtung, die getragen wird durch ehrenamtliches Engagement und öffentlichen Zuschüssen beziehungsweise durch andere Formen kommunaler Unterstützung. Zu dieser Kategorie zählen auch viele andere Spielorte: die Filminsel Biblis, das Kino Kelkheim, das Kuki Schlüchtern, die Film-Bühne Fulda oder auch das in ein soziokulturelles Zentrum integrierte Trauma-Kino in Marburg.

Darüber hinaus fallen noch etliche weitere Initiativen in diese Rubrik. So warten diverse Filmclubs an den Universitäten mit Kommunaler Filmarbeit auf. Die Pupille in Frankfurt und der Studentische Filmclub Darmstadt sind mit ihrer mehr als 50jährigen Geschichte sogar die ältesten nichtkommerziellen Spielstätten überhaupt in Hessen.

Was wäre das Land ohne dieses, längst nicht vollständig aufgelistete Spektrum kommunaler Kinoarbeit? Wie viele Filme, Filmländer und Genres, Filme in Originalsprache, Dokumentar- oder Kurzfilme hätten es sonst nicht auf eine Kinoleinwand geschafft? Auch bewährte und überregional bekannte Festivals wie Africa Alive, Cuba im Film oder das Open-Air-Filmfest Weiterstadt wurden hier ins Leben gerufen. Film- und Kinointeressierte erhalten hier die Chance zur Auseinandersetzung mit dem Gesehenen oder nutzen die Chance, ihre Idee von Kino mit Gleichgesinnten zu teilen.

Andererseits müssen die Betreiber immer wieder um den Fortbestand ihrer Arbeit bangen, die finanzielle Unterstützung ist meist dürftig, sie wird den Anforderungen kaum gerecht und hinkt vor allem der Förderung anderer Kulturbereiche ungleich hinterher. Hinzu kommt, dass die ländlichen Regionen vom Kinosterben geprägt sind und die Zahl der kinolosen hessischen Kommunen in den letzten 10 Jahren dramatisch gestiegen ist.

Ein Umdenken seitens der Politik in Hessen wäre insofern dringend erforderlich. Neue, zukunftsweisende Modelle öffentlicher Unterstützung müßten her. Genannt sei hier etwa das Vorbild Baden-Württemberg, wo kommunale Kinos zu 50 Prozent jeweils von Stadt und Land gefördert werden.

Am Beispiel der Burg-Lichtspiele in Ginshem-Gustavsburg lässt sich zeigen, wie ein Kommunales Kino in einer kleineren Stadt aufgestellt ist, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die Kommune hat als Betreiber mit Hilfe des Landes das Gebäude vor wenigen Jahren umfassend und barrierefrei saniert aus. Die multifunktionale Ausstattung ermöglicht neben Film- auch Theater- und Kleinkunstvorführungen, ein Café dient als kommunikativer Treffpunkt.

Geleitet werden die Burg-Lichtspiele vom Kulturbüro der Stadt, unterstützt allerdings von einem Verein, der das Programm mitgestaltet und das Kino weiterentwickelt. Jüngstes Ergebnis dieses Engagements ist die Reihe „inklusives Kulturprogramm für Gehörlose und Hörende“, die das kulturelle Angebot vorbildlich für weitere Bevölkerungsgruppen öffnet.

* Erwin Heberling ist Leiter des Film- und Kinobüros Hessen

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