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Ein Hort der Filmkunst

Ein Hort der Filmkunst

Spielstätten in gemeinnütziger Trägerschaft: In Deutschland gibt es über 120 kommunale Kinos

Von Fabian Schauren*

Die über 120 im Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) zusammengeschlossenen Kinos und Filminitiativen sind sehr unterschiedlich. Was sie jedoch eint, ist das Engagement für den Film als Kulturgut im Rahmen einer lokalen nichtkommerziellen Trägerschaft. Wie will man sie also beschreiben, die kommunalen Kinos und ihren Verband, der seit fast 40 Jahren ihre Interessen von Frankfurt aus vertritt?

Den Markenkern bilden die knapp 80 Kinos mit eigenen Sälen. Häuser, die sich dennoch in vielen Punkten wie etwa Spielhäufigkeit, Rechtsform, Professionalisierung (bezahlte Arbeit oder Ehrenamt) oder technischen Ausstattung stark von einander unterscheiden.

Nur wenige Städte sind direkte Träger ihres kommunalen Kinos, wie es Hilmar Hoffmann einst in Frankfurt durchgesetzt hat. Dazu zählen heute nur noch die die Städte Nürnberg, Saarbrücken, Weiterstadt und Wiesbaden. Die Regel ist inzwischen der kommunal unterstützte Verein als Träger, was heute auch für Frankfurt gilt. Aber es gibt auch das Modell der Trägerschaft durch die kommunalen Volkshochschulen wie in Frankfurt-Höchst. Letztendlich kommt es aber in der Umsetzung nicht darauf an, ob ein Amt, eine Volkshochschule oder ein Verein das Kino betreibt, solange die Gemeinde die Kinoarbeit verlässlich und umfassend unterstützt.

Das übrige Drittel der Mitglieder setzt sich aus Kinos zusammen, die sich mit ihren Vorstellungen in gewerbliche Kinos einmieten (beispielsweise in Groß-Gerau) oder die Festivals und andere Filminitiativen betreiben. Auch mehrere studentische Kinos sind im BkF organisiert, hierunter so traditionsreiche Einrichtungen wie die Frankfurter Pupille (gegründet 1951) und der Studentische Filmkreis an der TU Darmstadt (gegründet 1954).

Regional liegen die Schwerpunkte in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Rhein-Main-Gebiet. Dagegen haben die sieben östlichen Bundesländer zusammengenommen gerade mal einen Anteil der dem im Rhein-Main-Raum entspricht. Ein Gefälle, das vor allem in den unterschiedlichen Förderpolitiken der Länder begründet ist. So fördert Bayern grundsätzlich nur kommerzielle Kinos, während das Musterland Baden-Württemberg sogar mit einer speziellen Förderung für kommunale Kinos aufwartet. Hessen wiederum zeichnet eine Auswahl seiner kommunalen Kinos mit dem Hessischen Kinopreis aus, während Rheinland-Pfalz die drei Kinos in öffentlicher Trägerschaft explizit ausschließt.

Wie in der gesamten Kinobranche ist die Umstellung der Projektion von analogem Film auf digitale Daten auch bei den kommunalen Kinos das beherrschende Thema der letzten Jahre. Entscheidend sind hierbei die finanziellen und technischen Gesichtspunkte - über die Hälfte der Kinos erreicht nicht die für eine Bundes- und Länderbeihilfe nötige Zuschauergrenze und hat somit Probleme, die enormen Investitionskosten zu schultern. Eine diffizile Lage. Zumal zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Gemeinden aufgrund der Schuldenbremse ihre „freiwilligen“ Kulturleistungen auf den Prüfstand stellen.

Andererseits geht es auch darum, die analoge Filmtechnik weiterhin betriebsfähig zu halten und sich dafür einzusetzen, daß analoge Kopien auch digital verfügbar sind. Denn nur so ist die Bewahrung der Filmgeschichte -eines der zentralen Anliegen der kommunaler Kinos - substantiell zu leisten.

So stand dieses Thema im Zentrum der beiden jüngsten Bundeskongresse des BkF: 2012 in Dortmund mit dem Fokus auf kleinere Archive und im Juni im Deutschen Filmmuseum. Dort ging es unter anderem darum, wie der zeitlose Repertoirefilm wieder stärker in das Blickfeld der Zuschauer gerückt werden kann und ob Kopien und Rechte überhaupt verfügbar sind. So ist es für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar, dass es für Werke, die im Laden als DVD oder Blue-ray leicht erhältlich sind, nicht ohne weiteres Vorführrechte fürs Kino gibt. Selbst ein neuerer Klassiker wie Pulp Fiction hat in Deutschland keinen Verleih mehr und kostet beim Weltvertrieb das Vielfache eines aktuellen Kinofilms. So ist es trotz Digitalisierung oft viel aufwendiger und teurer, Repertoire zu spielen als aktuelles Programmkino.

Beklagenswert ist, daß zuletzt vor der Hürde der Digitalisierung immer wieder kleine, eigentümergeführte Kinos aufgeben mußten, die zudem oft auch das letzte Lichtspielhaus am Ort waren. Dies führte in letzter Zeit zu vermehrten Anfragen bezüglich der Gründung eines Kinovereins und zu neuen Chancen, andere Filme anders zu zeigen. Zum Glück aber musste bislang noch keines der kommunalen Kinos wegen der Umstellung der Projektionstechnik schließen.

* Fabian Schauren ist Geschäftsführer des BkF

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