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Braucht Frankfurt eine Filmmesse?

Braucht Frankfurt eine Filmmesse?

Kinobetreiber Harald Metz ist überzeugt: Frankfurt ist der ideale Standort für eine Tradeshow deutscher Filmverleiher

Von Daniel Güthert

Mit einer bestechend klingenden Idee ist Frankfurts Kinobetreiber Harald Metz (Berger-Kino) vor Jahresfrist an die Öffentlichkeit getreten. Aus Sicht des erfahrenen Kinopioniers, der in Kooperation mit der früheren Kieft-Gruppe (Cinestar) auch etliche Mulitplexe in der Region mit aufgebaut und betrieben hat, fehle es in Deutschland an einer Filmmesse, die zum Jahresende hin - etwa zweite Hälfte November - stattfindet, um die geplanten Starts zum traditionell boomenden Weihnachtsgeschäft vorstellen zu können. Der Termin sei überdies von besonderem Reiz, könnten damit auch die Nominierungen zu den Globen Goldes (Verleihung im Januar) und zum Oscar (Verleihung im Februar) zum Einsatz kommen. Und Metz brachte auch gleich den idealen Veranstaltungsort mit ins Spiel: Frankfurt. Mit ihrem internationalen Flair, ihrer Ausstrahlungskraft als führendes europäisches Wirtschafts- und Finanzentrum, zentral gelegen, sei die Stadt prädestiniert, eine solche Fachmesse erfolgreich auszurichten.

Damit würde sich für die Verleihbranche eine Lücke in dem Reigen der Tradeshows schließen, so Metz, und die Stadt bekäme ein Medienevent erster Güte, eine Bühne, auf der sich namhafte Regie- und Leinwandstars mit ihren Filmen präsentieren würden. Ganz abgesehen von dem geballten Aufmarsch an Fachbesuchern - den Verleihern, Produzenten, Kinobetreibern und Pressevertetern -, verbunden mit den entsprechenden Impulsen für Gastronomie und Hotelgewerbe. Nach den Erfahrungen vergleichbarer Veranstaltungen etwa in Köln oder München könne man, wie Metz weiter darlegt, mit über 1.000 Gästen an den drei Tagen rechnen. Und im zweiten Anlauf sehe er die Chance, die Veranstaltung dem kinobegeisterten Frankfurter Publikum zu öffnen, was einen zusätzlichen Imagetransfer auslösen würde.

Nach eigenen Bekunden sei das Konzept startreif ausgearbeitet, auch ein Stab erfahrener Organisatoren stehe parat. Derzeit suche er Partner, um die Anschubfinanzierung auf die Beine zu stellen. Rund 250.000 Euro seien veranschlagt, wobei Metz davon ausgeht, daß sich die Tradeshow auf absehbare Zeit selbst tragen werde.

Wie aber steht nun die Politik in Frankfurt und in Hessen der Initiative gegenüber, was hält die Branche, was halten die Verleiher selbst und die verschiedenen Verbände davon?

Seitens der Politik klingt auf Anfrage durchaus Sympathie für ein solches Vorhaben an, das dem Filmland Hessen und der Region Frankfurt/Rhein-Main zugute käme. Für die Messe- und Kongressstadt Frankfurt verspräche sich der zuständige Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) allemal einen Gewinn: "Eine solche Tradeshow, jährlich abgehalten, wäre nicht nur für die überregionale Medienwirtschaft von großer Tragweite, sondern sie wäre auch Ausdruck der besonderen Bedeutung des Messe- und Kongressstandortes Frankfurt."

Auch aus dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) hört man zu dem Thema wohlwollende Stimmen, die allerdings mit Skepsis unterlegt sind, inwieweit eine zusätzliche Filmmesse neben Leipzig, Köln und München Aussicht auf Erfolg hätte. In Wiesbaden sehe man in dem Punkt aber in erster Linie die Verleiher respektive deren Verbände am Zuge, die Marktgängigkeit einer solchen Branchentreffs unter Beweis zu stellen.

Ganz ähnlich die Stellungnahme des Hauptverbandes der deutschen Filmtheater (HDF), der ein zusätzliches Forum grundsätzlich willkommen heißt, das den Kinobetreibern in der Vielfalt von Filmstarts die zusätzliche Sichtung ermöglicht, um das Potential neuer Produktionen abschätzen und planen zu können. Allerdings, so HDF-Vorstand Andreas Kramer, müsse die Initiative von den Verleihern kommen.

Auf die Projektidee angesprochen zeigten sich die beiden großen US-Verleiher in Frankfurt, die Twentieth Century Fox und die Universal Pictures International (UPI) eher verhalten. Das Thema sei im Verband der Filmverleiher diskutiert worden, habe aber "in Anbetracht der vielfältigen bereits etablierten Präsentationstermine im Jahreskalender keine große Zustimmung erfahren", wie sich Fox-Chef Vincent de La Tour dazu einließ, was in etwa auch der Einschätzung von UPI entsprach.

So muß man abwarten, inwieweit dem Projekt noch eine Zukunft gegeben ist. Der Stadt Frankfurt, die sich ja gern als aufstrebendes, innovatives Medienzentrum präsentiert, würde ein Branchenmeeting in Form einer zugkräftigen Tradeshow oder auch eines renommierten, internationalen Festivals in der Hinsicht allemal gut zu Gesicht stehen.

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