Wir helfen Ihnen Ihre Visionen zu verwirklichen!

GRIP 44

Modulare Bausteine für mehr Effizienz

Überlegungen zu einer zukünftigen Filmförderung in Hessen

Von Maria Wismeth*

Filmförderung in Hessen – was heißt das? Was haben wir und wohin kann die Reise gehen? Daß es zunächst um den Hessischen Film so schlecht nicht bestellt ist, konnte man erst kürzlich erfahren. Das Lichter Filmfest bot eine beeindruckende Schau in und um Hessen herum hergestellter Filme, unter anderem mit dem Eröffnungstitel „Unter Dir die Stadt“ von Christoph Hochhäusler, gefördert von Hessen Invest Film (Produktion) und der Hessischen Filmförderung (Verleih). Stimmen bestätigen, daß die kulturelle Filmförderung im Rahmen des Möglichen sehr erfolgreich sei, aber eine Umstrukturierung der gesamten Förderwerkzeuge zur Steigerung der Effizienz dennoch erforderlich scheine.

Schaut man sich die Region näher an, dann findet man alles, was den Film ausmacht - in einer breiten, sehr agilen Struktur: Dokumentarfilmer, Künstler, die mit dem Medium experimentieren und oft in Museen und Galerien rezipiert werden, auch wenige Firmen, die regelmäßig Spielfilme für Kino und Fernsehen herstellen, Postproduktionsbetriebe und andere Dienstleister - alles auf hohem Niveau.

Gleichwohl gilt die Prämisse für Hessen wie für ganz Europa: Es gibt kein Filmschaffen ohne Förderung durch Steuermittel und Rundfunkgebühren. Dieser Zustand ist durchaus kritisch zu hinterfragen. Aber er ist nicht zu leugnen. Auch für Hessen nicht, wo mehrere Institutionen nebeneinander die Förderlandschaft beackern.

Dabei bemüht sich die Kulturelle Filmförderung, bestehend aus der Filmförderung des Landes (HFF-Land) und des Hessischen Rundfunks (HFF-hr) und ihren getrennten Gremien, mit ihren bescheidenen Mitteln, um eine stringente Förderung von Talent und künstlerisch ambitionierten Vorhaben. Auch die Filmkunsttheater werden bei ihrer Programmgestaltung und den technischen Innovationen unterstützt, ebenso wie die meisten Filmfestivals.

Der Filmfonds der Wi-Bank, Hessen Invest Film, vergibt günstig verzinsliche und bedingt rückzahlbare Darlehen, erwartet aber Rückflüsse und eine wirtschaftlich vielversprechende Auswertung. Die meisten hessischen Filmemacher können diese Förderung nicht in Anspruch nehmen, da sie die Bedingungen nicht erfüllen. Der Film-Fonds ist ein gutes Instrument, um das Drehaufkommen in Hessen zu mehren und Beschäftigung zu generieren . Das Programm ist aber nicht geeignet, bei den vorhandenen Kleinstrukturen eine Verstetigung der Produktionstätigkeit zu entwickeln.

Gerade in dem Punkt aber müßte angesetzt werden. Indem man alle Aktivitäten in einer Institution unter einer Geschäftsleitung bündelt, hätte man die Möglichkeit, die Förderung gezielt und bedarfsorientiert zu organisieren. Das Modell HFF-Land und HFF-hr mit gemeinsamer Geschäftsstelle taugt als Vorbild und könnte wie ein Modul um weitere Module erweitert werden, so dass alle derzeit bestehenden Förderaktivitäten in einer Hand zusammengefasst wären: Drehbuch, Produktion (kulturell und wirtschaftlich), Verleih, auch die Förderung von Kinos und aller Festivals sowie das Auswahlverfahren zum Hessischen Filmpreis.

Schon vor 10 Jahren wurde die Film Commission Hessen anmodulisiert, die seither als Serviceeinrichtung unter anderem Drehortvermittlung betreibt. Eine Kooperation wie das „Drehbuchcamp“ ist eine erweiterbare Fortbildungsaktivität. Die Kooperationsvereinbarung mit der Filmförderung Baden-Württemberg kann als Muster für die Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern benutzt werden, und Kooperationen mit den regionalen Sendern könnten das Spektrum erweitern, ebenso die Öffnung von vorhandenen Strukturförderungen der WiBank.

Fachgremien könnten alle Förderprojekte nach inhaltlichen Qualitätskriterien und danach beurteilen, ob sie mittelfristig Freischaffende und Firmen am Standort beschäftigen respektive von außerhalb anziehen. Aus diesen Auswahlkriterien, lassen sich auch die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten ablesen, wenn das Auswertungskonzept zum Projekt passt und die richtigen Leute im Boot sind.

Sämtliche etablierten Förderaktivitäten würden unter den aufgeführten kulturellen und wirtschaftlichen Kriterien überprüft. Auf diese Weise könnten Mittel frei werden, mit denen Filmfestivals und Projekte im Produktionsbereich gefördert werden, die derzeit zwischen den Töpfen der kulturellen Filmförderung und Hessen Invest Film „verhungern“.

Und es müsste unbedingt ein Modul Versuchsküche eingerichtet werden, das sich mit interaktiven, internetzentrierten Vorhaben beschäftigt. Sie verlangte eigenes Knowhow und zusätzliche Mittel. Doch der Umbau der Förderung erforderte vor allem Energie und Sachverstand sowie politischen Willen. Der Zugewinn der gemeinsamen Anstrengung für die Region allerdings wäre enorm.

* Maria Wismeth ist Geschäftsführerin der Hessischen Filmförderung