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GRIP 44

Geschichten in Bildern erzählen

Das Filmhaus-Seminar "Visual Design" bot Einblicke, die man selten bekommt

Von Jill Klohe*

Als ich mich bei der hFMA um einen Platz für den Workshop „Visual Design für Filmschaffende“, geleitet von Erika Surat Andersen, bewarb, hoffte ich sehr, einen der raren Plätze ergattern zu können. Die Beschreibung des Kurses klang mehr als vielversprechend. Das Thema war, einen eigenen Film-"Look“ mithilfe zugrundeliegender Strategien zu entwickeln und das Potential des Medium Films in der gesamten Breite seiner visuellen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Ich hatte Glück. Die Wahl für einen der 15 Plätze fiel auf mich. So fuhr ich tatsächlich mit hohen Erwartungen zu dem Seminar ins Filmhaus Frankfurt; Erwartungen, die, um es vorwegzunehmen, auch nicht im mindesten enttäuscht wurden. Allein die Zusammenstellung der Teilnehmer war reizvoll, waren doch in dem Workshop, der in Kooperation zwischen Filmhaus Frankfurt und der hessischen Film- und Medienakademie zustandekam, Studierende verschiedenster Hochschulen versammelt, so aus Offenbach, Kassel, Darnmstdt und Gießen.

Das Konzept, das uns Kursleiterin Erika Surat Andersen vorstellte, ging auf Bruce Block zurück, bei dem sie selbst, wie sie erzählte, in Los Angeles Unterricht gehabt hatte. Dessen Buch „The Visual Story“ gilt als elementares Wissen für jeden Filmschaffenden. Dabei geht es um das Wechselspiel von Kontrast und Affinität, das sich in den folgenden sieben Komponenten ausdrückt: Raum, Linien, Formen, Tonus, Farbe, Bewegung und Rhythmus.

Um dies anschaulich zu machen, wurde uns eine Reihe von Filmbeispielen vorgeführt, die die jeweiligen Komponenten aussagekräftig darstellten. So sehr man geneigt ist, anfangs möglichst alle Komponenten gleichwertig zu beachten und umzusetzen, wurde jedoch schnell klar, dass es dramaturgisch und visuell deutlich reizvoller und dankbarer ist, sich auf eines der sieben Merkmale durchgehend und konsequent zu konzentrieren. Besonders interessant war es, dies innerhalb einer Gruppe zu testen.

Dabei taten wir uns in Vierer-Gruppen zusammen und erstellten Storyboards, jeweils unter Berücksichtigung eines Elements. Diese Scribbles haben wir anschließend auf eine phantastische High-Tech-Leinwand übertragen. Dabei konnte man mit einem speziellen Stift direkt auf die Leinwand malen, was unmittelbar durch den Computer bildlich übersetzt worden ist.

Begleitet waren die Übungen von teils sehr aufschlußreichen Diskussionen zu bildkompositorischen Entscheidungen und Ideen. Dabei fiel auf, dass ein Element allein schon eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet, was immer auch Gefahr und Chance zugleich darstellte.

Doch der Variantenreichtum ist lohenswert. Denn werden die Komponenten erst beachtet, erfüllt sich die Maxime des visuellen Geschichtenerzählens "Don't tell, show it“ beinah wie von selbst. Wunderbare, eindeutige, doch tiefgründige Bilder entstehen. Und das ist schließlich die Magie: es stecken so viele Gedanken, so viel Wissen in den bewegten Bildern, und doch muten sie so leicht an und lassen uns uns selbst in ihnen vergessen.

Nach diesem Wochenende waren wir uns einig: Eigentlich müsste jeder diesen Kurs besuchen, der sich mit Film beschäftigt. Ich kann mich an dieser Stelle nur bei Erika Surat Andersen, dem Filmhaus Frankfurt und der hessischen Film und Medienakademie bedanken für das Angebot eines solch instruktiven, lehrreichen Workshops.

* Jill Klohe ist Studentin im Fachbereich Medien an der Hochschule Darmstadt.