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GRIP 44

Explosionen, Schüsse, Wunden

Die Special-Effekt Firma HFX in Frankfurt

Von Claudia Prinz

Von außen sieht alles unspektakulär aus. Die Büroräume der Firma HFX - Harry’s Special Effects -befinden sich auf dem Gelände der ehemaligen Milchsack-Fabrik in der Frankfurter Gutleutstraße, in guter Nachbarschaft von Kneipen, Galerien und dem Tanzhaus West. Ein offenes Büro, dekoriert mit gruseligen Masken und abgeschlagenen Händen aus Silikon, ist bevölkert von den beiden Firmeninhabern Gunther Haarstark und Sami Akdeniz sowie mehreren Mitarbeitern und einem Hund. Das feste Team der Firma wird aus Kostengründen klein gehalten, kann aber von 5 auf bis zu 25 Leute erweitert werden. Die eigentlichen Gerätelagerräume sind gut erreichbar außerhalb von Frankfurt.

In Deutschland gibt es nur zwei Dutzend Firmen, die den gleichen Service bieten, den HFX für das Rhein-Main-Gebiet bereithält: Feuereffekte mit Explosion und Flammensimulation für Studio- und Außenaufnahmen; Schusseffekte als Einschüsse in Gegenständen und Körpertreffer mit Blut; Natureffekte wie Dunst, Wind, Nebel, Regen, Graupel und diverse Sorten Schnee; dazu Show-Effekte, optische Effekte und Maskenbildnerei, bei der Wunden und Narben in Abform-Technik täuschend echt nachgebildet werden. HFX berät bei Stunts, arbeitet die Choreographien aus und kann ein Stunt-Team für Schaukämpfe, Stürze und vieles mehr zur Verfügung stellen. Und dies sind nur die spektakulärsten Effekte, die die Firma im Repertoire hat.

Ihr zweites Standbein ist die Pyrotechnik, die alle Facetten der Feuerwerkskunst umfasst. „ Unsere Vorbilder sind Firmen wie Industrial Light & Magic in den USA, mit 150, 200 Mitarbeitern“ sagt Firmengründer Gunther Haarstark, „aber solche Aufträge gibt es in Deutschland nicht und in den dreharmen Zeiten November bis März muss man auf andere Bereiche ausweichen. Das ist bei uns Veranstaltungstechnik und Feuerwerk. Ursprünglich wurde die Firma gegründet, um für Theater-, Film- und Fernsehproduktionen Spezialeffekte herzustellen. Aber hätten wir die Pyrotechnik nicht, könnten wir wirtschaftlich nicht überleben“.

Der Markt für Spezialeffekte ist im Rhein-Main-Gebiet nicht allzu groß und der Aufwand für die Leistungen wird oftmals unterschätzt. Da kann es passieren, dass eine Firma anruft und fragt, ob sie eine Regenmaschine leihen kann. „Regenmaschinen gibt es in jedem Baumarkt“, antwortet Haarstark dann, „die heißen da Gießkannen und kosten 4,95 Euro“. Er beneidet die Kollegen in den USA, wo der Spezialeffekte-Macher von Anfang bis Ende in die Produktion eingebunden ist und die kompletten Drehbücher zu lesen bekommen. "Dort erarbeitet man seine Filmkonzeption wie ein Szenenbildner oder Oberbeleuchter, was in Deutschland in der Regel nicht üblich ist." Für Gunther Haarstark ist das besonders schmerzlich, denn er hat neben jahrelanger praktischer Erfahrung auch einen soliden theoretischen Hintergrund. Bevor er sich mit seiner Firma selbstständig machte, studierte er in Frankfurt Film- und Theaterwissenschaften und schrieb seine Diplomarbeit über Arnold Fanck, einen Pionier des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilms.

Seit die wirtschafliche Filmförderung in Hessen verlangt, dass die von ihr zur Verfügung gestellten Gelder in Hessen ausgegeben werden müssen, steigen die Chancen für HFX merklich, bei solchen Projekten hinzugezogen zu werden. So war die Firma zum Beispiel bei Uwe Bolls Max-Schmeling-Film dabei, wo Haarstark allerdings darum kämpfen musste, dass nicht eine Berliner Firma den Auftrag bekam.

Viele Filmproduktionen, vor allem in der Werbung, sind dazu übergegangen, Spezialeffekte digital herzustellen, aber Im Vergleich zu Effekten durch digitale Nachbearbeitung sind real erzeugte Spezialeffekte bedeutend günstiger und sehen noch dazu besser aus, meint jedenfalls Gunther Haarstark. „Die digitalen Effekte werden die Spezialeffekte nicht ablösen. Ich fürchte das nicht als Konkurrenz, aber die Tendenz ist schon da, zu sagen: wir haben den Rechner ja sowieso im Haus, da machen wir es halt mit dem Rechner. Aber oft geht es „analog“ wesentlich schneller, besser und billiger. Wir werden jedenfalls nicht arbeitslos. Solange es Filme gibt, werden wir Arbeit haben“.