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GRIP 44

Die Natur im Fokus

Die perentie productions in Eppstein sind auf Naturdokumentationen spezialisiert

Von Martin Loew

Was sein Berufsziel ist, diese Frage hätte Klaus Sparwasser wahrscheinlich schon in sehr jungen Jahren beantworten können. Der Inhaber der perentie productions wuchs in Eppstein im Taunus auf. Die umliegenden Wälder waren Spielplatz und Forschungsgebiet zugleich. Die Begeisterung für Fotografie war ebenfalls schon früh geweckt worden. "Naturdokumentationen im Fernsehen hieß damals ja Bernhard Grzimek", erinnert sich Sparwasser. "Das war schon ein Vorbild. In die Welt ziehen und mit Bildern und Wissen über fremde Tiere und Regionen zurückkehren." Und so wirkt es nur folgerichtig, wenn Klaus Sparwasser und seine Frau Iris heute eine Filmproduktion führen, die sich auf Naturfilme spezialisiert hat.

Sparwassers Werdegang verlief dann allerdings nicht geradlinig. Nach der Schule folgte zunächst eine Ausbildung zum Chemielaboranten und erst später das angestrebte Studium der Biologie. Und auch hier kam nach dem Diplom in einem ökologischen Gebiet die Promotion mit pharmakologischem Schwerpunkt. Nach all den Jobs, die Sparwasser für sein Überleben während des Studiums nötig hatte, versprach dieser Doktortitel deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten. Doch seinen eigentlichen Traum, die Welt zu bereisen und von Berichten und Bildern leben zu können, gab Sparwasser nicht auf. Zunächst schrieb er für populärwissenschaftliche Zeitschriften und Reisemagazine, musste aber bald erkennen, dass die Honorare hier keinesfalls üppig waren. Die Pharmakologie blieb in der Folge bis heute sein zweites Standbein.

Zum Film kam er dann Ende der 1990-er Jahre. Die Überlegung war einfach. Wenn Bildberichte für die Presse nicht genügend Geld bringen, warum nicht TV-Beitrage? "Bei der Kameraarbeit bin ich Autodidakt", erzählt Sparwasser. "Natürlich habe ich mir immer wieder Techniken bei anderen Kameraleuten abgeschaut." Über eine Wiesbadener Produktionsfirma kommt der Kontakt zu Redaktionen zustande. Das Material jedenfalls überzeugte. Bei Filmarbeiten über ein Landschaftspflege mit Weidetieren im Soling lernt Sparwasser seine Frau Iris kennen. Mit ihrem feinen Gehör und viel Sinn für Atmosphäre wird sie bald die Tonspezialistin der jungen Filmproduktion.

Erste Fernseh-Beiträge von perentie productions werden ab 2002 ausgestrahlt. Ab 2006 folgen Beiträge für den ZDF Infokanal. Seitdem, so sagt Sparwasser, habe er bei einigen Sendern wenigstens einen Fuß in der Tür und produziere für das ZDF und ARTE. So zum Beispiel "Urzeit am Geistersee - auf der Suche nach dem Messel von heute". Für diesen Film sind die Sparwassers mit Wissenschaftlern des Senckenberg-Forschungsinstituts in die Urwälder Sumatras gereist und in Regionen vorgedrungen, zu denen noch nie ein Filmteam gekommen ist. Ebenfalls in Kooperation mit Senckenberg entstand dann "Ida completed", ein Wissenschaftskrimi über ein fossiles Äffchens, das zu den Urahnen der Menschheit gehört. Hierbei interessierte sich Sparwasser nicht nur für die Forschung am Fossil selbst, sondern verfolgte auch die Geschichte des Fundstücks, das illegal in Messel geborgen worden war und dann lange Jahre verschollen blieb.

Dass Natur in vielen Filmen als ungestörtes Hochglanzprodukt dargestellt wird, stößt Sparwasser allerdings auf. Die Probleme, findet er, sollten Teil des Films sein. Dass eine Kinoproduktion über die Serengeti die Bedrohung dieses einmaligen Reservates durch eine geplante Fernstraße außen vor lässt, kann er nicht nachvollziehen. „Das Publikum hat doch ein Recht auch auf die unbequemen Wahrheiten.“ Die Perentie, nach der die Firma benannt ist, ist übrigens eine australischen Waran-Art, die unter anderem auf Barrow Island vorkommt, einer Insel, auf der Erdöl gefördert wird. Über dieses Spannungsfeld zwischen industrieller Ausbeutung und fragilem Ökosystem zu berichten ist schon eher nach Sparwassers Geschmack.

Das große Vorbild heute? „Natürlich sind die BBC-Produktionen das Non-Plus-Ultra. Aber schon die Liste der Mitarbeiter im Abspann zeigt ja auch, was diese Produktionen gekostet haben.“ Bei hiesigen Etats ist perentie productions als Zwei-Personen-Team deutlich konkurrenzfähig. Diese Form der Arbeit habe aber seine Vor- und Nachteile. Es sei schon nicht leicht, zu zweit die ganze Ausrüstung zu managen. Vor Ort werde die Crew daher meist um einheimische Helfer ergänzt, die auch bei Übersetzungen und durch ihre Kontakte helfen können. Und bei den Dreharbeiten selbst, in Forschungseinrichtungen oder Naturschutzgebieten, entspricht diese Herangehensweise am ehesten Sparwassers Ideal vom Umgang mit der Natur: "Nicht mehr mitnehmen als Bilder, nicht mehr zurücklassen als Fußspuren."