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Das Ende einer Talfahrt

Kein neues Kino im ehemaligen Turmpalast / Wirtschaftlicher Druck läßt Kinos in der City keine Chance

Von Daniel Güthert

"Wir wollen keine Brache, keine tote Gegend im Zentrum der Stadt." So hatte Jochem Heumann, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer, die Erwartung des Magistrats auf den Punkt gebracht, als es im Sommer 2010 um die Zukunft des geschlossenen Turmpalasts ging. Das Museum für Moderene Kunst (MMK) und das Deutsche Filmmuseum hatten der Stadt Konzepte unterbreitet, Teile eines etwaigen Neubaus nutzen zu wollen. Eine Fläche von 800 Qudratmetern war im Gespräch für kulturelle Einrichtungen.

Nun sind die Würfel gefallen. Entsprechende Verträge zwischen der Stadt und dem Investor Gerd Rieche (Fides Beteiligungen KG) sind unterzeichnet. Danach wird das Apartmenthaus mit dem Kino abgerissen, um einem sechsgeschossigen Büro- und Geschäftsgebäude Platz zu machen, in dem auch, so lautet die Auflage der Stadt, Wohnungen und Bereich für kulturelle Veranstaltungen integriert sein sollen. Im Gegenzug ist dem Investor ein städtebauliches Filetstück, direkt am Eschenheimer Turm als Erbbaugrundstück für 66 Jahre übertragen worden.

Rieche selbst gehört lediglich das Frontgebäude, in dem auch das Eingangsfoyer des Turmpalasts eingerichtet war. Der Rest, circa 90 Prozent der Gesamtareals von 3000 Quadratmetern - zwischen Eschenheimer Tor, Bleichstraße und Katzenpforte – liegt im Eigentum der Stadt und ist Rieche im Wege des Erbbaurechts überlassen worden. Einzige Bedingung: eine partielle Nutzung zu kulturellen Zwecken. Dafür sind nun 800 Quadratmeter im Souterrain reserviert. Laut Planungsamt soll als Nutzer ein Theater in das Haus einziehen. Näheres dazu stand bis Redaktionsschluß noch nicht fest.

Bis zuletzt hatte sich in eine Vielzahl Prominenter, darunter Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff und der frühere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann, für den Erhalt des Turmpalasts eingesetzt. Als eines der größten Filmtheater Deutschlands war der mehr als 1200 Plätze fassende Ufa-Filmpalast 1929 eröffnet worden. Die Tendenz zum Schachtelkino ging dann nach dem Krieg auch an diesem Haus nicht vorbei, aber es blieb eine beliebte Anlaufstelle für Filmliebhaber und war mit seinem attraktiven Angebot an Produktionen in Originalversion Magnet für das internationale Publikum der Stadt.

Doch als vergangenen Sommer die Verträge zwischen dem Kinobetreiber, der australischen Cinestar-Gruppe, und dem Immobilienkaufmann Rieche ausliefen, sahen die beteiligten Firmen keine wirtschaftliche Basis mehr, die Partnerschaft fortzusetzen, zumindest nicht unter den gegebenen Voraussetzungen. Die hohen Mietpreise der Citylage und die massiven Sanierungs- und Brandschutzaufwendungen, die angestanden hätten, ließen keine andere Lösung zu, obwohl die Cinestar den Standort gerne behalten hätte, wie Geschäftsführer Oliver Fock bestätigte.

So hat das Kinosterben in der Innenstadt ein neuerliches Opfer ereilt in einer Kette von vielen anderen Lichtspielhäusern im Laufe der vergangen zwanzig Jahre, angefangen vom legendären "Metro im Schwan", das heute den Buchriesen Hugendubel beherbergt, über die "Zeil-Kinos" und das renommierte "Olympia" an der Weißfrauenstraße bis hin zum Juwel unter den Filmbühnen, dem Royal-Palast. Ein Prozeß, der zum einen bedingt war einen durch rückläufige Zuschauerzahlen, aber zum anderen auch durch den Druck hoher Mietpreise in attraktiven Innenstadtlagen, wie sie ein Kino als flächenintensives Unternehmen nicht erwirtschaften kann.

Daß dennoch drei Kinocenter um die Hauptwache herum verblieben sind, liegt an der jeweiligen Sondersituation dieser Spielstätten. Das "Cinema" am Roßmarkt bespielt großteils Souterrainflächen, die anderweitig nur bedingt zu nutzen wären. So gelang es Harald Vogel 2006 die Eigentümer der Liegenschaft, die Stiftung Neufville, von der Aufwertung des Gebäudes durch ein gehobenes Filmkunsttheater zu überzeugen. Bei den "E-Kinos" gehört die Immobilie schlichtweg der Betreiberfamilie Jaeger, die ansonsten, wie Chefin Gabriele Jaeger immer wieder betont, schon längst das Handtuch hätte werfen müssen. Und auch beim "Metropolis" sind die Kräfte des Marktes im Grunde ausgehebelt. Der denkmalgeschützte Komplex, im Eigentum der Stadt befindlich, ist 1996 im Wege eines Erbbauvertrages der Bewerbergruppe Kieft & Metz zu ausgesprochen moderaten Bedingungen – 6,7 Millionen Euro auf 60 Jahre - überlassen worden. Allerdings mit der Maßgabe, das Haus auch anderen kulturellen Zwecken gegenüber offenzuhalten, über das gewerbliche Kinogeschäft hinaus.

So hat das Modell im Fall "Metropolis", das in der Nachfolge der Kieft-Metz-Gmbh. inzwischen von der Cinestar unterhalten wird, offensichtlich Pate gestanden für die Lösung beim Turmpalast. Doch insgesamt verdeutlichen diese Beispiele in Sachen Stadtentwicklung, wer das Sagen hat. Die Wünsche und Erwartungen der Bürger sind das eine, die Gesetze des Marktes das andere. Von der Politik ganz zu schweigen.