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GRIP 38

Unbekannte Filmkultur im Westen etablieren

Zum achten Mal fand in Wiesbaden das Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt

Von Natalie Kronast

Seit Anfang der neunziger Jahre formiert sich in Deutschland eine Vielzahl neuer Festivals, die durch ihren eigenen Stil und ihre themen- und regionalspezifische Ausrichtung auf sich aufmerksam machen. Zu jenen jungen Festivals zählt seit 2001 auch goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden.

Vom Deutschen Filminstitut (DIF) ins Leben gerufen, knüpft goEast an die Tradition osteuropäischer Filmwochen an, die das DIF bereits früher veranstaltet hatte. Schon damals sollte Film als Mittel kultureller Verständigung dienen, und auch heute noch sollen das gegenseitige Kennenlernen, das Gespräch und die Reflexion wichtige Aspekte des Festivals sein. So wurde mit dem jährlichen Symposium ein „wissenschaftliches Forum" geschaffen, das neben der Filmpräsentation zu einem intensiven gedanklichen Austausch einlädt. Gleichzeitig versteht sich goEast als Plattform für junge Filmemacher aus dem östlichen Europa, die ihre Arbeit sonst kaum im Westen präsentieren könnten. Ein Stück wichtiger europäischer filmischer Identität bliebe dann unentdeckt.

Mit diesem Ansatz aus Filmpräsentation, Dialogveranstaltungen und einem umfangreichen Rahmenprogramm erreichte goEast schnell ein interessiertes Publikum. Das Festival wuchs zu einem kulturellen Highlight in der Region und hat sich als wichtiges Filmforum national und international etabliert und macht auch außerhalb der Festivalzeit auf sich aufmerksam. Am Petersburger Dialog im Herbst 2007 in Wiesbaden beteiligte sich das Festival mit einem Forum „Deutsch-russsische Koproduktionen" und der Filmreihe „Neues russisches Kino". Das Forum führte zur Gründung einer Interessensgruppe, deren deutsche und russische Teilnehmer sich gezielt für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für gemeinsame Produktionen beider Länder einsetzen wollen. Eine weitere Initiative von goEast ist SEEDOX.org. Die Internetplattform, die im vergangenen Jahr online ging, analysiert Vergangenheit und Gegenwart des südosteuropäischen Dokumentarfilms und fördert die Vernetzung von Filmschaffenden in der Region.

Vom 09. bis 15. April 2008 fand nun also das achte goEast-Filmfestival statt und auch in diesem Jahr gelang es wieder ein zahlreiches Publikum für das aktuelle Filmschaffen in Mittel- und Osteuropa zu begeistern. Die kulturhistorisch bedeutsame Kurstadt Wiesbaden hat sich als herausragende Gastgeberin für die osteuropäische Filmszene erwiesen und zählt goEast längst zu seinen kulturellen Höhepunkten. Die Stadt Wiesbaden und die Hessische Landesregierung gehören zu den wichtigsten Förderern des Festivals. Die Caligari FilmBühne, einer der schönsten Kinosäle Deutschlands, trägt zur besonderen Atmosphäre bei.

Die finanzielle Unterstützung durch eine Vielzahl von Förderern und Partnern zeigt, dass die Idee eines Festivals mit mittel- und osteuropäischer Ausrichtung im Westen Deutschlands Nährboden gefunden hat. So wächst das Festival mit dem Filmschaffen im östlichen Europa und hatte in diesem Jahr herausragende Neuerungen im Programm. Zum ersten Mal wurde eine Auswahl des Wiesbadener Programms in Frankfurt im Kino im Deutschen Filmmuseum gezeigt. Der Spielfilmwettbewerb, ein Teil der Hommage und ein Beitrag der Schulfilmtage erreichen damit ein noch bereiteres Publikum.