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GRIP 38

Skripts visuell ausbalancieren

Die Trainingsangebote für Autoren des europäischen MEDIA-Programms

Von Andrea Greul*

1991 gab Brüssel den Startschuss für das MEDIA-Programm. Mit dem Ziel, den Nährboden für eine starke Filmlandschaft in Europa zu kultivieren, stellte MEDIA der europäischen Medienindustrie verschiedene Fördermaßnahmen in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb und Marketing von europäischen Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen sowie multimedialen Projekten zur Verfügung. Ein wesentlicher Aspekt war von vornherein die Professionalisierung und Vernetzung von Medienschaffenden in ganz Europa, die durch ein weit gefächertes Angebot an teilsubventionierten, erstklassigen Trainingsmaßnahmen forciert worden ist.

Anfang vorigen Jahres ist MEDIA unter dem Namen MEDIA 2007 (2007-2013) in die vierte Runde gegangen. Der Bereich Training wird auch weiterhin eine wesentliche Rolle bei MEDIA spielen und bietet durch die Verknüpfung von Trainingsinitiativen, Teilnehmern und Dozenten eine optimale Möglichkeit, die Branche europaweit durch Synergieeffekte noch stärker zusammenzuführen. Da MEDIA mit seinen Förderungen primär auf Firmen, Unternehmen und Organisationen der AV-Industrie abzielt, wird das Programm durch den Bereich Training auch für Medienschaffende interessant, die sich individuell weiterbilden möchten.

Mit einem breiten Spektrum an Kurz- und Langzeitseminaren und Masterclasses in den drei inhaltlichen Kategorien Produktion/Management, Neue Technologien und Stoffentwicklung wendet sich das Angebot der geförderten Initiativen in ganz Europa zum Beispiel an Produzenten, Verleiher, Kinobetreiber, aber eben auch an „Kreative" wie Autoren und – in einigen Fällen – Regisseure und Kameraleute.

Unabhängig von der inhaltlichen Ausrichtung richten sich die meisten Seminare an Teilnehmer mit einem entwicklungsfähigen Projekt, das dann innerhalb des Kurses, meist in kleinen Arbeitsgruppen, oder im Anschluß an das Seminar oder zwischen den Kurseinheiten weiter entwickelt werden kann. Doch auch Interessenten ohne Projekt wie etwa Dramaturgen oder Redakteure können als Gasthörer an den meisten Veranstaltungen teilnehmen.

An dieser Stelle sollen die MEDIA-Initiativen speziell aus dem Bereich der Stoffentwicklung vorgestellt werden, die auf die verschiedenen Bedürfnisse und Anforderungen von Autoren abgestimmt sind.

Autoren mit einem Spielfilmstoff, die wissen möchten, ob ihre Geschichte auch kameratauglich ist, bietet das polnische Programm "Ekran" der Andrzej Wajda Master School of Film Directing die Möglichkeit, dies gemeinsam in Teams mit Regisseuren und Kameraleuten auszuprobieren. Die Drehbuchprojekte der Teilnehmer werden mit der Hilfe von internationalen Tutoren wie unter anderem Alexander Sokurov, Volker Schloendorff oder Andrzej Wajda in drei über das Jahr verteilten Einheiten von circa zwei Wochen überarbeitet, und die Schlüsselzenen aus den Büchern werden probeweise mit einem kleinen Ensemble professioneller Schauspieler inszeniert. Eine praktische Möglichkeit für Autoren, die Charaktere und Story nicht nur dramaturgisch, sondern auch visuell auszubalancieren.

Autoren, von denen bereits ein Stoff für's Kino verfilmt worden ist, sind eingeladen, sich bei der französischen Initiative "éQuinoxe" mit einem neuen Vorhaben für eine Woche Intensivworkshop zu bewerben, um hier in konzentrierter und exklusiver Atmosphäre ihrem Skript den letzten Schliff für die Leinwand zu geben.

Die Liste der Tutoren ist ebenso lang wie prominent und reicht von Alain Berliner über Agnieszka Holland bis hin zu Sydney Pollack. Teilgenommen haben hier beispielsweise schon die deutsche Autorin Ruth Thoma mit dem Projekt „Erbsen auf halb sechs" und auch der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky mit seinem Oscar-gekrönten Volltreffer „Die Fälscher".

Autoren, die an einer Geschichte für ein junges Publikum beschäftigt sind, sind bei der Initiative "Pygmalion Plus" in guten Händen. Hinter dieser Initiative für die Entwicklung von Kinder-, Familien- und Jugendstoffen stehen fünf europäische Initiativen (neben anderen die Berliner Primehouse), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Autoren in enger Zusammenarbeit mit Regisseuren und Produzenten bei der Entwicklung sämtlicher Formate für den europäischen Familien- und Jugendmarkt zu unterstützen. Auch Stoffe, die für interaktive Jugendmedien aufbereitet werden, können hier eingereicht werden.

Eine kompaktes Development-Programm bietet die italienische Scuola Holden mit "Script & Pitch" an. In vier intensiven Sessions, die über das Jahr verteilt stattfinden, entwickeln die Autoren die eingereichten Stoffe von der Idee bis zur präsentationsreifen Step-Outline oder zum ersten Drehbuchentwurf.

Der Klassiker unter den geförderten Programmen dürften die Script Development Workshops von "Sources2" sein, eine Kombination aus einem siebentägigen Stoffentwicklungs-Workshop und tutorenbetreuter Überarbeitungsphase. Neben Autoren können sich hier ebenfalls Teams aus Autoren, Produzenten und Regisseuren mit einem Spiel- oder Dokumentarfilm bewerben. Darüber hinaus bietet "Sources2" mit der dreitägigen Fortbildung „Projects and Process DOC" ein Mentorenausbildungsprogramm im Bereich des europäischen Dokumentarfilms an.

Wie gesagt, dieser spezielle Überblick zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtkatalog der MEDIA-geförderten Trainingsinitiativen, die sich über das gesamte MEDIA-Europa verteilen, das mittlerweile 32 Mitgliedsstaaten umfasst. Doch unabhängig davon, ob die Entscheidung für ein mehrmonatiges Programm oder für einen Intensiv-Workshop ausfällt, in jedem Fall erwartet die Teilnehmer - neben der hochqualifizierten, individuellen Betreuung durch internationale Experten - eine Plattform, die es ermöglicht, sich mit Kollegen und potentiellen Partnern aus vielen europäischen Ländern auszutauschen und zu vernetzen und so ein sicheres und effektives Gespür für den internationalen Markt zu bekommen.

*Andrea Greul ist Beauftragte von MEDIA Desk Deutschland