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Reifeprüfung

Zum ersten Mal fand im März das Festival "Lichter/Filmtage Frankfurt" statt – eine Werkschau regionalen Filmschaffens

Von Daniel Güthert

Experiment geglückt. Auf diesen Nenner bringt Stephan Limbach sein Resumée zum Frankfurter Filmfest "Lichter", das er zusammen mit Mark Liedtke, Cordula Mack, Alexander Dumitran und Festivalleiter Gregor Maria Schubert aus der Taufe gehoben hat, um der regionalen Filmszene wieder eine Plattform für Ihre Arbeiten zu bieten.

Jahrelang hatte die Frankfurter Filmschau als Forum heimischer Filmemacher einen festen Platz im Kulturkalender der Stadt, bis 2002 ein Trio junger Filmleute (Sascha Linse, Thomas Draschan und Olaf Möller) den Versuch unternahm, die Filmschau zu einem internationalen Festival auszuweiten. Die Resonanz bei Publikum und Presse war durchweg positiv, finanziell geriet das Unternehmen indes zum Fiasko. Versuche, das Festival in den Folgejahren zu reanimieren, blieben erfolglos.

Vier Jahre dauerte es schließlich, bis Sascha Linse – diesmal im Alleingang – die Mittel (600.000 Euro) zusammenhatte, um eine Neuauflage des Internationalen Filmfestivals zu wagen. Der Zuspruch 2006 war allerdings verhalten; die Presse blieb reserviert. Vor allem hatte sich Sascha Linse abermals finanziell überhoben. Der Hauptsponsor KPMG zog sich zurück, und alternative Geldgeber waren nicht in Sicht, so daß an eine Fortsetzung 2007 nicht zu denken war. Wieder war Frankfurt ohne ein Schaufenster hiesigen Filmschaffens.

So entschloß sich das Team um Schubert im Herbst 2007 zu dem Experiment "Lichter". Ausgestattet lediglich mit einer ordentlichen Portion Enthusiasmus, ein paar Eigenmitteln und der Grundidee machten sich die Initiatoren auf die Suche nach Partnern, Sponsoren und guten Filmen aus der Rhein-Main-Region. Über 140 Titel wurden in der Folgezeit gesichtet - Langfilme, Kurzfilme, Dokumentarisches. "Wir wollten für die vier Tage wirklich die stärksten Produktionen der letzten zwei Jahre präsentieren", so Limbach.

Trotz der knappen Vorlaufzeit konnten genügend Geldgeber gewonnen werden, um den Etat von bald 120.000 Euro stemmen zu können. Erfreulich sei gewesen, so Schubert, daß sich neben den privaten Sponsoren auch Stadt und Land an dem Vorhaben beteiligten. "Das sind positive Signale, die uns auch für die Zukunft zuversichtlich stimmen." Erheblichen Rückenwind spürten die Festivalmacher insbesondere durch den Erfolg des von Limbach produzierten WM-Handballfilms "Projekt Gold" (130.000 Kinobesucher). Dadurch seien, so Limbachs Eindruck, deutlich mehr Türen geöffnet gewesen als sonst üblich.

Wer sich auch nur an einem der vier Festivaltage unter das Publikum gemischt hat, konnte erleben, wie gut die verschiedenen Sektionen besucht waren. 3.300 Besucher zählte das Festival insgesamt, was laut Festivalleitung einer Auslastung von über 75% entsprach. Allenthalben gelobt wurde zudem die hervorragende Atmosphäre, die zum Greifen spürbar war. Hierbei habe sich, wie Limbach betont, die Zusammenarbeit mit dem AtelierFrankfurt als ausgesprochener Glücksgriff erwiesen. "Die Räumlichkeiten boten ideale Voraussetzungen, um die Vielfältigkeit des Programms abdecken zu können." Denn neben den beiden Hauptreihen, dem Langfilm- und Kurzfilmwettbewerb, fanden etliche Nebensektionen statt, für die das AtelierFrankfurt, im ehemaligen Polizeipräsidium gelegen, ausreichend Abspielstätten bereit hielt und zudem noch Platz bot für ein Festival-Café, das als Kommunikationsort und Branchentreff hoch in der Gunst der Teilnehmer stand.

Höhepunkt der "Lichter"-Filmtage war schließlich die Vergabe der Wettbewerbspreise, die noch für eine faustdicke Überraschung sorgte. Denn in der Kategorie Langfilm überging die Jury die gesamte Garde renommierter Titel wie "Madonnen" von Maria Speth, "Full Metal Village" (Sung-Hung Cho) oder "Die Aufschneider" von Carsten Strauch, um den mit 4.000 Euro dotierten Preis statt dessen der Low-Budget-Produktion "Video Kings" (Regie Daniel Acht, Ali Eckert) zuzuerkennen. In der Kategorie Kurzfilm hingegen fand die Auswahl einhelligen Beifall: der Preis ging an den großartigen Animationsfilm "Der Jäger und der Bär" von Joachim Brandenburg, entstanden an der Fachhochschule Wiesbaden. Ein Film, der, wie es in der Jurybegründung hieß, "durch außergewöhnliche Ästhetik, durch seine wunderbaren Figuren und die meditative Musik besticht". Mit einer lobenden Erwähnung wurde schließlich noch der Dokumentarfilm "Mein Leben als Terrorist" (Regie Alexander Oey) gewürdigt.

Und wie wird es weitergehen mit den "Lichter"-Filmtagen? "Der große Zuspruch, den wir für unsere Premiere erfahren haben, bestärkt uns natürlich weiterzumachen", versichert Schubert. "Aber wir müssen auch das Produktionsaufkommen 2008 abwarten, ob ausreichend Potential in geeigneter Qualität zur Verfügung steht, um eine Neuauflage 2009 zu rechtfertigen." Aber wie auch immer - an dem Standort im Künstlerhaus AtelierFrankfurt will das Team jedenfalls festhalten. Aber vielleicht ergibt sich ja doch eine Perspektive mit einem Frankfurter Kinobetreiber. Denn dadurch würde das Festival sicher noch aufgewertet.