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GRIP 38

Mit dem Segen der Kirche

TV-Krimiautor Matthias Herbert zu Gast beim Jour Fixe im Filmhaus Frankfurt

Von Daniel Güthert

Der erste Jour Fixe im neuen Jahr, Ende Januar, weckte gleich in doppelter Hinsicht reges Publikumsinteresse. Erstens war es eine Premiere, fand der Jour Fixe doch erstmalig in den neuen Räumen des Filmhauses an der Ostbahnhofstraße statt. Und zum anderen war ein Autor geladen, der wie kein Zweiter das Geschäft des Serienkrimis aus dem Effeff kennt.

Mit über 200 Drehbüchern ist Matthias Herbert einer der erfolgreichsten Stofflieferanten für Polizeiserien, sei es am Vorabend, sei es zur Primetime. Gefragt bei den Kommerziellen Sendern ebenso wie bei ZDF und ARD. Zu seiner Referenzliste gehören hierbei Erfolgsserien wie "Ein Fall für zwei" (ZDF), "Doppelter Einsatz" (RTL), "Cobra 11" (RTL), "Schwarz greift ein" oder seit 2002 "Die Rettungsflieger" für das ZDF.

Ein Drehbuchseminar der Bertelsmann-Stiftung habe ihm, der sich nach einigen Jahren als Polizeibeamter im Schreiben von Krimis versuchte, 1989 die Tür zum Fernsehen geöffnet: er bekam die Möglichkeit, einige Episoden für den ZDF-Klassiker "Ein Fall für Zwei" zu verfassen. 1994 folgte dann die Chance, sogar eine Reihe zu entwickeln. Für Sat1 sollte er das Konzept einer kirchlichen Spielserie erarbeiten, und herausgekommen ist ein Motiv à la Pater Brown, verlegt ins Frankfurter Bahnhofsviertel: "Schwarz greift ein". In 40 Folgen löste Pfarrer Henning Schwarz, verkörpert von dem 2000 verstorbenen Klaus Wennemann, Kriminalfälle im Frankfurter Milieu auf eigenwillige Weise. Stets mit dem Segen aber der katholischen Kirche, die als Kontrollinstanz die Filme damals mit abnahm.

"Ein unglaublicher Quotenhit", wie sich Herbert erinnert. Bis zu sechs Millionen Zuschauer habe man damals erreicht mit einem Marktanteil von fast 30 Prozent - eine utopische Zahl, aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Diese Zeiten seien, so Herbert, für Krimis schon deshalb vorbei, da sich mit "Container-Schlachten" und Talkshows höhere Einschaltquoten zu ungleich geringeren Produktionskosten erzielen ließen. Gut 200 Stunden Fiktionalprogramm seien allein durch die Quizsendung von Jörg Pilawa in der ARD verlorengegangen.

Daraus hat Herbert, wie er erzählt, schon frühzeitig die Konsequenz gezogen: So habe er sich im Laufe der Jahre zunehmend auf übergeordnete, konzeptionelle Aufgaben des Schreibens verlegt. Mit seiner Firma "Mord und Totschlag", 1997 gegründet, kümmert er sich inzwischen zu etwa der Hälfte seiner Arbeitszeit um Stoffentwicklung, um Scriptdoctoring, dramaturgische Beratung oder die Betreuung von Autoren innerhalb eines Serienteams. Es fallen Stichworte wie Headwriting, Serienbibel, Beziehungsmatrix der Figuren. Aufgaben, denen bei der Entwicklung von langlaufenden Serien ein zentraler Stellenwert zufällt. So ist unter Federführung seiner Firma zuletzt die Staffel "Soko Rhein-Main" (ZDF) mit 20 Folgen entstanden.

Handwerklich habe sich dagegen kaum etwas verändert. Natürlich würden die Geschichten heute temporeicher erzählt als vor 20 Jahren, mit mehr Action und mehr Handlungssträngen. Aber davon abgesehen, müsse noch immer die Story überzeugen und gut erzählt sein. Zugenommen habe allerdings die Rücksichtnahme auf die Political Correctness. Auch Gewalt und Brutalität seien heute deutlich weniger anzutreffen, da gerade die privaten Sender für ihre Werbeschaltungen auf niedrige Altersfreigaben Wert legten. Zudem gebe es regelrechte Tabuthemen wie beispielsweise Kindesmißbrauch, und zwar aus einfachem Grund: "Droht die Sorge, daß im Umfeld eines Programms keine Werbung lanciert wird, ist das entsprechende Programm von vornherein tot, egal, wie gut das Skript auch sein mag."

Schließlich gab Herbert in der lockeren Gesprächsrunde des Abends, die Filmhaus-Geschäftsführer Ralph Förg leitete, noch einige spezielle Erfahrungen mit Regisseuren und Darstellern zum Besten. In ihrer "Einfallslust" neigten Regisseure gern dazu, sich auch vom Drehbuch zu entfernen – nicht immer allerdings zum Vorteil des Films. Wetten könne er auch darauf, daß Schauspieler Sätze als nicht sprechbar kritisierten. So würden die Sätze dann am Set spontan umgebaut, mit der Folge, daß Bezüge zu früheren oder späteren Szenen schlichtweg übersehen würden. Wünschen würde er sich gleichwohl, wenn die Regisseure mit Ihrer Arbeit mehr das Buch unterstützten, wie er es etwa in der Zusammenarbeit mit Carlo Rola bei "Rosa Roth" (ZDF, 1994) erfahren habe. Aber das sei eher die Ausnahme.

Anders als andere Autoren legt Herbert trotz allem keinen Wert darauf, die Dreharbeiten auch persönlich zu verfolgen, am Drehort verfügbar zu sein. "Mit Abgabe des Buches ist meine Arbeit erledigt. Meist warten dann schon wieder neue Projekte auf mich."