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GRIP 38

Ein vierteljahrhundert Aufbauarbeit

Die Landkarte des Kinos - seit 25 Jahren engagiert sich das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) für die Vermittlung von Filmen aus der Dritten Welt

Von Daniel Güthert

Afrika im Kino, wenn es das überhaupt noch gibt, erlebt man derzeit allenfalls als Betroffenheitskitsch aus der Perspektive deutscher Jungmädchenseelen à la "Die weisse Massai" oder "Nirgendwo in Afrika". Weißgespülte Abziehbilder eines Kontinents, der auf der Leinwand ansonsten kaum eine Rolle mehr spielt. Und sehr viel besser schneiden auch die übrigen Länder der Dritten Welt nicht ab.

Wenn immerhin in den 80er und 90er Jahren der eine oder andere Titel aus der Dritten Welt die hiesigen Kinosäle erreichte, dann dank einer Handvoll kleinerer Verleiher, die - wie etwa Pandora, Pegasos oder Arsenal - auch den Blick in ferne Lebenswelten wagten. So konnte man wenigstens ab und an einige der herausragenden Filme der südlichen Hemisphäre kennenlernen, wie etwa "Ceddo" des großen senegalesischen Altmeisters Ousmane Sembène, wie "Sankofa" von Haile Gerima oder Souleymane Cissés "Yelen – das Licht", wie den legendären Film "Yaaba" von Idrissa Ouédraogo, oder "La vida es silbar" (von Fernando Pérez) oder auch "Bezness" des Tunesiers Nouri Bouzid, um nur einige zu nennen.

Daß das Schaufenster kultureller Mannigfaltigkeit auch künftig nicht völlig verblaßt, dafür steht das Evangelische Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (kurz: EZEF). Das EZEF ist eine Facheinrichtung der evangelischen Kirche, finanziert zu 100 Prozent über den Evanglischen Entwicklungsdienst (EED) und verwaltungstechnisch beim GEP, dem Gemeinschaftswerk evangelischer Publizistik in Frankfurt, angeschlossen. Vor 25 Jahren gegründet, hat sich das EZEF zum Ziel gesetzt, so Geschäftsführer Bernd Wolpert, ein Bild aus den Ländern des Südens zu vermitteln, das durch eine innere Authentizität geprägt ist und durch die Kraft der künstlerischen Sprache.

Rund 250 Titel umfasst der Katalog angebotener Filme, darunter Spiel- und Dokumentarfilme und eine stattliche Zahl von Kurzfilmen. Ursprünglich stand allein der Bildungsauftrag im Vordergrund, das heißt der nicht-gewerbliche Einsatz von Filmen an Schulen, Vereinen und Bildungsträgern aller Art, versehen mit ausführlichen pädagogischen Begleitmaterialien, die jeweils eigens zu den Produktionen erstellt werden.

Dieser Bereich bildet auch heute noch den Schwerpunkt des EZEF-Programms, das vor vier Jahren aber um einen bescheidenen kommerziellen Part erweitert worden ist. Denn die Erfahrung zeige, so Wolpert, daß die öffentliche Wahrnehmung von Filmen eine ganz andere sei, wenn sie den Weg in die Kinos finden. So setzt sich das EZEF dafür ein, Filme auf die Leinwand zu bringen, entweder in Kooperation mit kleineren Verleihern - beispielsweise mit Kairos-Film oder Neue Visionen - oder aber auch im Alleingang.

Nur auf diese Art hatte die ergreifende Geschichte aus Afghanistan "Erde und Asche" des im französischen Exil lebenden Autors und Filmemachers Atic Rahimi eine Kinochance. Auch die 2002 entstandene Produktion des angesehenen tunesischen Regisseurs Nouri Bouzid "Puppen aus Ton" ist nur solchermaßen ins Kino gelangt - allerdings mit mäßigem Zuschauerzuspruch. "Das ist erschreckend; denn die Presse zu diesem Film war überwältigend," beklagt Wolpert.

Mehr als zwei oder drei Kopien pro Film sind freilich nicht im Einsatz. Aber im kleinen Rahmen, so Wolpert, habe man mitunter auch ganz beachtliche Zahlen erzielt, wie etwa mit dem Präsidenten-Porträt "Lumumba" (Regie Raoul Peck), für den sich kein Verleih interessierte und der im Eigenverleih des ZEF schließlich doch annähernd 10.000 Besucher verzeichnete.

Auch 2008 soll diese Politik fortgesetzt werden. So sind bereits zwei Dritte-Welt-Filme angekündigt, die mit Unterstützung des EZEF an den Kinostart gehen werden: zum einen "Memory Books – damit du mich nicht vergißt" der engagierten Filmemacherin Christa Graf und zum anderen der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm "Eisenfresser" des bengalischen Regisseurs Shaheen Dill-Riaz.

Keinen Zweifel läßt Wolpert darüber aufkommen, was er unter entwicklungsbezogener Filmarbeit versteht. "Wir wollen Filme zeigen, die auch eine Botschaft haben, die uns ermutigen sollen, die Welt mit offenen Augen zu sehen. Dabei sollten aber inhaltlicher Anspruch und ästhetische Realisierung zusammenpassen. Das kann durchaus auch auf sehr unterhaltsame, ja humorvolle Weise passieren. In jedem Fall möchten wir mit diesen Werken aber etwas von der Schönheit und dem kulturellen Reichtum dieser Welt aufzeigen."

Seit 25 Jahren leistet das EZEF in dieser Hinsicht Vorbildliches. Und man möchte wünschen und hoffen, daß nicht durch die allenthalben schwelenden Finanzsorgen diese wertvolle Initiative eines Tages zum Erliegen kommt.