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Vom Drehbuch bis vor die Linse

Von Antonia Schweers

Die Komparserie ist oft der erste Kontakt zu Dreharbeiten einer Filmproduktion. So war es auch bei Antonia Schweers, die in ihrem ersten Praktikum für die Frankfurter U5 Filmproduktion zudem einige Erfahrungen bei der Stoffentwicklung sammeln konnte.

PARTYNATION, so hieß der Film, den die U5 Filmproduktion im Frühjahr 2021 in Frankfurt endlich drehen konnte. Wegen Corona ging es genau ein Jahr später an den Start als ursprünglich geplant. Zu meinem Glück, denn dadurch erhielt ich die Chance als Betreuerin der Komparserie und als Komparsin an einem großen Filmset dabei zu sein. Ich schlüpfte zudem in die Rolle des DJ.
Mein Praktikum begann jedoch erst einmal hinter den Kulissen, im Büro der U5. Während ich Drehbücher las, Motive sichtete, die neuesten deutschen Spielfilme in eine Datenbank eintrug, an Teamsitzungen teilnahm, und auch während zahlreicher Gespräche beim Mittagessen, erfuhr ich immer mehr über die Arbeit, die sich hinter den kleinen weißen Namen im Abspann verbirgt. Mich überraschte, wie viele Drehbücher geschrieben und gelesen werden müssen, bis schließlich eine von 25 ausgearbeiteten Geschichten verfilmt wird. Vor allem auch an den kleinen Details erkennt ein erfahrener Produzent, ob er ein großartiges, fernsehreifes Drehbuch oder ein amateurhaftes, unrealistisches Skript vor sich liegen hat. Ich lernte, mit welch einem knappen Budget geplant werden muss. Eines Nachmittags kam ein Anruf vom Filmset. „Das Baby, das für eine wichtige Szene benötigt wird, darf nicht auf Corona getestet werden.“ Und nun? – Es musste ein neues Baby her! Während des Drehs ist Spontaneität und Ideenreichtum gefragt, denn sobald etwas nicht nach Plan läuft, muss die Produktion eine Alternative finden und zwar schnell.

Drehort war das Gibson auf der Zeil
In der zweiten Woche durfte ich ans Filmset. Auf der längsten Einkaufsstraße Frankfurts, der Zeil, befindet sich der berühmteste Club Frankfurts, das Gibson, der Drehort für eine Clubszene. In einer Nebenstraße der Zeil hatte die Filmcrew ihr Lager aufgebaut. Neben Wohnwagen für Schauspieler*innen gab es weitere für die Maske, die Kostüme und fürs Catering. Ein nahegelegenes Restaurant fungierte kurzfristig als Aufenthaltsort für rund 60 Kompars*innen, die später die jubelnde Menge während einiger Partyszenen im Club verkörpern sollten. Durch meine Doppelrolle als Betreuerin und Komparsin bekam ich einen Einblick in die verschiedensten Berufe an einem Filmset.
In der Tagesunterkunft angekommen hieß es erst einmal Outfitcheck. Das heißt, wir führten dem Kostümdepartment unsere mitgebrachten Klamotten vor. Hier und da bekamen wir noch eine passende Sonnenbrille, Schuhe oder ein Top dazu, die den vorgeschriebenen 2000er Lock vervollständigten sollten. Ich stöckelte in meinem Discooutfit voran durch die Innenstadt zum Gibson. Die Szene, die zuerst gedreht wurde, war eine Anschlussszene an eine bereits gefilmte Szene. Da sie am gleichen Tag, Ort und Uhrzeit spielte, wurde genau auf jedes Detail in der Ausstattung geachtet, beispielsweise ob jemand das gleiche Bier in der Hand hielt und die Haare genauso wie in der vorigen Szene lagen.

Geräuschlos in der Stille tanzen
Als es das nächste Mal „und bitte“ hieß, stand ich selbst als Komparsin vor der Kamera. Wir wurden vom Regieassistenten so platziert, dass die Disco möglichst voll besetzt wirkte. Wir sollten jubeln und Beifall klatschen, tanzen, feiern und einfach Spaß haben. Wofür wir nicht besonders viel schauspielern mussten. Die Musik wurde nur kurz angespielt, um in den Takt zu kommen. Danach mussten wir am besten geräuschlos in der Stille tanzen, damit der Dialog zwischen den Schauspieler*innen zu verstehen war. Besonders das Klatschen, Jubeln und Kreischen ohne Ton war anfangs etwas absurd. Da noch nicht geklärt war, ob die Produktion die Rechte für die Discolieder erhalten wird, war auch das Mitsingen teilweise verboten. In der nächsten Szene war ich als DJ gefragt. Der Schauspiel-DJ stand vorne am Pult, jedoch spielte er nicht wirklich die Musik ab; das durfte nun ich oben von der Galerie aus machen. Der Tag verging wie im Flug, und ich fiel abends nur noch erschöpft ins Bett. Nach zwei Wochen Film war mir klar, dass ich zurückkommen werde. Nur die Frage, ob als Kamerafrau, Regisseurin, Produzentin oder doch lieber als Schauspielerin, konnte mir mein Praktikum nicht beantworten. Am liebsten würde ich alles machen.

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