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Rising Phoenix holt die Welt ins Studio

Von Birgit Schweitzer

Im ehemaligen Telekom-Bau am Danziger Platz in Frankfurt ist der kreative Fortschritt eingezogen. Neben anderen künstlerischen Gewerken befindet sich seit Juli in der Ostparkstraße 11 das Virtual Production-Studio von Daniel Dornhöfer und Elisabeth Maus.*

Zentrum des 100 Quadratmeter großen abgedunkelten Studioraumes der jungen Produktionsfirma ist eine vier mal drei Meter große LEDWand, die aus aneinander gesteckten 50 x 50 cm-Screens besteht und sich noch erweitern lässt. Bei Filmdrehs agieren die Schauspieler*innen vor der LED-Wand, die mit virtuellen Bildern bespielt wird. Mixed Reality nennt sich diese Technik. Wie in einem Computerspiel wird die Kamerabewegung hierbei per Trackingsystem auf die virtuellen Hintergründe übertragen und mit der Bewegung der Darsteller synchronisiert, wodurch eine realistische Parallaxenverschiebung erzeugt wird. Im Film verschmelzen Vorder- und Hintergrund dann zu einer Bildeinheit. Die im Studio generierten Bildwelten müssen so nicht mehr per VFX hinterher in der Postproduktion nachbearbeitet werden, wie es beim klassischen Greenscreen-Dreh nötig ist.
Der 34-jährige Firmengründer und Filmfotograf Daniel Dornhöfer ist – ebenso wie seine Kollegin Elisabeth Maus – ein STAR WARS-Fan und Gamer. Die Serie MANDALORIAN hatte erstmals diese neue Technologie im großen Stil eingesetzt. Für Dornhöfer der Moment, zu den Pionieren in Deutschland gehören zu wollen, die auch auf diese neue Technologie setzen. Er investierte im fast sechsstelligen Bereich. Neben der LED-Wand ist das Studio mit Kameras, Lampen sowie fünf Highend-, Schnitt- und Postproduktionssystemen ausgestattet. Hochwertige Genre-Spielfilme möchte Dornhöfer dort realisieren, Science Fiction oder Historisches. Filmstudenten möchte er die Chance eröffnen, ihre Visionen umzusetzen. „Unser Fokus liegt auf dem kreativen Fortschritt, den diese Technik bietet. Ich möchte gerne dazu beitragen, dass es im deutschen Film vorangeht.“

Virtuelle Bilder im Homeoffice kreiert
Mit einem Phönix, der sich aus der Asche erhebt, spielt der Firmenname auf das durch Corona angeschlagene Filmmetier an. „Wir haben gesehen, wie krisenunsicher die Branche ist.“ Die Virtual Production sei eine Möglichkeit, coronakonform arbeiten zu können. Zum Beispiel kann die ausgebildete Mediengestalterin für Bild und Ton Elisabeth Maus im Homeoffice mit dem Game Creation Tool Unreal Engine die virtuellen Welten für die LED-Wand im Studio erzeugen.
Virtual Production bietet viele Vorteile und ist zudem eine nachhaltige Produktionsweise, denn der Innendreh vor verschiedenen Hintergründen erspart Reisen der Teammitglieder und den Transport der Technik. Es erinnert ein Stück weit an die alte Studio-Filmproduktion. Tageszeit- und wetterunabhängig können an einem einzigen Drehtag mehrere Umgebungen simuliert werden. Die bisher übliche Greenscreen- Technik, mit der übrigens bei Rising Phoenix ebenfalls gearbeitet wird, erfordert eine aufwendige Postproduktion, um über VFX die Bilder für die Hintergründe zu generieren oder auch um Fehler auszubügeln. Und im Kostümdesign ist man bezüglich der Farben Grün und Blau eingeschränkt. Auch für die Darsteller*innen ist es in einer Virtual Production-Umgebung leichter, sich in die Szene hineinzuversetzen, weil sie nicht ins Leere spielen müssen.

Webserie im Hollywood-Look
Jüngst wurde bei Rising Phoenix eine Webserie im Virtual Studio mit dem Schauspieler und Komiker Nikolai Will abgedreht. Vor einer Kulisse im Stil des Hollywoods der 30er Jahre präsentiert Wills Figur am Rand eines glamourösen Filmsets zweiminütige Anekdoten aus seinem tragischen Leben. Die Serie wird auf Serienfestivals eingereicht und soll auf Instagram und Youtube zu sehen sein. Außerdem wurden eine Märchenlesung mit Christoph Gérard Stein und Demoreels für den Schauspieler Kevin Silvergieter dort aufgenommen. Im Rhein-Main-Gebiet existieren mit Rising Phoenix inzwischen drei Studios, die auf diese innovative Technik setzen. Zunächst gab es nur die bright! Studios in Maintal, die vor allem Werbefilme produzieren. In diesem Jahr hat außerdem die Offenbacher Kommunikationsagentur CPP Studio im Messe-Atrium vorübergehend das Extended Reality Filmstudio OFF-Studios mit LED-Leinwand eingerichtet.

* Firmenbesuch möglich, siehe Seminarprogramm Frühjahr/Sommer 2022

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