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HessenFilm will regionales Filmschaffen weiter stärken

Von Bernd Jetschin

Die hessische Landesregierung hat die ungeliebte Ein-Prozent- Verzinsung bei Bürgschaftsmitteln der landeseigenen WIBank abgeschafft. Im kommenden Jahr werden die bisher vergebenen Darlehen, die über sieben Jahre verzinst werden müssen, nun als Landesmittel bereitgestellt. Die HessenFilm und Medien GmbH hat dadurch einen Förderetat zur Verfügung, der ihr flexiblere und strategische Entscheidungen ermöglicht.

Doch nicht nur der Zinswegfall dürfte die Filmbranche aufhorchen lassen. HessenFilm möchte Anfang 2022 neue Richtlinien präsentieren, die allerdings noch vom Aufsichtsrat der Förderung genehmigt werden müssen. So soll ein noch schärferer Akzent auf die Stärkung des regionalen Filmschaffens gelegt werden, zudem wird eine neue Treatment-Förderung eingeführt, und bei den Effekten ist ein modifizierter Umgang vorgesehen. Die Paketförderung für Talente soll zudem auch für etablierte Produktionsfirmen in Hessen vergeben werden können.
Zur geplanten Treatment-Förderung führt die Geschäftsführerin der HessenFilm und Medien GmbH Anna Schoeppe aus: „Der Plan ist, auch eine Art Baukastenmodell zu etablieren, wonach Fördermaßnahmen angefangen von der Treatment-Förderung über Drehbuch bis zur Produktionsvorbereitung nur einmal beantragt und entschieden werden müssen. Wir bringen hier etwas Neues und wohl auch Einzigartiges in der deutschen Förderlandschaft auf den Weg“, so Schoeppe. Hat das Gremium positiv entschieden, müssen die Antragsteller*innen die Förder-Bausteine in der jeweiligen Phase nur noch abrufen. Erst die Produktionsförderung bedarf einer neuen Entscheidung. Dieses neue Instrumentarium funktioniere allerdings nicht für alle eingereichten Projekte, sondern sei eher für zwei oder drei Projekte pro Jahr vorgesehen, die anderen werden weiterhin regulär in die Einzelförderung gehen.

Gute Balance bei den Förderungen gefordert
Die hessische Produktionswirtschaft begrüßt erst einmal den Zinswegfall und dass der HessenFilm nun ein kompletter Förderetat zur Verfügung steht. „Es ist schon sinnvoll, dass die Förderung jetzt die Hoheit hat, welche Mittel sie wo investiert“, sagt Oliver Arnold von der Frankfurter U5 Filmproduktion und einer der Sprecher der Initiative Hessen Film. Für den Standort von Bedeutung sei aber auch eine gute Balance aus Förderungen für auswärtige Produktionen, die nach Hessen kommen, und Förderungen für regional ansässige Produzenten. Es dürfe nicht vernachlässigt werden, langfristig eine funktionierende Branche im Land aufzubauen und zu etablieren.
„Es liegt künftig ein noch stärkerer Akzent auf der Stärkung der hiesigen Produktionslandschaft“, erklärt Schoeppe, „und an diesem Schwerpunkt unserer Arbeit halten wir fest.“ Schoeppe führt als Beispiel die Höchstförderung von einer Million für das Sequel MAX UND DIE WILDE 7 der Frankfurter Neopol Film an. Aber auch Produktionen, die von außen kommen, sollen in Hessen gefördert werden können wie etwa die Literaturverfilmung WAS MAN VON HIER AUS SEHEN KANN durch die Münchner Claussen & Putz Filmproduktion, da diese einen guten Regionaleffekt generiert und die Geschichte auch in der Region angesiedelt ist.

Regionaleffekte flexibler gestalten
Gerne würde die Initiative Hessen Film auch die Öffnung des Regionaleffekts erreichen, wenigstens ein Stück weit, so Arnold, vor allem für größere Produktionen, für die bisher 150 Prozent der Fördersumme wieder in Hessen ausgegeben werden müsse. „Wir sind schon sehr moderat und haben bereits eine Ausnahmeklausel, die es uns ermöglicht, den Effekt in begründeten Ausnahmefällen zu reduzieren“, so Schoeppe. Doch nun soll künftig bei den größeren Projekten der Effekt weiter gesenkt werden, bei den anderen bleibe es bei 100 Prozent. Flexibler will es die Förderung künftig mit den Drehtagen in Hessen halten. Auswärtige Produzenten, die nur kleinere Beträge beantragt haben, sollen nicht mehr unbedingt für zwei oder drei Drehtage in die Region müssen, da dies künstlerisch und auch ökologisch nicht sinnvoll sei. Sie können stattdessen den Effekt entweder in der Postproduktion oder über Teammitglieder aus Hessen erfüllen. Wenn die Politik grünes Licht gibt, wird die Filmförderung ihre Neuerungen Anfang des Jahres, spätestens zur Berlinale, präsentieren.

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