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Corona und kein Ende – Weiter schwere Zeiten für Kinos

Von Claus Wecker

Mit der vierten Welle am Ende des zweiten Coronajahres sind wieder dunkle Wolken am Horizont aufgezogen. Pandemie- Einschränkungen sind weiter an der Tagesordnung. In Hessen gilt für den Besuch der Filmtheater die 2G-Regel mit Abstand und Maskenpflicht. Kurzum die Lage der Kinos sieht für die Wintermonate, sonst die geschäftsstarke Zeit, alles andere als rosig aus.

Nach dem letzten Shutdown oder Lockdown – man weiß kaum noch zu unterscheiden – begann sich im vergangenen Sommer die Situation rund um die Kinos erst einmal wieder zu entspannen. Sie wurden am 1. Juli geöffnet, und anfangs durften nur mit großen Abständen die Sitzplätze belegt werden. Völlig zufrieden war niemand damit, denn rentabel war der Spielbetrieb auf diese Weise nicht. Aber die Vorstellungen wurden besucht und das Angebot war groß. Jeden Donnerstag wurde der Start von zwanzig und mehr Titeln angekündigt, für die es außerhalb von Berlin bei weitem nicht genügend Kinos gab. In Frankfurt waren im vergangenen Jahr zwei Kinos geschlossen worden. Harald Metz meldete im Januar Insolvenz an. Er sah für sich in der Branche keine Zukunft mehr und erklärte, dass er das Berger Kino in Bornheim nicht mehr öffnen werde. Danach gab die Familie Jäger das Eldorado in der Schäfergasse auf, und als wir noch um das älteste, bis dahin existierende Frankfurter Kino trauerten, wurde bekannt, dass Christopher Bausch, der das Harmonie- Kino am Lokalbahnhof und das Cinéma an der Hauptwache vor Jahren von Harald Vogel übernommen hatte, nun auch das Eldorado betreiben werde. Ich habe ihn daraufhin auf seinen Mut angesprochen. Er antwortete gelassen, die Menschen warteten sehnsüchtig auf das Ende des Lockdowns und bei dem zu erwartenden, großen Filmangebot könne er einen zusätzlichen Saal gut gebrauchen. Auch darin, dass es sich beim Eldorado um eine Spielstätte mit nur einem Saal handele, sehe er kein Problem. Das war im Mai 2021.

Nur 60 bis 70 Prozent Platzauslastung
Bis Mitte November hat Bausch Recht behalten, denn alle seine Filmtheater liefen wieder gut. Die Abstände im Publikum waren wieder kleiner geworden. Jeweils ein freier Sitz neben Gruppen und Einzelpersonen, weshalb er auch keine genaue Platzausnutzung angeben kann. So 60 bis 75 Prozent Auslastung schätzt er für seine Häuser. Das deckt sich mit den Angaben von Gunter Deller, der zusammen mit Ariane Hofmann das Mal Seh‘n Kino im Nordend betreibt. Hier können von 80 Plätzen bis zu 60 belegt werden. Die Einführung von 2G Anfang Oktober wurde nicht von allen begrüßt. Das Mal Seh‘n sei doch auch ein Ort der Auseinandersetzung und könne nicht einfach 25 Prozent seines Publikums aussperren, wurde argumentiert. Doch auf der anderen Seite herrsche, seitdem sich das Kino und das angeschlossene Café für die 2G-Regel entschieden haben, wieder Leben in dem Lokal. Die Gäste fühlten sich wieder sicherer.
Für die beiden Frankfurter CineStar-Kinos, Metropolis und das Cine- Star an der Mainzer Landstraße, gilt seit Dezember ebenfalls 2G wie für alle Kinos in Hessen mit Abstand und Maskenpflicht am Platz, was die Besucherzahlen wieder deutlich verringert hat. Der stellvertretende Kinoleiter Eduard Drahomeretski meint, dass sich vor allem die Interessenten für Direktübertragungen aus renommierten Opernhäusern um ihre Gesundheit sorgen. Bausch, der solche Übertragungen auch anbietet, betont, dass bisher noch keine Ansteckung in einem Kino bekannt geworden sei.

Abstandsregeln über Platzkarten steuern
Zum Corona-Konzept der Lichtspielhäuser gehört auch, dass die freie Platzwahl generell abgeschafft worden ist. Denn nur mit Platzkarten lässt sich eine Belegung mit Abständen steuern. Eine Ausnahme macht jedoch das Kino im Filmmuseum am Sachsenhäuser Mainufer. Hier sind, um das Einhalten der Abstandsregel zu gewährleisten, nur wenige Sitzplätze freigegeben, was vom Personal streng kontrolliert wird. Für Museum und Kino gilt die 2G-Regel. Finanziell sind die Häuser in der Pandemie bislang offenbar über die Runden gekommen, dafür sorgen vor allem auch die staatlichen Hilfen. Erstaunlich viele Spenden haben manche Kinos während der Monate der Schließungen erhalten. Deller war überrascht, dass nicht nur Gutscheine während des Lockdowns gekauft wurden, sondern recht ansehnliche Beträge gespendet wurden. Die Gutscheine werden jetzt wieder eingelöst und schmälern den Ertrag ein wenig. Trotz der erneut schwierigen Wintermonate stimmt es zumindest zuversichtlich, dass auch ein Kino wie das Mal Seh‘n von Filmbegeisterten für unverzichtbar gehalten wird.

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