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Was lange dauert, wird halbwegs gut

Was lange dauert, wird halbwegs gut
Von Alexander Mühlenburg

Die Produzentenallianz hat sich Anfang Mai 2021 mit der Film- Union in ver.di und dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der am 1. September 2021 mit einer Laufzeit von 24 Monaten in Kraft tritt. Heraus kamen ein wenig mehr Verbindlichkeit und eine neue Clearingstelle.

Ver.di und BFFS forderten in den Tarifverhandlungen unter anderem Verbesserungen bei der wöchentlichen Anzahl der Arbeitstage, Freizeitphasen während der Dreharbeiten und eine Erhöhung der Zuschläge bei der Arbeit am Wochenende. Die Produzentenallianz verlangte indes, dass sich im Jahr 2021 nichts an den Tarifverträgen ändern und der Gagen- und Manteltarifvertrag einem Moratorium unterliegen solle. Bei Letzterem hatte sich ver.di kompromissbereit gezeigt, wenn die Arbeitszeitverbesserungen verhandelt würden. Die Produzentenallianz mauerte jedoch weiter. Aus der Sicht ihres Geschäftsführers Christoph Palmer war die Ausgangslage für die Tarifverhandlungen aufgrund der Covid-19-Pandemie sehr schwierig: „Zwar wirken die Schutzschirme der Sender und die Aus¬fallfonds I (Kino) und II (Fernsehen) unterstützend für die Branche, viele Kosten bleiben allerdings an den Produktionsbetrieben hängen.“

Mehr Ruhetage
Überraschend kam es nach knapp sechs Monaten für die rund 25.000 Filmschaffenden doch zu einem Tarifabschluss: In Drehzeiten müssen mindestens zweimal je Monat zwei zusammenhängende Ruhetage gewährt werden, bei längeren Produktionen mit mehr als 40 Tagen Drehzeit ab dem zweiten Monat dreimal zwei zusam¬menhängende Ruhetage. Nach einem Nachtdreh ins Wochenende schließt sich ab Ende des Drehtages mindestens zweimal monatlich eine Ruhezeit von 48 Stunden plus 11 Stunden an.
Bei der Arbeit am Wochenende gilt ab September ein genereller Zuschlag von 25 Prozent. Der bestehende Sonntagszuschlag wird von 50 auf 75 Prozent angehoben. Zur Klärung von Unstimmigkeiten bei der Auslegung des Tarifwerkes wird eine Clearingstelle eingerichtet, die von beiden Seiten der Tarifparteien insbesondere bei extremen Ausnahmefällen angerufen werden kann.

„Wir sind damit zu einem für alle Seiten akzeptablen Kompromiss gelangt, der Verlässlichkeit in unsichere Zeiten bringt“, erklärte Christoph Palmer. Auch ver.di zeigt sich vorerst zufrieden: „Mehr zusammenhängende Ruhetage und höhere Zuschläge zum Schutz des Wochenendes tragen auch zu einer besseren Vereinbarung von Beruf und Familie bei“, erklärt Anja Willmann vom Frankfurter connexx.av-Büro, dem ver.di-Netzwerk für Medienschaffende.
Unschön aus Sicht der Filmschaffenden ist sicherlich, dass über eine Erhöhung der Gagen erst ab September verhandelt wird, aber alles in allem ist der von den Tarifkommissionen bereits abgesegnete Vertrag ein Schritt in die richtige Richtung.

Veröffentlicht in GRIP 63 – Zeitschrift des Filmhaus Frankfurt. Erschienen am 14.07.2021

GRIP 63 Titel