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Im Westen eine Neue – ein virtueller Besuch in Höchst

Im Westen eine Neue – ein virtueller Besuch in Höchst
Von Claus Wecker

Sabine Imhof hat Anfang dieses Jahres die Leitung des Filmforum Höchst übernommen. Das Filmtheater ist das einzig verbliebene stadteigene Kommunale Kino, unter dem Dach der VHS. Als Kinomacherin ist Imhof erprobt, denn sie hat das Programm des Filmtheaters im Westen Frankfurts in den letzten 13 Jahren mitgeprägt.

Wenn man an das Foyer des Neuen Theater Höchst denkt, die Treppe zum lauschigen Kinosaal hinaufsteigt, meint man sich in die 1960er und 1970er Jahre zurückversetzt und den Geist des nicht kommerziellen Kinobetriebes jener Zeit zu spuren. Hier sind anscheinend immer noch Enthusiasten am Werk, die sich dem künstlerisch wertvollen Film, wie es damals hieß, verschrieben haben. Die Historie des Filmforums bestätigt diese Annahme, es ging aus der Kommunalen-Kino-Bewegung der frühen 1970er Jahre hervor und wurde von einem Kollektiv gegründet. Doch prägte der langjährige Vorgänger Imhofs, der filmbegeisterte Klaus-Peter Roth, mit seiner Vorliebe für die romanischen Kulturen, insbesondere die lateinamerikanischen, die französische und italienische, das Programmangebot ganz wesentlich. Er schenkte uns Filmnerds Cuba im Film und weitere Länderfilmfestivals, an denen er beharrlich festhielt. Und die alltäglichen Wochenprogramme waren zumeist unter einem bestimmten Thema zusammengestellt.

Zur Person
Das alles mochte Sabine Imhof beibehalten, so sagt sie im coronabedingt virtuell geführten Gespräch. Sie stammt aus dem Team des Filmforums und ist insofern keine völlig Neue. Für die Leitung des Kinos qualifiziert sie sich nicht nur durch ihr abgeschlossenes filmwissenschaftliches Studium an der Mainzer Gutenberg-Universität, sondern auch durch ihre Erfahrungen als Filmvorführerin in mehreren Frankfurter Kinos, Mitarbeiterin bei Festivals und als ausgebildete Fotografin. Ihre Vita zeugt von einem weiten Erfahrungsschatz, auch als Vortragende zur Filmhistorie. Und sie versteht es, mit ihrer ungekünstelten, offenen Art für sich einzunehmen. Als umtriebige Vorständin des Film- und Kinobüros Hessen hat Imhof auch einen guten Überblick über den Stand der Dinge in der Kinobranche. Vom Publikum erhalte sie großen Zuspruch, besonders und notgedrungen im Netz, so groß, dass es sich lohne, weiterzumachen und auch bei Altbewahrtem zu bleiben. Gerade brütet sie über dem kommenden Monatsprogramm. Dank der niedrigen Inzidenzen in der Stadt öffnen die Frankfurter Kinos zum 1. Juli, natürlich unter den strengen Hygieneauflagen. „Ich war auch dafür, dass die Frankfurter Kinos alle gemeinsam öffnen. Wir haben uns während der Pandemie regelmäßig getroffen und dies gemeinsam abgestimmt. So soll es auch weitergehen, ich bin solidarisch mit allen anderen Kinos in der Stadt“, betont Imhof.

Was bevorsteht
Doch wird es einige Veränderungen in der Jahresplanung geben. So wird die 26. Ausgabe von Cuba im Film, dem vielleicht wichtigsten Projekt des Kinos, in den Oktober verschoben. Im Mittelpunkt einer Retro soll die Komödie ERDBEER UND SCHOKOLADE stehen, die mit ihrer gekonnt verpackten humanistischen Botschaft das Kinopublikum begeisterte. Tomas Gutierrez Aleas Meisterstück gewann auf der Berlinale 1994 den Spezialpreis der Jury, und es wurde auch mit einer Oscarnominierung bedacht. Alea war bereits seit 1966 berühmt und nicht nur in Cuba geschätzt, weil er sich mit DER TOD DES BUROKRATEN über die sozialistische Bürokratie lustig gemacht und dabei Harold Lloyds berühmten Stunt am Zeiger einer großen Uhr zitiert hatte. Sabine Imhof will es allerdings nicht bei der cineastischen Traditionspflege belassen. Ihr schwebt eine größere Aufmerksamkeit durch die Nutzung digitaler Raume im Internet vor, etwa mit hybriden Filmgesprächen. Dass sie bei den Schulkinowochen mitgearbeitet hat, kann bei ihren medienpädagogischen Planen nur hilfreich sein. Etwa, wenn sie mit den Schulen in Höchst zusammenarbeiten will. „Jugendliche aus Schulen konnten einen Film vorstellen.“ Die Kommunikation über Filme sollte aber nicht auf junge Leute beschränkt bleiben. „Uber Filme zu sprechen, wäre für mich etwas ganz Normales für ein Kommunales Kino“, sagt Imhof, die eben auch Erfahrungen im Kunstverein EULENGASSE, einem Ausstellungs- und Kommunikationsraum, gesammelt hat. Sie will damit zu den Ursprüngen zurückkehren, die zurzeit nur noch in Sonderveranstaltungen gepflegt werden.

Veröffentlicht in GRIP 63 – Zeitschrift des Filmhaus Frankfurt. Erschienen am 14.07.2021

GRIP 63 Titel