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Hilfe für die Entfaltung der hiesigen Filmkulturlandschaft

Hilfe für die Entfaltung der hiesigen Filmkulturlandschaft
Von Eva Königshofen

Svetlana Svyatskaya ist seit März 2021 Referentin des neu gegründeten Fachreferats für Film, visuelle Medien und Digitalisierung des Frankfurter Kulturdezernats. Im Interview spricht die studierte Filmwissenschaftlerin über die Schwerpunkte ihrer neuen Stelle und die Zukunftsperspektiven für die Frankfurter Filmkultur.

GRIP: Frau Svyatskaya, beginnen wir mit etwas Persönlichem: Wie sind Sie zum Film gekommen?

Meine erste Kinovorführung war ein amerikanischer Westernfilm, den ich mit acht oder neun Jahren im Kino gesehen habe. In Russland gab es damals keine aktuellen Filmpremieren, sondern es wurden einfach die Filmkopien gespielt, die es gab, und die habe ich mir dann angesehen. Mit der Zeit habe ich angefangen, mich für die Hintergründe zu interessieren und zu den Filmen zu recherchieren. Einige Jahre später konnte ich in der Leipziger Stadtbibliothek all die Filme auf VHS ausleihen, die ich bis dahin nur aus Büchern kannte.

Wo sehen Sie perspektivisch die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Filmreferentin?

Erst einmal sehe ich meine aktuelle Aufgabe darin, zu sammeln: Was sind die Probleme und Bedürfnisse in der Stadt und was ist die Erwartung der Branche an mich? Um dann zu schauen, wie man aus dieser Sammlung konkrete Umsetzungsideen entwickeln kann.
Dabei geht es in erster Linie darum, wie man der Entfaltung der hiesigen Filmkulturlandschaft helfen kann. Das ist das zentrale Anliegen. Ebenso wie dafür zu sorgen, dass die Vielfalt der Filmkultur Frankfurts bewahrt, ausgebaut und sichtbar gemacht wird. Eine ganz basale Maßnahme wäre zum Beispiel ein Heft mit einer Übersicht über Kinos, Festivals und ihre Schwerpunkte herauszubringen, damit nicht nur die Cineasten wissen, dass jährlich um die 20 verschiedene Filmfestivals in Frankfurt stattfinden. Derzeit arbeite ich außerdem daran, Förderrichtlinien zu entwickeln, damit die Konditionen transparent sind und auch kleinere Akteure sich einfacher bewerben können. Ein weiterer Punkt meiner Arbeit wird in der Vernetzung von Akteuren bestehen, sowohl innerhalb Frankfurts als auch, wenn nötig, über die Stadt hinaus.

Wie ist es Ihrer Meinung nach derzeit um die Förderstrukturen für Filmkultur und Festivals in Frankfurt bestellt? Wo liegen die Bedarfe?

Die städtischen Projektfördermittel für die freie Szene im Filmbereich wurden von 100.000 Euro im Jahr 2016 auf 240.000 Euro im Jahr 2020 mehr als verdoppelt, das ist eine sehr positive Tendenz und bezeugt, dass die Arbeit der filmkulturellen Szene geschätzt wird. Weitere konkrete Bedarfe stelle ich derzeit an zwei Stellen fest: Das eine ist die Debatte um faire Festivals, denn viele Mitarbeiter von Festivals arbeiten nach wie vor unter prekären Bedingungen. Man sollte das aber realistisch angehen und nicht noch weitere Hürden schaffen, indem man den Festivals Vorschreibungen macht. Dennoch hoffe ich persönlich, dass der Aspekt der fairen Vergütung nicht vergessen wird. Der andere Bedarf besteht darin, Orte zu finden, wo Festivals in den nächsten Jahren unterkommen können und zu schauen, wie eine langfristige Lösung aussehen kann. In Kürze erscheint die von der Stadt beauftragte Machbarkeitsstudie für ein Filmfestivalhaus für Frankfurt. So kann es meine Aufgabe sein, die nächsten Schritte bei der Konzeption und Umsetzung zu begleiten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Frankfurter Filmkultur?

Situationsbedingt wünsche ich mir, dass wir uns alle in Kinos wiederfinden und ausverkaufte Filmfestivalvorstellungen besuchen. Im vergangenen Jahr wurden wir alle daran erinnert, wie wichtig es ist, Kultur gemeinsam zu erleben. Kinos gehören zu den wenigen Orten, wo man diese Form der konzentrierten Wahrnehmung hat, sich in den Saal setzt, das Licht ausgeht. Deshalb wünsche ich mir, dass wir zukünftig nicht weniger, sondern mehr Orte haben, an denen wir ganz unterschiedliche Filme gemeinsam sehen und diskutieren können. Im Zuge der Pandemie ist die Lage des Films und der Kinos nochmal anders und in großer Bandbreite diskutiert worden. Nicht nur deshalb ist es eine sehr interessante Zeit, um zu beobachten, wie die Filmkultur sich entwickeln könnte. Der Abgleich mit den Bedürfnissen vor Ort, wo es nicht mehr um Theoretisches, sondern um konkrete Bedarfe geht – darum geht es. Persönlich würde ich gerne mal wieder das Rattern eines Projektors hören und einen analogen Film sehen, eine Erfahrung, die sich nicht in den virtuellen Raum übertragen lässt.

Veröffentlicht in GRIP 63 – Zeitschrift des Filmhaus Frankfurt. Erschienen am 14.07.2021

GRIP 63 Titel