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Gute Resonanz auf STEP

Gute Resonanz auf STEP
Von Bernd Jetschin

Die regionale Filmförderung HessenFilm und Medien hat im Herbst 2020 das Branchenqualifizierungs- und Weiterbildungsprogramm STEP gestartet, das sowohl Nachwuchskräfte an die Branche heranführen als auch Talenten helfen soll, sich weiterzuentwickeln. Hessen geht damit einen eigenen Weg, dem bundesweit beklagten Fachkräftemangel in der Filmbranche zu begegnen.

„Wir müssen den Fachkräftemangel am Standort angehen“, erklärte die Geschäftsführerin der Filmförderung HessenFilm Anna Schoeppe zum Start des STEP-Programms: „Denn qualitativ hochwertige und vielseitige Projekte sind auch davon abhängig, ob sie in Hessen ein professionelles Team finden.“ STEP beruht auf den drei Säulen Branchenqualifizierung, Weiterbildung und Autoren*innenstipendium. Die Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote wurden sofort angenommen, bestätigt die zuständige Referentin bei HessenFilm Christiane Zietzer, die inzwischen eher auf die Bremse treten muss, weil die Nachfrage das Budget übersteigt. Es wurden Seminare und Workshops für die Bereiche Producing, Kamera, Regie und Schauspiel angeboten, ebenfalls zur Nachhaltigkeit beim Drehen. Gemeinsam mit der Prüfgesellschaft DEKRA und in Kooperation mit dem Filmhaus Frankfurt wurden zudem erste Filmschaffende zu Hygienefachkräften ausgebildet, die in der Pandemie an den Sets gebraucht werden.
Positiv habe die Branche auf die im Rahmen von STEP geförderten Praktika reagiert. Vermittelt wurden sie für Produktionsfirmen, Tonstudios und für diverse Gewerke an den Sets wie Szenenbild, Maske und Ton. Dascha Petuchow, die gerade ihr Studium an der Hochschule Rhein-Main abschließt, hat mit zwei Kommilitonen eine Produktionsfirma gegründet. Im Rahmen von STEP konnte sie ein Praktikum bei den Dreharbeiten von Mutter mit Anke Engelke im Bereich Script und Ton absolvieren. Nun lässt sie sich von HessenFilm zu Workshopangeboten beraten, um sich für ihre ersten Projekte weiter zu professionalisieren.

Eigeninitiative wird gefördert
Der Fotograf und Werbefilmregisseur Daniel Sax aus Frankfurt hat mit mehreren Filmschaffenden aus Rhein-Main die Initiativ- Gemeinschaft COOP ins Leben gerufen. Ziel ist es, sich als Netzwerk von Filmschaffenden und über Projekte in der Gruppe weiter zu professionalisieren. Sax, der als Regisseur gerne auch im dokumentarischen oder fiktionalen Bereich arbeiten möchte, begrüßt die Weiterbildungsangebote des STEP-Programms sehr. Denn mit deren Unterstützung kann die COOP nun drei Workshops mit professionellen Filmschaffenden für ihre Mitglieder organisieren: der Locationscouterin Yvonne Wassong, dem 1st Assistant Director Andrew Hoffmann und dem Neopol-Produzenten Tonio Kellner.

Hessen in Vorreiterposition
Patrick Schaaf, Pressesprecher und Leiter für Standortentwicklung der HessenFilm, sieht die hessische Filmförderung im Bereich der Qualifizierungsmaßnahmen sogar in einer Vorreiterposition, denn es habe zahlreiche Rückmeldungen aus anderen Förderregionen gegeben: „Der Nachwuchsmangel für die Filmproduktion besteht bundesweit.“ Um die Kräfte nachhaltig am Standort zu halten, müsse das STEP-Angebot mit der Produktionsförderung Hand in Hand gehen, so Schaaf. Bei der erkennbar sehr guten Resonanz müsse dann in den nächsten Jahren fortlaufend evaluiert werden, wie nachhaltig diese Bausteine ineinandergreifen.

Stipendien
Auch für die dritte Säule des STEP-Programms, die Autoren*innenstipendien, gab es bereits zwei Förderrunden. Pro Jahr können fünf Stipendien projektunabhängig vergeben werden, um regionale Talente aus Hessen im Fach des kreativen Drehbuchschreibens zu fördern. Prioritär richten sich die Stipendien an in der Filmbranche unterrepräsentierte Gruppen. Dazu gehören vor allem Frauen, LGBTQ+, Menschen mit Migrationsgeschichte, Bewerber*innen mit Beeinträchtigung und People of Color. „Mit den Stipendien erhalten Talente aus Hessen über zehn Monate die Chance, mit Unterstützung professioneller Mentor*innen ihrer Wahl ihre Stoffideen weiterzuspinnen und dabei ihre eigene Stimme zu finden“, erklärt Zietzer. Unter den ersten Stipendiat*innen befindet sich sogar ein Autoren-Duo, das an einem dokumentarischen Stoff arbeitet. Sie seien bereits einen Schritt weiter, so Zietzer, weil sie während ihres Stipendiums auch drehen.

Veröffentlicht in GRIP 63 – Zeitschrift des Filmhaus Frankfurt. Erschienen am 14.07.2021

GRIP 63 Titel