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Open-Air-Kino in kulturarmen Zeiten

Open-Air-Kino in kulturarmen Zeiten
Aus kinoSommer Hessen wurde das SommerWanderKino
Von Erwin Heberling*

Mit der durch Corona verursachten Schließung aller Filmtheater im März war von einem Tag auf den anderen auch die Filmreihe kinoSommer Hessen mit ihren Aufführungen an ausgewählten Spielstätten in Frage gestellt. Freiluftveranstaltungen mit bis zu 250 Besucher waren hingegen noch genehmigt. Autokinos boomten und so drängte sich der Plan auf, das erst für Herbst vorgesehene Programm SommerWanderKino Hessen vorzuziehen, als Ersatz des kinoSommers. Mittels dieser Lösung konnte auf die finanzielle Förderung beider Reihen zurückgegriffen werden. Das vorhandene Budget war somit höher als sonst, was die Teilnahme von Kommunen, deren Kassen klamm waren, erleichterte und darüber hinaus erlaubte, den beteiligten Kinos einen greifbar höheren Anteil an den Einnahmen zu überlassen.

So kam unter dem neuen Namen SommerWanderKino Hessen in kurzer Zeit ein Programm mit über 40 Veranstaltungen in 23 Städten zustande. Darunter 15 Gemeinden ohne Kino, wodurch die Grundidee des Wanderkinos nachhaltig zum Tragen kam.

Quer durch die hessischen Regionen waren die Leinwände unterwegs. Bad Schwalbach im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis gab am 10. Juli den Startschuss, das nordhessische Volkmarsen am Rande des Waldecker Tafellands war am 10. Oktober die letzte Station. Und dass zehn der 23 beteiligten Kommunen aus Nordhessen waren, ist ein weiterer Erfolg dafür, strukturschwächere Regionen in solche Kulturaktionen einzubinden.

Obwohl Neustarts von Filmen im Sommer angesichts der Kinoschließungen ausblieben, gelang dennoch ein facettenreiches Repertoire. „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma, ein ausdrucksstarker, stiller Film war ein großartiges Ereignis im Ambiente des weitläufigen Schlossgartens Eichenzell. Oder der Film „Die Wolf- Gäng“ war ein besonderes Highlight, das unter dem Motto „Kino am Drehort“ stattfand. So kehrte Regisseur und Autor Tim Trageser, begleitet von etlichen Schauspielern, zu einem exklusiven Kinoabend nach Alsfeld zurück, wo der Großteil des Filmes gedreht worden war.

Was den Reiz des kinoSommers Hessen seit 2002 Jahr für Jahr ausmachte, galt nun auch für das SommerWanderKino, ganz besonders im Licht der aktuellen Pandemie: die große Kinoleinwand – hier als Open-Air-Event – bringt Menschen zusammen und sorgt für Gemeinschaftserlebnisse. In vielen Orten war es die einzige kulturelle Veranstaltung in dieser Zeit.

* Der Autor ist Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen.

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