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Ohne Buch kein Film

Ohne Buch kein Film
Das Geschäft des Drehbuchschreibens
Von Andrea Wenzek

Spätestens mit dem Einzug der Streaming- Portale aufs deutsche Endgerät ist die Arbeit von Drehbuchautor*innen stärker ins öffentliche Licht gerückt. Sie stehen am Anfang einer Kette von Kreativen, die das Filmwerk erschaffen. Der Laie mag denken, ein Drehbuch zu schreiben sei so ähnlich wie das Entwerfen eines Theaterstücks. Aber nur bedingt, denn die Szenen eines Bühnenwerks beinhalten nur die Dialoge, die Gestaltung des Werks bleibt den Regisseur*innen und Bühnenbildner*innen überlassen. Drehbuchautor*innen dagegen kennzeichnen in ihrem Filmskript auch das Erscheinungsbild der Figuren sowie die Location und Ausstattung. Auch das Licht und Wetter sowie Geräusche und Stimmen gehören dazu.

Am Anfang steht die Idee. Und wenn sich eine Idee mit immer neuen Einfällen verfestigt hat, dann ist es Zeit, sich an den Tisch zu setzen und den Grundriss der Geschichte mit einer Hauptfigur zu formen. Damit ist das Exposé gemeint. Drehbuchautor*innen klopfen damit bei Produktionsfirmen an die Tür; findet der Stoff Anklang, wird ein Vertrag geschlossen und der*die Autor*in beginnt mit dem Schreiben des Skripts.

Nach Abgabe des Buchs haben Autor*innen meist keinen Einfluss mehr auf ihr Werk. Nicht selten erkennen sie bei der Filmpremiere die von ihnen erschaffene Story und deren zielgruppengerecht geglätteten Figuren nicht wieder. Das soll sich jetzt ändern. Die Autoreninitiative „Kontrakt 18“ fordert, dass in Deutschland endlich Vertrags- und Verhaltensstandards eingeführt werden, die in anderen Ländern bereits gültig sind: Urheber müssen sämtliche Bearbeitungen des Buchs bis zur endgültigen Drehfassung autorisieren.

Hinzu kommen das Mitspracherecht bei der Besetzung von Regie und Hauptfiguren sowie Korrekturen bei der Sichtung der Rohschnittfassung. „Es geht um die Werkintegrität“, sagt Jan Herchenröder, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Drehbuchautoren (VDD). Neue vom VDD mit ARD und ZDF vereinbarte Leitlinien würden hierbei in die richtige Richtung weisen und Autoren auf Augenhöhe mit Produzent*innen und Regisseur*innen bringen.

Entlang der Lizenzketten, wie etwa der expansiven Online-Nutzung der Werke, fehle es aber weiter an Transparenz und einer angemessenen Vergütung der Autor*innen. „Nach der neuen EU-Richtlinie wird sich hier etwas verbessern müssen, nur weigern sich Sender und Produzenten beharrlich, dies umzusetzen“, so Herchenröder. „Es erfordere angeblich einen zu hohen administrativen Aufwand, Auskunft über die Nutzerzahlen zu ermitteln“.

Dies ist auch ein wichtiges Thema bei der aktuellen Anpassung des Urheberrechts an die Erfordernisse des digitalen Binnenmarkts. Außerdem lässt ein Gerichtsentscheid die Autor*innen hoffen: Anika Decker erzielte im Streit mit Til Schweiger um die Erlöse an der Verwertung ihres Drehbuchs „Keinohrhasen“ einen ersten Sieg. Sie forderte, fairer zu teilen und bekam Einblick in die Bücher: Allein das Einspielergebnis an der Kinokasse lag bei rund 70 Millionen Euro. Decker erhielt gerade einmal 50.000 Euro.

Doch wie gelingt es, eine originelle Geschichte filmisch zu erzählen? Darüber klärt die vielfach prämierte Drehbuchautorin Nicole Mosleh in ihren Drehbuchseminaren auf. Sie unterrichtet seit vielen Jahren als Gastdozentin an Hochschulen, in Fernsehanstalten und im Filmhaus Frankfurt. Drehbüchern müsse es gelingen „spannend und unterhaltsam, aber auch wahrhaftig und eigen“ zu sein, sagt Mosleh.

In ihren Schreibwerkstätten geht es auch um die Zeichnung von dreidimensionalen Charakteren. Dies wird mit dem Schreiben von Szenen geübt. Oder man lernt Dramaturgisches wie etwa die Einführung der Heldin oder des Helden zu Beginn einer Geschichte. Eine von vielen Optionen wäre, „die Hauptfigur in ihrer Routine zu zeigen. Danach kommt ein entscheidendes Ereignis, das die Routine auf den Kopf stellt und meine Figur zum Handeln zwingt“, erzählt Mosleh.

Die meisten Drehbuchautor*innen sind Quereinsteiger. Mittlerweile werden in Deutschland auch an Filmhochschulen Drehbuchstudiengänge angeboten. Mosleh hat sich nach einem Stipendiat an der Drehbuchwerkstatt München und ihrem Regiestudium am American Film Institute „mit Haut und Haaren dem filmischen Erzählen verschrieben“. In den USA kam sie mit ihrem Lieblingsgenre, dem „Kino der Angst“, in Berührung. Ganz besonders bedauert sie, dass Produktionsfirmen ihre Thriller-Ideen bisher noch nicht verwirklicht haben. Da werde in den Redaktionen der Thriller mit dem deutschen TV-Krimi verwechselt. Aber auch im Kino sei es schwierig, das Genre unterzubringen,

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