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Kino in Zeiten von Corona

Kino in Zeiten von Corona
Zum 25. Mal „Cuba im Film“ – ein ungewöhnliches Jubiläum
Von Andreas Hesse*

Die coronabedingte Verschiebung des traditionellen Maitermins auf Anfang Oktober war noch von der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen getragen. Doch sie wich bald schon einer realistischeren Planung: keine Gäste aus der Karibik, kein Konzert, dafür beinharte Platzrestriktionen. Und doch, das Publikum im Filmforum Höchst dankte es. Lob allenthalben für das vielfältige Programm; lebendige Diskussionen über die Filme. Was will man mehr?

Zur Entzerrung wurden die neueren Produktionen drei Mal statt wie üblich zwei Mal gezeigt. Stolz waren wir darüber hinaus, dass wir im Jubiläumsjahr des Festivals trotz der wirtschaftlich angespannten Situation auf der kleinen Insel relativ viele neue und sehr unterschiedliche Produktionen präsentieren konnten.

Besonderen Anklang fand dabei „Insumisas“ („Die Unbeugsamen“) von Altmeister Fernando Pérez. Die schweizerisch-kubanische Produktion ist als historischer Film mit den Themen Rassismus und sexuelle Diversität im Grunde brandaktuell und überzeugt in der visuellen Gestaltung von den Close-ups bis zur Bildkomposition. Auch der Schwarzweißfilm „Jazz Club“ von Esteban Insausti stieß auf große Aufmerksamkeit durch seine besondere Ästhetik.

1959 hatte Kuba mit der Gründung des Filminstituts ICAIC und der programmatischen Ansage „Film ist Kunst“ im neuen Kulturgesetz schlagartig den Status der Terra incognita auf der kinematographischen Weltkarte hinter sich gelassen. Ein Grund mehr für uns, dass wir gerade im Jubiläumsjahr etliche Perlen der kubanischen Filmgeschichte hervorgeholt haben: etwa „Les Aventuras de Juan Quin Quin“ („Die Abenteuer des Juan Quin Quin“) (1967) von Julio García Espinosa, „Lucia“ (1968) von Humberto Solás oder Tomás Gutiérrez Aleas „Memorias del Subdesarrollo“ („Erinnerungen an die Unterentwicklung“) von 1968, der mit seiner assoziativen Montage von Spielfilmhandlung und dokumentarischem Material zu einem Meisterwerk des Weltkinos wurde.

Unser Interesse, das filmische Schaffen von der Insel auch im bundesweiten Rahmen bekannt zu machen, führte 2020 zur Kooperation mit dem Koki Weiterstadt, dem Saarbrücker Kino Achteinhalb sowie dem Kino im Künstlerhaus Hannover. Wir sind stolz darauf, den surrealen Bedingungen im Pandemiejahr getrotzt und das 25-jährige Jubiläum von Cuba im Film in Frankfurt ermöglicht zu haben.

* Der Autor ist Mitglied des Festivalkomitees von Cuba im Film.

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