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Gute Voraussetzungen am Standort schaffen

Gute Voraussetzungen am Standort schaffen
HessenFilm-Chefin Anna Schoeppe über die strategische Ausrichtung der Filmförderung – in und nach Corona-Zeiten
Von Bernd Jetschin

Die HessenFilm will insbesondere in der Talent- und Nachwuchsförderung Akzente setzen. Für die Geschäftsführerin Anna Schoeppe gilt es, das große Potenzial des Standortes weiterzuentwickeln, Talente in Hessen fest zu etablieren und dem Fachkräftemangel bei den kreativen Gewerken zu begegnen. Aber auch zur aktuellen Corona-Lage äußert sich die Förderchefin hier im GRIP-Gespräch.

Seit Ihrem Amtsantritt beherrschte die Corona-Pandemie den Alltag. Mit welchen Programmen und Maßnahmen konnten Sie die Branche in dieser Zeit unterstützen?

Wir haben uns am Soforthilfeprogramm der Bundes- und Länderförderer beteiligt, um schnell Unterstützung auf den Weg zu bringen. Zudem haben wir ein Förderprogramm für die hessischen Kinos aufgelegt, mit dem wir rund 500.000 Euro an 54 hessische Kinos vergeben haben. Die Kinos konnten bis zu 10.000 Euro beantragen. Aber nicht nur finanziell unterstützen wir die Branche: In diesen Zeiten ist der Erfahrungsaustausch essentiell. Wir alle erleben diese Umstände zum ersten Mal. Daher ist es wichtig, Erfahrungen zu teilen und sich noch stärker auszutauschen als bisher. Da dies derzeit nur sehr eingeschränkt im persönlichen Kontakt stattfinden kann und viele Anlässe dazu wegfallen, haben wir in den vergangenen Monaten einige digitale Angebote geschaffen. Dazu zählen unter anderem ein Weiterbildungsformat zum Hygienebeauftragten, ein Webtalk zum Thema Dreharbeiten in der Pandemie und ein Workshop zum Thema „PR DIY für Filmemacher und Filmemacherinnen in Coronavirus-Zeiten“.

Welche Newcomer-Projekte wurden zuletzt erfolgreich angestoßen und sind bald zu erwarten?

Einige vielversprechende Nachwuchsprojekte stehen kurz vor ihrem Kinostart. Die Komödie „Toubab“ von Florian Dietrich zum Beispiel, die im vergangenen Jahr in Südhessen gedreht wurde und zuletzt auch Verleihförderung der HessenFilm erhalten hat und dazu für den Hessischen Film- und Kinopreis nominiert war. Auch „Borga“, der Debütspielfilm von York-Fabian Raabe, mit Eugene Boateng und Christiane Paul, lässt nicht mehr lange auf sich warten. „Borga“ ist eine deutsch-ghanaische Koproduktion, die von alltäglichem Rassismus, pauschalen Vorurteilen und der Sehnsucht nach Macht und Reichtum handelt. In diesem Sommer hat der hessische Regisseur Christian Schäfer sein Debüt „Trübe Wolken“ mit Devid Striesow in der Hauptrolle unter Corona-Bedingungen abgedreht. Und auch Peter Meister legt bald seine schwarze Komödie „Das schwarze Quadrat“ mit Sandra Hüller in einer zentralen Rolle vor. Wir können uns also auf viele spannende Nachwuchsprojekte aus Hessen freuen.

Mit der Paketförderung versuchen Sie, junge Produktionsfirmen am Standort zu stärken.

Mit der Talent-Paketförderung haben wir ein Instrument, um gezielt junge Produktionsfirmen in die Lage zu versetzen, mehrere Projekte eigenständig zu entwickeln und sich so zu etablieren. Zuletzt ging die Paketförderung an die U5 Filmproduktion, die noch in diesem Jahr von einer jungen Generation in der Geschäftsführung übernommen und weitergeführt wird. Sie erfahren durch die Paketförderung die nötige Unterstützung, um die Bandbreite ihrer Projekte und Formate ausweiten zu können.

Ein erklärtes Ziel der hessischen Filmförderung ist es, Nachwuchskräfte aus allen kreativen Sparten der Filmbranche am Standort zu fördern. Welche Aufgabe übernimmt das neue Branchen- und Weiterbildungsprogramm STEP, das gerade aus der Taufe gehoben wurde?

Das Branchenqualifizierungs- und Weiterbildungsprogramm STEP ist im Moment einzigartig in Deutschland. Unser Ziel ist es, Studierende, Film- und Medien Alumni sowie Quereinsteiger auf ihrem Weg in die Filmbranche zu unterstützen. Gleichzeitig bieten wir Unternehmen und Institutionen eine Plattform, um Nachwuchs in Projekte und am hessischen Standort einzubinden. Über die Branchenqualifizierung, den Hauptstrang von STEP, helfen wir den antragstellenden Unternehmen, Praktikanten zu finden und finanzieren diese Praktikumsplätze mit dem Ziel, hier nachhaltig junge kreative Fachkräfte für die Filmbranche zu gewinnen.
Als Standort sind wir attraktiv, wenn wir gute Voraussetzungen für Projekte schaffen. Wir finanzieren zudem Weiterbildungen und vergeben Autorenstipendien. Mit STEP fördern wir die kreativen Gewerke – insbesondere diejenigen, für die es keine klassischen Ausbildungswege gibt. Wir freuen uns daher sehr, dass die Kreativprämie, die in diesem Jahr einmalig vergeben werden kann, den hessischen Filmschaffenden in unterschiedlichen Gewerken zugute kommen wird.

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