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Einer für alle

Einer für alle
Theaterleiter Klaus-Peter Roth vom Filmforum Höchst geht in Ruhestand
Von Felix Fischl und Sabine Imhof

Eine bunte Gruppe von Filmenthusiasten war das 1969 gegründete VHS Filmstudio von Anfang an. Als noch der Bund für Volksbildung e.V. die Angebote einer offenen Volkshochschule verantwortete, wurden im einstigen Volksbildungsheim in Höchst jeden Donnerstag 16mm Filme vorgeführt. Zum damaligen Stammpublikum gehörte auch schon Klaus-Peter Roth. Man zeigte Filmkunst, stellte thematische Reader zusammen und diskutierte mit dem Publikum.

Der neue Name – Filmforum Höchst – wurde ab dem 21. November 1975 das Markenzeichen des engagierten Kinokollektivs und mit dem Film „Alice in den Städten“ (Wim Wenders) im neugebauten BIKUZ (Bildung- und Kulturzentrum) feierlich zelebriert. Im Zuge der von Hilmar Hoffmann angeregten Kommunalisierung der VHS unter dem Motto „Kultur für alle“ wechselte der Träger 1976 vom Verein zur Kommune. Im großen Saal des BIKUZ wurde fortan Kino auf 35mm-Projektoren an inzwischen zwei Abenden projiziert – vor bis zu 400 Personen.

Ab 1977 beteiligte sich Klaus-Peter Roth am Spielbetrieb als aktives Mitglied im sogenannten FOK (Filmstudio Organisationskollektiv). Neben seinem Lehramtsstudium fühlte er sich immer mehr zum jungen deutschen Film und zum französischen Kino hingezogen. 1987 bezog das Filmforum – gemeinsam mit dem Neuen Theater, das weiterhin unter dem Träger des Bunds für Volksbildung e.V. geblieben war – ein ehemaliges Kinogebäude in der Emmerich- Josef-Straße, sein Domizil bis heute.

Mit dem Ortswechsel und dem Ausbau des Spielbetriebs übernahm Klaus-Peter Roth die Theaterleitung und erhielt die erste kinointerne Festanstellung. Für sein inspiriertes, international ausgewogenes Filmprogramm sollte das Kino von Beginn an den Hessischen Kinopreis und auf Bundesebene regelmäßig den Kinopreis des Kinematheksverbundes erhalten.

Maßgeblich beteiligt war Roth etwa an dem 1995 durchgeführten binationalen Filmfestival anlässlich der Regionalpartnerschaft Hessen – Aquitaine mit einer Filmreihe über das Lachen im deutsch-französischen Vergleich. Für die Verdienste des Filmforums am Kulturaustausch bekam Roth vom französischen Generalkonsulat 2005 den Ordre des Palmes Académique verliehen.

1996 formierte sich die Arbeitsgruppe zum Cuba im Film – festival de cine cubano und brachte ihre erste Ausgabe mit Filmen in und über Cuba nach Höchst. Im selben Jahr schloss sich das Kinokollektiv dem Africa Alive Festival an. Gezielte Blicke auf diverse Kulturen, wie das Kurdische Filmfestival, Venezuela im Film oder die Teilnahme an den Wanderfestivals Cinema Italia und Cinebrazil, und Filmgespräche mit spannenden Gästen zeichnen das abwechslungsreiche Programm bis heute aus. Immer wieder ist es ihm und seinem Team dabei gelungen, die namhaftesten Köpfe des Weltkinos nach Höchst zu holen: Wim Wenders, Haile Gerima, Humberto Solás, Abderrahmane Sissako, Fernando Pérez, um nur wenige zu nennen.

Und nicht zu vergessen ist sein Einsatz im Vorstand des Hessischen Film- und Kinobüros, um den Filmtheatern, den gewerblichen ebenso wie den kommunalen, Gehör zu verschaffen. Von 1999 bis 2016 gehörte er dem Gremium ununterbrochen an.

Klaus-Peter Roth hat in den über 40 Jahren seines Wirkens das Kino nicht nur bundesweit und international bekannt gemacht, er hat auch dessen kollektive Arbeitsstruktur bewahrt. Mit dem Jahreswechsel geht er nun in den verdienten Ruhestand, seine Nachfolgerin wird die Fotografin und Filmwissenschaftlerin Sabine Imhof, die sich bereits seit 13 Jahren für das Kino als freie Mitarbeiterin im Team engagiert.

Der passionierte Cineast, dem höchstens eine Corona-Krise seiner Leidenschaft fürs Kino etwas anhaben kann, verabschiedet sich aber nicht vollends vom Kino. In den Festivalgruppen Cine cubano und Africa Alive sowie dem 1990 gegründeten Filmforum-Förderverein Aufblende e.V. macht sich Klaus-Peter Roth auch weiterhin für ein Kino der Vielfalt stark.

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