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Eine Vorreiterrolle einnehmen

Eine Vorreiterrolle einnehmen
Die U5 setzt unter neuer Führung auf Kontinuität und Weiterentwicklung
Von Bernd Jetschin

Bei der Frankfurter U5 Filmproduktion steht zum Jahresende ein Wechsel an; die drei Gründer, die beiden Produzenten und Geschäftsführer Karl-Eberhard Schäfer und Norbert Walter sowie der Regisseur Rolf Silber werden das Unternehmen übergeben. Katrin Haase, schon gut zehn Jahre im Haus, und der im Vorjahr hinzugestoßene Oliver Arnold wollen die U5 als Team weiterführen und sind bereits für die Neuausrichtung und Erschließung neuer Märkte zuständig.

Die drei Gründer kannten sich von der Frankfurter Filmproduktion, die es in den 90er Jahren von Frankfurt nach Köln und München zog. Sie wollten einst nicht mitgehen und bauten stattdessen 1997 mit der U5 Filmproduktion in Frankfurt ein eigenes Unternehmen auf. Norbert Walter, der zwischenzeitlich bei der Saarfilm war, kehrte nach Frankfurt zurück. Das war damals ein mutiger Schritt, denn die Metropole am Main konnte mit anderen Medienstandorten in der Republik nicht mithalten. Aber nach 23 Jahren und über 80 TV-Filmen und Serien bilanzieren die beiden Geschäftsführer Norbert Walter und Karl-Eberhard Schäfer heute nicht ohne Stolz: „Unser größter Erfolg liegt sicher darin, dass es uns gelungen ist, trotz der Standortnachteile mit dem Unternehmen hier zu bestehen.“

Die Frage, wie man altersbedingt kürzer treten kann, ohne die Zukunft des Unternehmens zu gefährden, beschäftigte das U5-Trio seit einiger Zeit: „Gereift ist der Entschluss schon lange und wir haben auch Gespräche geführt“, berichtet Norbert Walter: „Es ging uns immer um den Fortbestand der Firma, die wir als feste Größe in der Film- und Fernsehproduktion etabliert haben.“ Und Karl-Eberhard Schäfer fügt hinzu: „Mit Katrin Haase und Oliver Arnold haben wir zwei Nachfolger gefunden, die wir aus der gemeinsamen Arbeit gut kennen und die es sich gemeinsam zutrauen, die U5 in unserem Stil weiterzuführen. Und sie wollten es unbedingt gemeinsam machen.“

Beide sind Absolventen der Filmakademie Baden-Württemberg. Katrin Haase hat bereits zahlreiche Produktionen des Hauses mit entwickelt und betreut. Bei Oliver Arnold, seit vergangenem August bei der U5, verlief der Weg etwas anders. Seinen Einstieg in die Branche hatte er im Bereich Visuelle Effekte, als Producer arbeitete er für Kreativstudios wie Pixomondo oder Chimney, für die er an vielen großen Spielfilmen mitwirkte, bis er sich entschied, ein Produktionsstudium anzuhängen.

„Die U5 ist seit über 20 Jahren fest etabliert und das größte unabhängige Filmproduktionsunternehmen in Hessen. Die Firma genießt einen hervorragenden Ruf, wie wir immer wieder in Gesprächen mit Sendern, Auftraggebern oder auch durch die Dienstleister hier am Standort erfahren haben“, erklärt Katrin Haase. „Dieses positive Feedback hat uns bestärkt, den Betrieb verantwortlich in die Zukunft zu lenken und für Kontinuität zu sorgen.“ Und Oliver Arnold sieht gute Aussichten: „Die Zeichen auf dem Produktionsmarkt sind sehr positiv, wenn man von der derzeitigen Corona-Situation absieht, die sehr risikobehaftet für Produzenten ist. Der Markt hat sich für unabhängige Filmproduktionsfirmen deutlich verbessert. Die neuen Player und Streaming-Plattformen haben großen Bedarf an Content, das erweitert die Möglichkeiten für unabhängige Produktionsfirmen.“

Katrin Haase und Oliver Arnold sind dabei, die Neuausrichtung des Unternehmens voranzutreiben und neue Märkte zu erschließen. Mit der Talent-Paketförderung in Höhe von 150.000 Euro durch die HessenFilm und Medien haben sie nun eine Basis, ganz unterschiedliche Projekte anzugehen.

Mit der Entscheidung der HessenFilm ist anerkannt worden, dass durch den Generationswechsel bei der U5 ein starker Bedarf besteht, neue Produktionswege einzuleiten und neue Projekte anzustoßen, für deren Finanzierung man auf Förderung angewiesen ist. „Wir wollen uns kontinuierlich weiterentwickeln und uns breiter aufstellen, um über den klassischen Primetime-Markt der Fernsehsehsender hinaus, mit dem die U5 bisher gut gefahren ist, auch Inhalte für die Streamingdienste zu produzieren und neue Formate zu entwickeln“, so Haase. Und nicht zuletzt, sind beide überzeugt, werde auch der Standort davon profitieren.

Zu den besagten Projekten gehören unter anderem zwei Romanadaptionen. Als internationale Animationsserie soll ein populäres niederländisches Kinderbuch für den internationalen Markt umgesetzt werden. Auch den Roman „Zwölf Mal Juli“ von Astrid Rosenfeld will die U5 verfilmen. Erzählt wird das Porträt einer eigenwilligen jungen Frau, die von ihrem Freund verlassen wurde und die in zwölf Etappen und skurrilen Begegnungen versucht, damit fertigzuwerden. Der tragikomische Stoff eigne sich nicht für eine klassische dramatische Dramaturgie, sondern eher für episodisches Erzählen.

Weiter im Projektpaket befindet sich ein Serienvorhaben über eine Frauengemeinschaft in der Rhön. „Das Projekt entwickeln wir mit Kerstin Polte, die auch in einem eigenen Schreibkollektiv arbeitet“, wie Haase erklärt. Mit der Regisseurin, die im vergangenen Jahr bei den Bayerischen Filmpreisen mit dem Nachwuchspreis für ihren Erstlingsfilm „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ ausgezeichnet wurde, dreht die U5 gerade einen TV-Film fürs ZDF mit Claudia Michelsen, Corinna Harfouch und Angela Winkler in den Hauptrollen. Haase weiter: „Kerstin Polte ist eine Nachwuchshoffnung. Das ZDF sucht verstärkt nach weiblichen Talenten. Und das entspricht unserem Credo, sowohl mit aufstrebenden Talenten zu drehen, als auch die Zusammenarbeit mit bewährten Kräften fortzuführen.“

Was die U5 bisher stark gemacht hat, soll fortgesetzt werden: Im nächsten Jahr wird ein weiterer Film fürs ZDF gedreht und auch zwei Filme für die Degeto sollen folgen, die Norbert Walter betreuen wird. Unter der Regie von Jakob Ziemnicki entsteht der Film „Wolfsjagd“ (Drehbuch: Timo Berndt, Thomas Szabó), und in der zweiten Degeto-Produktion mit dem Titel „Nie zu spät“ mit Heino Ferch in der Hauptrolle soll Tomy Wigand Regie führen. Bei beiden Projekten werden Katrin Haase und Oliver Arnold ebenfalls beteiligt sein, um die Übergabe auch in der Praxis weiter voranzubringen.

Auch die Rollenaufteilung bei der U5, bei der Norbert Walter für die inhaltliche Akquise und die Stoffentwicklung und Karl-Eberhard Schäfer für die Bereiche Kostenkontrolle, Herstellungsleitung und Verträge verantwortlich ist, soll in Grundzügen bestehen bleiben. So soll Haase den Bereich der Stoffakquise übernehmen und Arnold jene Aufgabenbereiche, die bisher Karl-Eberhard Schäfer geleitet hat. Allerdings wird die Aufteilung nicht ganz so strikt gesehen, da sind sie sich einig, da sie beide auch eigene Stoffe entwickeln und betreuen wollen. Das sei ein Vorteil, weil sie sich gut ergänzen.

„Uns ist auch der Standort wichtig“, bekräftigt Haase. „Das ist der große Vorteil in Hessen, dass hier das Geschehen noch sehr überschaubar und eng verdrahtet ist.“ Die Erwartung, die sich daraus ergibt, heißt für das neue Duo, mit der U5 eine Vorreiterrolle einzunehmen, die vorhandenen Potentiale zu nutzen und voranzubringen.

Die drei ausscheidenden Gesellschafter aber werden dem Unternehmen beratend verbunden bleiben und weiter eigene Projekte einbringen.

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