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Längst überfällige Transparenz

Längst überfällige Transparenz

Die HessenFilm legt erstmalig Geschäftsbericht vor

Von Daniel Güthert

Im Geschäftsjahr 2018 hatte die HessenFilm und Medien GmbH einen Etat von alles in allem 12,3 Millionen Euro (inklusive eines Mittelvortrags von 2,1 Millionen Euro aus 2017). Davon gingen 10,1 Millionen Euro in die Projektförderung (für 149 Vorhaben), während rund 950.000 Euro für die Verwaltung und nochmals 350.000 Euro für die Kostenstelle Standortmarketing, Workshops und Festivalteilnahmen zu Buche schlugen. Zu entnehmen sind diese zentralen Kerndaten einem Zahlenwerk, auf das die Film- und Medienwirtschaft in Hessen lange warten musste. Vier Jahre hat es gedauert, ehe sich die HessenFilm veranlasst sah, einen Geschäftsbericht vorzulegen. Damit hat Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) ihre zum Amtsantritt Anfang 2019 verkündete Zusage umgesetzt, für mehr Transparenz in der hessischen Filmförderung sorgen zu wollen. Erstmals ist nun im November 2019 ein Jahresbericht erschienen. In einem sehr ansprechend gestalteten Kompendium werden auf 44 Seiten Zahlen und Fakten präsentiert, detailliert und übersichtlich angeordnet. Unter Angabe von Regie, Produktion und Förderzusage werden alle aus Hessen heraus geförderten Projekte aufgelistet, wobei man sich für die Reihenfolge der vorgestellten Titel eine schlüssige, nachvollziehbare Systematik gewünscht hätte. Zu Wort kommen im Weiteren Filmemacher und Vertreter verschiedener Interessengruppen, die in Statements noch mal an einige ihrer vorherrschenden Forderungen erinnern – wie etwa die Gründung eines Filmzentrums mit bezahlbaren Büros und Produktionsräumen oder die schon lang angemahnte Einrichtung eines Festivalhauses in Frankfurt. Wer überdies sich anschickt, tiefer ins Zahlengerüst einzutauchen, wird an einigen Stellen womöglich stutzen. Aufwendungen der WIBank etwa finden keine Erwähnung, obgleich die Bank nach wie vor mit der Abwicklung des vier Millionen Euro umfassenden Bürgschaftsfonds betraut ist. In der Vergangenheit stand diese Dienstleistung mit 500.000 Euro im Haushalt des HMWK. Oder wer unter der Rubrik Abspielförderung für Festivals die Mittelzusage von 220.000 Euro für das neue Frauenfilmfestival Remake sucht, wird vergebens suchen. Vielmehr taucht dieser Posten versteckt unter Sonstiges auf. Zur Klarheit der Zahlen hätte auch eine Ergänzung gutgetan, was das HMWK insgesamt an Mitteln für die Filmförderung bereithält. Die Rede im Bericht ist global von 10,5 Millionen Euro, von denen 9,2 Millionen an die GmbH gehen. Mehr kommt dazu nicht. Aber etwas anderes stößt ins Auge dabei, dass sich der Förderetat des Landes, zieht man zum Vergleich die Angaben von 2013 heran, nicht erhöht hat. Auch damals lagen die Fördermittel laut Ministerium bei über 10 Millionen Euro – bei genau 10,7 Millionen Euro. Regelrecht explodiert sind dagegen die Verwaltungskosten. Ist einst die als schwerfällig angeprangerte Fördereinrichtung von Land und hr mit weniger als 200.000 Euro für Verwaltung und Personal ausgekommen, ist es heute das Fünffache (950.000 Euro), plus den Kosten für WIBank und Wirtschaftsprüfer PWC, deren Größenordnung vermutlich mit nochmals rund 500.000 zu veranschlagen sein dürfte. Auffällig auch der hohe Kostenblock von 350.000 Euro für Maßnahmen des Standortmarketings, wozu laut Geschäftsbericht Veranstaltungen wie der Jour Fixe, Festivalempfänge und Festivalteilnahmen sowie diverse Workshops zählen. Inwieweit die damit verbundenen Ausgaben gerechtfertigt und finanziell vertretbar sind, muss im Einzelfall erörtert werden. Immerhin aber bietet der erstmals vorgelegte Geschäftsbericht die Transparenz, die es braucht, um – wie es im Vorwort zum Geschäftsbericht heißt – die weitere Entwicklung des Filmlandes Hessen gemeinsam diskutieren zu können.

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