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Hessische Webserien international erfolgreich

Hessische Webserien international erfolgreich

Grundlage ist die breit gefächerte Filmausbildung in Hessen und das in Gießen beheimatete Festival Seriale

Von Birgit Schweitzer

Während in anderen Ländern die Vermarktung von Webserien fortgeschrittener ist, bleibt es in Deutschland noch Neuland. So neu, dass der Name dafür noch nicht allgemein feststeht: Webserie, digitale Serie oder kurzformatige Serie (short form series). Es handelt sich um kurze Episoden von fünf bis 15 Minuten, die im Internet publiziert werden und auf „mobilen Endgeräten“ wie Handy oder Tablet geschaut werden können. Nach den Anfängen um die 2000-Wende, in denen diese Serien noch mit einfachen Mitteln produziert wurden und aus einer Independentszene entstanden sind, bildet sich heute eine zweite Generation heraus, die in ihrer technischen und narrativen Qualität mit großen Filmproduktionen mithalten kann. Interessanterweise hat sich in Hessen, das bisher kein großer Spielfilmstandort ist, eine international beachtete Szene für Webserien gebildet. Grund dafür ist unter anderem die Ausbildungsstruktur in Hessen. Vier hier ansässige Hochschulen bilden vielseitige Filmemacher heran, nicht strikt getrennt nach Gewerken, wie es in Filmakademien der Fall ist. Da Webserien in der Regel mit wenig Budget produziert werden, können Studienabgänger mehrere Positionen einnehmen wie Drehbuch, Regie und Produktion. Absatzmöglichkeiten aber sind in Deutschland kaum vorhanden, so gehen diese Arbeiten folgerichtig auf den internationalen Markt, zumal die vornehmlich produzierten Genres Mystery und Thriller weltweit publikumstauglich sind. Hierfür bietet die Seriale – das Festival für digitale Serien in Gießen unter Leitung von Csongor Dobrotka eine willkommene Plattform. In nur sechs Jahren hat sich die Seriale zu einem der drei renommiertesten Branchentreffs für digitale Serien entwickelt, neben Bilbao Seriesland und Buenos Aires Series. In diesem Jahr findet die Seriale vom 3. bis 8. Juni wieder statt – wegen der Corona-Krise als Online-Event. „Die Seriale ermöglicht einen Einstieg in die Szene und man kommt ungezwungen an internationale Kontakte – direkt vor der Haustür“, erklärt Stephan Böhl, Mitautor und -produzent der derzeit erfolgreichsten deutschen Webserie im Kurzformat, dem Science Fiction Mysterythriller „Anomalie“ (Regie Christian Stadach). Beide sind mit ihrem Filmemacherkollegen Thomas Meudt Abgänger der Darmstädter Hochschule im Studiengang Digital Media / Media Direction und haben die Firma Tag & Nacht Media gegründet, die die Serie produziert hat. Diese rangiert auf der Internetseite des Web Series World Cup auf Platz fünf weltweit und wurde auf dem Filmfestival in Buenos Aires jüngst zweifach prämiert: für die beste Kamera von Marco Eisenbarth, ebenfalls Darmstädter, der gerade mit seiner eigenen Web-Dokuserie „Bastards.“ durchstartet, sowie für den besten Sound von Meudt und Böhl. In 20-minütigen Folgen erzählt „Anomalie“ die spannende Geschichte des zwanzigjährigen Jan (Marc Boutter), dessen Leben mit dem plötzlichen Tod seiner Mutter auf den Kopf gestellt wird. Seriale-Festivalleiter Csongor Dobrotka ist selbst erfolgreich als Produzent, Autor und Regisseur mit „Number of Silence“, einer Mysteryserie, auf den Kanälen Seeka TV (USA) und Personal Play in Argentinien zu sehen. Das Non-profit Projekt stand 2016 sogar auf Platz zwei der weltweit erfolgreichsten Webserien. Für die zweite Staffel hat sich ein Co-Produzent aus den USA gefunden und die Serie wird als eine der ersten Seeka TV Original-Produktionen für sechs Monate exklusiv nur dort laufen. Und derzeit ist Dobrotkas Serie „Lotte Haus“, eine südkoreanisch-deutsche Koproduktion seiner Firma Dobago Film, auf Festivaltour. Eine Liebesgeschichte angelehnt an „Die Leiden des jungen Werther“. 2018 erhielt die Dobago Film 141.200 Euro als Talentpaketförderung für die Entwicklung von weiteren Webserien von der hessischen Filmförderung, die Webserien im Rahmen von Paketförderungen unterstützt, während die Filmförderungen in anderen Bundesländern serielle Produktionen gesondert bedenken. So hat beispielsweise die Film- und Medienstiftung NRW sieben

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