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Grußwort

Grußwort

Liebe Leserinnen und Leser der GRIP, hätte ich dieses verdammte Grußwort doch gleich im Februar geschrieben! Dann hätte ich mich ganz auf das Jubiläum der AG DOK konzentrieren können, und der Text wäre so richtig positiv und optimistisch ausgefallen. Ich hätte geschrieben, dass es die AG DOK seit 40 Jahren gibt, Deutschlands größten Berufsverband der unabhängigen Filmszene, und dass er seit vielen Jahren ganz stark mit der hessischen Filmszene verbunden ist. Ich hätte erwähnt, dass Hannes Karnick schon seit 1979 in dem Vorbereitungsteam aktiv war, das über Monate hinweg die Gründung eines Dokumentarfilmverbands plante, und als am 19. September 1980 – am Rande der Duisburger Filmwoche – tatsächlich die Gründung vollzogen wurde, Hannes Karnick prompt als Vertreter der Region Hessen in den Vorstand der jungen Organisation eingezogen ist. Ich hätte geschrieben, dass es damals in Hessen noch gar kein Filmbüro gab – aber als es 1982 gegründet wurde, stand die AG DOK dabei ebenso Pate wie bei der Entwicklung der Hessischen Filmförderung und der später so genannten hr-Filmförderung. Auch dass es durch unser Zutun gelang, den Zugriff des Regionalsenders auf die Senderechte an den geförderten Filmen auf ein Minimum zu reduzieren, hätte ich nicht ohne Stolz erwähnt, denn darum haben uns die Kolleginnen und Kollegen in anderen Bundesländern immer beneidet. Ich hätte auf die vielen gemeinsamen Aktionen mit Filmbüro und Filmhaus verwiesen, auf manche Presseerklärung und Intervention zu Gunsten der hessischen Filmschaffenden auf der kultur- und medienpolitischen Ebene in Wiesbaden, auf eine gute Zusammenarbeit, die sich bis heute in die „Initiative Hessen Film“ hinein fortsetzt. Natürlich wäre zu vermelden gewesen, dass Hannes Karnick und Wolfgang Richter es 1984 geschafft haben, die Geschäftsstelle der AG DOK von Hamburg nach Hessen zu holen, wo sie dank eines großzügigen Angebots unserer Kunstministerin Angela Dorn auch nach meinem Ausscheiden aus der aktiven Verbandsführung bleiben wird. Zwar nicht mehr in Bürogemeinschaft mit dem Bundesverband der Kommunalkinos und mit dem Filmbüro, wie anfangs in der Schweizer Straße 6, aber wo auch immer: Deutschlands größter Filmverband bleibt in Hessen – und das gibt nicht nur dem tatkräftigen Regionalteam der AG DOK Rückenwind, dem außer Hannes Karnick seit mehr als einem Jahr jetzt auch Melanie Gärtner und Yasmin Rams angehören, und das dadurch stärker, jünger und weiblicher geworden ist. Das ist auch eine gute Nachricht für das filmpolitische Gewicht des Standorts Hessen. Über all das hätte ich schreiben können. Und jetzt? Dreht sich die Welt nur noch um das kleine dicke Corona-Virus. Corona, Corona, Corona. Keiner interessiert sich mehr für etwas anderes. Dabei hätte man das 40-jährige Jubiläum der AG Dokumentarfilm und die vielfältige Verwurzelung des Verbands in Hessen doch wenigstens in einem kurzen Grußwort würdigen können. Na ja. Sollte halt nicht sein. Schade eigentlich, meint Ihr/Euer

Thomas Frickel

Filmemacher und ehemals Vorsitzender der AG DOK

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