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Eine Figur glaubwürdig gestalten

Eine Figur glaubwürdig gestalten

Vom historischen Gewand bis zur Alltagsklamotte – das Kostümbild im Film

Von Andrea Wenzek

Kostümbild im Film? Darunter fällt dem Laien spontan die Bekleidung von Schauspielern in einem aufwendigen Historienfilm ein. Ohne den reich verzierten Fächer in den Händen einer mit turmhoher Perücke drapierten Darstellerin könnte manch einer den Film gar nicht im Zeitalter des Rokoko verorten. Es sind Kostümbildner, die für die Ausstattung der Filmfiguren zuständig sind. Deren gestalterische Arbeit trägt wesentlich zur Ästhetik eines Filmes bei. Der Berufseinstieg ins Kostümbild kann über eine Ausbildung im Schneiderhandwerk bis zum Gewandmeister erfolgen. Ein Studium in Modedesign ist ebenfalls möglich. Diesen Weg hat Tina Schellmann aus Frankfurt gewählt, heute ist sie Kostümbildnerin von Fernsehspielfilmen und TV-Serien. „Mode hat mich bereits als Jugendliche interessiert“, berichtet sie, „hinzu kam meine Affinität zu Kunst und Kultur. Die Geschichte und mögliche Geschichten, die sich hinter einem modischen Stil verbergen, haben mich dabei besonders interessiert.“ Ungeachtet der Stilepochen markiert die Bekleidung den Typus der Filmfigur und das Milieu, in dem sie sich bewegt. Schnell wird deren Beruf und finanzieller Status sichtbar, sogar manche Charaktereigenschaft wie Geltungssucht oder Bescheidenheit. „Das Kostüm kann auch Befindlichkeiten der Figur ausdrücken“, sagt Schellmann, „zum Beispiel Glück oder Not.“ Gewiss, zu einer in tiefster Depression befindlichen Protagonistin dürfte ein farbenfrohes Kleid nicht passen, dann doch lieber etwas in einem Schlammton. Kommt es zur Katharsis, könnte ein Blümchenkleid spielerisch ihr inneres Leuchten unterstreichen. All das können Kostümbildner den Darstellern auf den Leib schneidern. Bei Filmen mit durchschnittlichem Budget sollte man dies nicht wörtlich nehmen, denn die Herstellung von Filmkostümen ist kostenintensiv. Lieber greift man auf einen Kostümfundus zurück und kauft in Bekleidungsgeschäften auf Rückgabe ein. Schellmann hat sogar einen eigenen Fundus: „Eine Sammlung von Kleidung aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern. Davon habe ich das meiste auf Flohmärkten eingekauft.“ Die Straße ist auch aus einem anderen Grund Quelle ihrer Inspiration: „Dort mache ich Milieustudien für meine Arbeit und entdecke richtig schräge Typen.“ Nicht nur auf der Straße, sondern auch in Bibliotheken, Museen und natürlich im Internet findet die Recherche für die Entwicklung eines Kostümbilds statt. Ist diese abgeschlossen, werden der Produktionsfirma Moodboards vorgelegt, eine Sammlung von Entwürfen, Collagen und Textilmaterialien. In Abstimmung mit den Kostüm- und Szenenbildnern legen Regie und Kamera anschließend das optische Konzept des Filmes fest. Nun beginnt für die Kostümbildner die Zeit der Filmherstellung. Bei einem 90- Minüter dauert sie rund zweieinhalb Monate: Vorproduktion, Dreharbeiten und der Abwicklung der Abteilung. Zum Team gehören mindestens eine Assistenz und Garderobieren. Die Assistenz ist unter anderem für die Organisation und Logistik der Abteilung in allen Phasen der Herstellung zuständig, die Garderobieren kleiden die Darsteller später beim Dreh für jedes neue Motiv aus dem großen Kostümmobil ein. Der Kostümbildner hat als Leiter einer Abteilung die Einhaltung seines Etats zu verantworten, dazu gehören die Kosten für die Ausstattung der Schauspieler, Statisten und Stuntleute. In der Phase der Vorproduktion werden die Kostüme und Accessoires gefertigt und beschafft. Anschließend finden die Anproben mit den Schauspielern statt. Seit zwei Jahren arbeitet Tina Schellmann auch als Kostümbildnerin für die Fernsehserie „Ein Fall für Zwei“, die in Frankfurt gedreht wird. Da die meisten Schauspieler heute in Berlin wohnen, mietet sie dort ein Büro für die Anproben an. Für Schellmann ist die erste Begegnung mit den Darstellern aufschlussreich: „In der Realität wirken sie oft ganz anders als im Showreel. Ich lass mir dann was Neues einfallen, damit die Figur glaubwürdig wirkt.“ Auch beim Dreh modifiziert sie manchmal ihr Konzept, so kommt ein andersfarbiges Hemd zum Einsatz, weil es besser zum plötzlichen Regenwetter passt. Und: „Nicht zu vergessen sind die

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