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Unattraktive Arbeitsbedingungen

Unattraktive Arbeitsbedingungen
Filmbranche beklagt zunehmenden Nachwuchs- und Fachkräftemangel
Von Andrea Wenzek

Die Filmbranche beklagt einen Nachwuchsmangel in den meisten Gewerken der Filmherstellung. Dies mag auch am demographischen Wandel liegen. Nicht wenige in der Branche meinen jedoch, die Arbeit beim Film habe für junge Leute ihren Glamour verloren. Sogar Bavaria-Chef Christian Franckenstein räumte in der Süddeutschen Zeitung ein, dass die Arbeitsbedingungen beim Film mit den Erwartungen der jüngeren Generation nicht mehr im Einklang stünden. Befristete Arbeitsverträge, lange Arbeitstage und projektbezogene Einsatzorte begünstigten nicht unbedingt eine ausgeglichene Work-Life Balance.

Laut ver.di-FilmUnion und crew united liege der Mangel an Nachwuchs insbesondere an den schlechten Arbeitsbedingungen für die Filmschaffenden. Die Tageshöchstarbeitszeit von zwölf Stunden, die tariflich vereinbarten Gagen sowie die Mehrarbeitsvergütung werden von Produktionsfirmen häufig umgangen.

Das Nachwuchsproblem ist aber auch hausgemacht. Für viele Gewerke gibt es keine Ausbildung. Es sind vor allem Quereinsteiger, die sich bislang mit zwei Praktika, fünf Assistenzen über etwa vier bis fünf Jahre bis zu ihrem Beruf hochgearbeitet haben. Seitdem auch für Praktikanten der Mindestlohn gilt, sparen viele Produzenten und besetzen zu wenige Praktikumsstellen. Das hat nach sich gezogen, dass es heute zu wenige Assistenzen in den Gewerken gibt, dem Pool für die künftigen Fachkräfte.

Karl-Eberhard Schäfer von der Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft beklagt zudem den Mangel an Fachkräften. Dies betreffe alle Gewerke sowie deren Assistenzen. Als Geschäftsführer der Frankfurter U5-Filmproduktion legt Schäfer Wert auf die tariflich vereinbarten Gagen und führt zusätzlich Beiträge für Mitglieder der Pensionskasse Rundfunk ab. Doch trotzdem sucht er händeringend nach qualifiziertem Personal. Schäfer konstatiert: „Während laufender Dreharbeiten kann man sich von Zuhause verabschieden, die Arbeit ist einfach nicht familienfreundlich.“

In der Tat hört man von allen Seiten, dass sich Filmschaffende um die vierzig Jahre aus ihren Berufen zurückzögen. So gehen Filmgeschäftsführer in Steuerkanzleien und Aufnahmeleiter in die Werbung. Das hat jedoch nicht nur etwas mit dem familienorientierten Lebensabschnitt der Filmschaffenden zu tun, sondern in nicht geringem Maße mit der sich seit Jahren abzeichnenden Arbeitsverdichtung in den Projekten. Dazu gehört die immer kürzer werdende Vorbereitungszeit vor dem Dreh. Und die Drehzeit für die von TV-Sendern beauftragten Neunzigminüter ist mitunter auf 21 Tage geschrumpft.

Die Arbeitsverdichtung für die Filmschaffenden hat sich auch wegen der nun dünner gewordenen Personaldecke erhöht. Im Wettbewerb um die Fachkräfte greifen die Streamingportale wie Amazon, Netflix & Co. den etablierten Produktionsfirmen das erfahrene Personal ab. Eine Staffel für eine Serie kann bis zu 100 Leute über neun Monate an einen Dreh binden, und das mit geregelteren Arbeitszeiten als bei vielen TV-und Spielfilmproduktionen.

Nun ist den medienpolitischen Entscheidern die Fehlentwicklung nicht verborgen geblieben. Stichwort Ursachenbekämpfung: In der MFG Filmförderung Baden-Württemberg gilt seit 2018 die Einhaltung sozialer Standards als Kriterium der Produktionsförderung von Filmen. Hessen hat mit seiner jüngst erst verabschiedeten Novellierung der Richtlinie nachgezogen. Damit sich der Standort strukturell und ökonomisch nachhaltig entwickeln kann, werde nun die Einhaltung sozialer Mindeststandards und Tariflöhne eines Projekts bei den Förderentscheidungen beachtet. Es gibt laut Hessen Film aber auch Ausnahmen: Könne man ein Vorhaben aufgrund bestimmter künstlerischer Besonderheiten nur in einer Low-Budget-Produktion realisieren, sollte dies entsprechend begründet werden.

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