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Spione sind auch nur Menschen

Spione sind auch nur Menschen
Ein Porträt der Frankfurter A-List Films
Von Birgit Schweitzer

Die Frankfurter Produktionsfirma A-List Films steht und fällt mit der Person Nadav Schirman. Der Frankfurter Autor, Regisseur und Produzent, mit israelischen Wurzeln, ist Inhaber und Geschäftsführer des 2012 gegründeten Geschäftsbetriebs, mit dem er sich zum Ziel gesetzt hat, gute Stoffe zu entwickeln, um sie dann mit internationalen „A-List Partnern“ zu realisieren.

Seinen Durchbruch als Filmemacher hatte Schirman 2014 mit der Dokumentation „The Green Prince“, dem dritten Teil einer Trilogie, mit der er sich anschickte, die Psychologie von Spionen zu erforschen. Immer geht es dabei um Familiengeschichten, vor allem um Verrat an der Familie.

In „The Green Prince“, mit dem Schirman den Hessischen Filmpreis, den Publikumspreis beim Sundance Festival, den Bayerischen Filmpreis und den israelischen Academy Award gewann, verrät der Sohn seinen Vater, indem er die Fronten wechselt. Er lässt sich vom israelischen Geheimdienst anwerben, um seinen Vater, ein führendes Mitglied der palästinensischen Hamas, zu bespitzeln.

Im ersten Teil der Reihe, in „The Champagne Spy“ (2008) zeigt Schirman den hohen Preis, den Familienangehörige von Agenten zahlen müssen. Und in „In the Darkroom“ (2013), produziert von Pandora Film (Karl Baumgartner), wird die Geschichte von Magdalena Kopp nacherzählt, der Ehefrau des venezolanischen Terroristen Carlos, dem meistgesuchten Attentäter der 1970er und 80er Jahre. Bestimmte Seiten ihres Ehemanns und des Vaters ihrer Tochter werden immer im Dunkeln bleiben für sie. Das Thema Identität zieht sich als Faden durch Schirmans Werk.

Wer aber ist die Person Nadav Schirman? Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in einem Kibbuz in Israel. Sein Vater war Diplomat, so ist er in Paris aufgewachsen, lebte zeitweise in Montréal in Kanada, dann wieder in Tel Aviv. Unter anderem arbeitete er als Journalist für Variety und die Jerusalem Post. Der Absolvent der privaten Eliteuniversität Dartmouth College in New Hampshire in den USA, deren Mission es ist, die Studenten auf ein lebenslanges Lernen und ein „responsible leadership“ vorzubereiten, kam eher durch Zufall zum Filmemachen. „Ich hatte einfach viel Glück“, gibt er zu, fand immer renommierte Partner, die ihn unterstützten.

Eine der ersten Produktionen, die unter dem Label A-List-Films entstand, war 2012 der Dokumentarfilm „No place on earth“ von Janet Tobias, über das Schicksal jüdischer Familien in der Ukraine während des Zweiten Weltkrieges. In Koproduktion mit Sumatra Films und 2B Films realisierte A-List Films 2016 den Dokumentarfilm von Raz Degan „The Last Shaman“. Ausführende Produktionsfirma war Leonardo di Caprios Appian Way.

Aktuell entwickelt Schirman eine Reihe neuer Vorhaben, für die er in zwei Fällen Fördermittel aus Hessen erhalten hat. 25.000 Euro sind ihm im April 2018 als Drehbuchförderung für den Spielfilm „Vogelsberg“ bewilligt worden. Es sind seine ersten Schritte in Richtung Fiction-Drehbücher nach seinen bisherigen dokumentarischen Arbeiten. In „Vogelsberg" geht es um die Wirtschaftskrise und den Zusammenbruch von großen Banken. Eine Geschichte, für die Frankfurt passend die Folie bietet.

Und eine weitere Förderzusage von 25.000 Euro hat er im März 2019 für die Drehbuchentwicklung der Serie „Der Innere Kreis“ - mit 60-minütigen Folgen – erhalten, die A-List zusammen mit Beta Film herstellt. In „Der Innere Kreis“ erschüttert ein Mord das Leben wohlhabender britischer Führungskräfte in Frankfurt. Derzeit entsteht das Skript dazu, das Schirmann in Zusammenarbeit mit Torleif Hoppe schreibt, dem Autor der dänischen Krimiserie „Kommissarin Lund".

Darüber hinaus arbeitet Nadav Schirman noch an weiteren Stoffen, wie beispielsweise an der deutsch-italienischen TV-Serie „German Moon" (produziert von Beta Film, Zeitsprung und Wildside) über deutsche Weltraumexperten, einst wissenschaftliche Elite des NS-Regimes, die von den USA nach dem zweiten Weltkrieg abgeworben wurden; oder er sitzt zwischendurch sogar noch auf dem Regiestuhl, zuletzt für den israelischen Spielfilm „The Longest Night“, der sich aktuell in der Postproduktion befindet. Doch der Ausgangspunkt seiner Aktivitäten ist und bleibt Frankfurt. Hier nehmen seine Geschichten ihren Anfang.

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