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Geerdet und angenommen!

Geerdet und angenommen!
Von Dieter Brockmeyer*

Meine erste Begegnung mit dem Filmhaus Frankfurt reicht zurück bis in die Anfänge, mit einem Termin im allerersten Büro im Bahnhofsviertel. Das war in einer Zeit des Aufbruchs: In der zweiten Hälfte der 1980er schienen die Voraussetzungen blendend für den Film in Frankfurt. Privates Fernsehen war im Kommen. Das Konsortium, aus dem später Sat.1 hervorging, hatte seinen Sitz hier, und auch RTL hatte schon seine Wahl zugunsten der Stadt getroffen, nicht zuletzt der vielen Werbeagenturen wegen. Alles rief nach Aufbruch. Das Filmhaus Frankfurt entsprang diesem Geist. Aus der Branche gegründet, sollte es den Aufbruch unterstützen. Die Pläne waren groß: Die Bosch Fabrik in Bockenheim sollte zu einem Dienstleistungszentrum für die lokalen Filmschaffenden ausgebaut werden.

Doch der große Traum war schnell vorbei. Die Landespolitik verzögerte das Landesmediengesetz, da sie dem „Kommerz-Funk“ kritisch gegenüberstand. RTL folgte dem Ruf nach NRW, nur die Vermarktungstochter sollte noch einige Jahre in Frankfurt, später in Kronberg verbleiben, bis auch sie dann der inzwischen veritablen Mediengruppe in Köln einverleibt wurde.

Plötzlich sah die Situation auch für das Filmhaus ganz anders aus. Man hatte gerade Räume an der Hamburger Allee, in direkter Nachbarschaft zum Orfeo Kino bezogen, die eigentlich wieder nur als Provisorium gedacht waren. Dort sollte die kommenden Jahre doch die dauerhafte Heimat sein. Weitere Stationen, oder „Geschäftsräume“, waren dann im Theaterhaus an der Schützenstraße, später am Ostbahnhof und heute in der Innenstadt, unweit der Zeil. Alle diese Räume hatten ihren eigenen Charakter, aber eines hatten sie alle gemeinsam – sie wurden schnell als ideelles Zentrum einer Branche angenommen, die es in der Mainmetropole bei weitem nicht leicht hat. Zwar war die finanzielle Ausstattung immer gering, dafür war der persönliche Einsatz der wenigen Mitarbeiter umso höher. Und geboten wurde viel. Seminare, ein Kamera- und Schnittplatzverleih, Infoveranstaltungen und Podiumsdiskussionen – und immer wieder kleine, aber feine „Nett“working-Events. Und nicht weniger wichtig dabei der Einsatz in Gremien gegenüber Stadt und Land für die Filmemacher, die Programmkinos, aber auch für die zahlreichen kleinen Filmfestivals in der Stadt. Gerade in den letzten Jahren wurde hier viel erreicht, im Hintergrund, ohne viel Lärm, aber dafür umso effektiver.

Das ist auch wichtig, denn die Frankfurter Filmszene hat sich gewandelt. Nach der schleichenden Abwanderungswelle in Film- und neue TV-Zentren, füllt sich die Szene allmählich wieder, mit jungen, ehrgeizigen Filmemachern, mit vielen neuen Ideen. Für mich ist das Filmhaus Frankfurt zu einer Art Heimat geworden – und das obwohl Film oder gar Frankfurt bei mir beruflich nur noch eine Nebenrolle spielen. Aber egal - auf die nächsten 30 Jahre, liebes Filmhaus, mindestens!

*Dieter Brockmeyer ist Medienfachpublizist

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