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Deutsche Filmfestivals gründen AG

Deutsche Filmfestivals gründen AG
Eine Podiumsdiskussion von Filmhaus Frankfurt und ver.di zur Zukunft der Festivals
Von Andrea Wenzek

Viele der aktuellen Kinofilme bekommt man heute nur noch auf Filmfestivals zu Gesicht. Die FFA verzeichnet eine steigende Publikumsnachfrage. Festivals haben 2018 sowohl beim Umsatz als auch im Bestand kräftiger zugelegt als der Kinomarkt insgesamt. Doch der tragenden Rolle der Events in der Auswertung der Filmkunst wird durch die öffentliche Förderung zu wenig Rechnung getragen.

Im Juli gründeten deshalb Vertreter deutscher Filmfestivals eine bundesweite Interessenvertretung unter dem Namen „AG Filmfestival“. Lars Henrik Gass, Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage und Mitinitiator der AG, unterstreicht: „Filmfestivals haben vor allem eine kulturelle Funktion. Sie stehen aber auch am Beginn der Auswertungskette als Teil der Filmwirtschaft.“

Allein in Deutschland gibt es rund 400 Filmfeste. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie reine Publikumsveranstaltungen. Zudem werden dort die meisten der aktuellen deutschen Produktionen gezeigt, denn nur wenige von ihnen erleben je einen Kinostart. Deshalb hat sich die AG für die anstehende FFG-Novelle mit einer eigenen Stellungnahme ins Spiel gebracht. Demnach sollen Festivals stärker berücksichtigt werden, denn „die Kinos profitieren, da sie an den Erlösen beteiligt sind“, sagt Gass.

Die AG kann in ihrer Lobbyarbeit wohl kaum um höhere Fördergelder für die chronisch unterfinanzierten Festivals kämpfen, denn die öffentliche Unterstützung findet bis auf wenige Ausnahmen auf kommunaler und regionaler Ebene statt. Also braucht man landesweite Interessenvertretungen, wie sie etwa in Bayern und Hessen bestehen.

Doch zurzeit herrscht unter den vom Land geförderten hessischen Filmfesten große Aufregung. Eine neue Richtlinie setzt für die Antragstellung die Einhaltung sozialer Mindeststandards für die Beschäftigten voraus. Die Veranstalter fürchten nun ein Festivalsterben. Ende April organisierte deshalb das Filmhaus Frankfurt in Kooperation mit der Gewerkschaft ver.di eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Quo vadis Filmfestivals?“. Auf der Bühne hessische und Frankfurter Kulturpolitiker sowie Festivalmacher.

Mirjam Schmidt (Grüne), Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des Hessischen Landtags, hob hervor, dass die Landesmittel für 21 Festivals 2018 auf 913.000 Euro gestiegen seien. Laut Koalitionsvertrag sollen sie sich ab 2020 „perspektivisch verdoppeln“. Dies könne die Einhaltung der sozialen Standards, wie auch von ver.di gefordert, ermöglichen. Dazu merkte Marion Klomfass, Leiterin von Nippon Connection, aus dem Publikum an: „Wir zahlen unseren zwei Festangestellten über Mindestlohn und auch den Überstundenausgleich. Doch wie will man die Mindeststandards bei den Honorarkräften definieren?"

Schwierig, denn für freie Filmkuratoren existieren keine Honoraruntergrenzen wie etwa in den Gemeinsamen Vergütungsregeln für freie Journalisten. Die Hessen-Film verhält sich vage. Sie fordert die Antragsteller lediglich auf, „angemessene und faire Honorare zu kalkulieren“. Entschieden wird dann ohnehin über das Gesamtpaket, das ein Festival zur Förderung einreicht.

Und wie hält es die Stadt Frankfurt? Dieses Jahr unterstützt das Kulturamt zehn Festivals mit 240.000 Euro. Thomas Dürbeck (CDU) wies auf dem Podium darauf hin, dass die Einführung sozialer Mindeststandards die Frage nach der Förderwürdigkeit nach sich zöge. Eugen Emmerling (SPD) betonte, dass es keine Deckelung der Förderung durch Mindeststandards geben dürfe. So wäre jede neue Idee für ein Festival ausgeschaltet. Sebastian Popp (Grüne) wies auf ein für Festivals kostenintensives Infrastrukturproblem in Frankfurt hin: dem Fehlen eines Festivalzentrums mit entsprechendem Kinosaal. Seine Bereitstellung hat zwar in das Regierungsprogramm der Römerkoalition Eingang gefunden, harrt jedoch bis zur Stunde seiner Umsetzung.

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